Vielfältiges Engagement für Flüchtlinge und Migranten in Burgwedel

Türkan Berse (links) erläuterte das Kindergartenprojekt: „Rucksack-Mütter“, rechts daneben Julieta Beine, Koordinatorin des Patenschaftsprogramms Gemeinsam wachsen von der Arbeitsgemeinschaft Migrantinnen, Migranten und Flüchtlinge in Niedersachsen. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Cigdem Süyür sorgte mit Gesang und Instrumentalbegleitung für ansprechende musikalische Untermalung des Empfanges. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Ehrenamtliche wurden mit einem Empfang im Amtshof gewürdigt

BURGWEDEL (bgp). Die Arbeitsgemeinschaft Migrantinnen, Migranten und Flüchtlinge in Niedersachen (amfn) lud am vergangenen Donnerstag gemeinsam mit der Stadt Burgwedel zu einem Empfang ein.
Geehrt wurden Personen, die sich in Einrichtungen und Netzwerken für Flüchtlinge in Burgwedel engagieren. Dabei wurde die Vielfältigkeit des ehrenamtlichen Engagements vor Ort sichtbar.
Selbst langjährig engagierte ehrenamtliche Helfer, die sich schon auskennen, waren erstaunt, wie viele verschiedene Einrichtungen, Gruppen und Initiativen es in Burgwedel gibt. Die Aufzählung von Julieta Beine, die sich seit vielen Jahren für Migranten in Burgwedel engagiert, riss in ihrem Grußwort kaum ab: Personen, die Deutschkurse geben, Spiel- und Handarbeitstreffen, Erzählkaffee, Frühstücksrunden und Lesementoren sowie die Kleiderkammer geben nur einen Bruchteil dessen wieder, was die Ehrenamtlichen in Burgwedel leisten. Viele betreuen auch Einzelpersonen oder Familien, leisten persönliche Alltagshilfe und Unterstützung bei Behördengängen.
Mittlerweile sind in Burgwedel auch viele Migrantinnen und Migranten selbst ehrenamtlich tätig, um Unterstützung zu leisten. Manche helfen in der Kleiderkammer, der Fahrradwerkstatt, bei den Hausaufgaben oder in der Jugendarbeit. Sie alle möchten ihren Beitrag für die Allgemeinheit leisten.
Türkan Berse arbeitet gemeinsam mit drei anderen Elternbegleiterinnen mit Migrationshintergrund als "Rucksack-Mutter".
Andere Mütter mit Migrationshintergrund werden von den Elternbegleiterinnen darin bestärkt, zuhause mit den Kindern in der Muttersprache zu sprechen, damit sie diese richtig lernen. Im Kindergarten werden die Teilnehmerinnen dann einmal in der Woche von den Rucksack-Müttern auf Deutsch angeleitet, mit den Kindern kleine Hausaufgaben zu machen.
Außerdem werden Einrichtungen oder Bräuche in Deutschland erklärt, beispielsweise wie das Gesundheitssystem funktioniert oder was Fasching ist. Auch dabei wird ausschließlich Deutsch gesprochen.
Bürgermeister Axel Düker lobte in seiner Rede das besondere Engagement in Burgwedel, das dazu beitrage, die Menschen nicht nur unterzubringen, sondern ihnen die Integration zu erleichtern: "Die geflüchteten Menschen sind nun Teil der Community in Burgwedel". Die Unterstützung bei der Arbeits- und Wohnungssuche sei ein weiterer Schritt zu mehr Selbständigkeit und Integration. Im Austausch von Ehrenamtlichen und Geflüchteten sei die Stadtgesellschaft reicher und bunter geworden, so Düker.
Einige Geflüchtete ergriffen bei dem Empfang das Wort, unter anderem ein junger Syrer, der mit seiner Frau und seinem vierjährigen Sohn seit zwei Jahren in Burgwedel lebt. Er sei dankbar, dass seine Familie lebe und sich hier eine Patin um sie alle kümmere. Sie helfe ihnen, in Großburgwedel anzukommen, unterstütze bei Gängen zum Arzt und zu Behörden. Mit einem humorvollen Lächeln sagt er: „Wir sehen aber auch, dass es selbst für Deutsche schwierig ist, die Bürokratie zu verstehen". Eine junge Frau aus dem Iran kam vor eineinhalb Jahren nach Deutschland. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen in Burgwedel. Dort hätten sie bereits viele gute Freunde gefunden, die ihnen geholfen hätten, ebenso habe es im Rathaus der Stadt Burgwedel und dem Jobcenter immer gute Unterstützung gegeben, hob sie hervor. Sie richtete ihren Dank auch an die Ehrenamtlichen: „Sie alle geben uns das Gefühl, dass wir zu dieser Gesellschaft gehören."