Verhältnis von Mensch und Tier - Thema im St. Petri-Forum

In Kurzreferaten wurden die verschiedenen Positionen umrissen, anschließend gab es eine rege Diskussion. (Foto: Renate Tiffe)

Von Massentierhaltung bis hin zur konkreten Lebenshilfe

GROSSBURGWEDEL (ti). Seit etwa drei Jahren gibt es das St. Petri-Forum, ein Gesprächskreis innerhalb der evangelischen Kirche, der sich dreimal im Jahr trifft, um sich mit aktuellen gesellschaftlichen Problemen auseinanderzusetzen. Das Verhältnis von Mensch und Tier bot sich in jüngster Zeit als Thema geradezu an. Immer mehr Bürgerinitiativen gründen sich gegen die Massentierhaltungen, etwa 120 sind es in Niedersachsen.
„Vom Seelentröster zum Industrieprodukt. Was macht der Mensch mit dem Tier?“ lautete die Frage des Abends. Einerseits war damit die ganze Spannweite der Problematik klargemacht, andererseits gab der kirchliche Rahmen Gelegenheit zu einem Diskurs, wie er sonst in der Öffentlichkeit nicht stattfindet.
Die Aussage der Bibel hatte Pastor Gundert bereits in der Andacht wiedergegeben, wonach das Tier wie auch der Mensch in Beziehung zu Gott steht „Wir erleben Tiere hier als Haustiere, die wichtige Begleiter des Menschen sind. Als Nutztiere aber verschwinden sie aus unserem Blick, um in den Regalen der Discounter als Billigfleisch wieder aufzutauchen“, führte Dr. Regine Arndt, Sprecherin des Forums, in das Thema ein.
In Kurzreferaten wurden die verschiedenen Positionen umrissen. Ein Tierschutzgesetz gibt es erst seit 1987, wie die Juristin Ute Hasenbein, Mitglied der Forum-Gruppe berichtete. Im Jahr 2006 erhielt es seine gültige Fassung. Vorher wurden Tiere faktisch ausschließlich als Sache behandelt. Eine Einstellung, von der die Massentierhaltung, wie sich heute darstellt, offenbar nicht weit entfernt scheint.
Dagegen zieht Michael Hettwer von der Bürgerinitiative Groß Munzel seit mehr als zwei Jahren zu Felde. Die Folgen der Konzentrierung von Mastbetrieben im Emsland vor Augen – u.a. die Verseuchung des Wassers und das Auftreten von Killerkeimen, wie er sagte – sollte in seiner Gemeinde ein Geflügelmastbetrieb mit 85.000 Tieren verhindert werden. Das böse Wort fiel von den Landwirten, die zu Lohnmästern verkommen, weil die Hähnchenpreise subventioniert werden.
Dem musste Götz Schumacher vom kirchlichen Dienst auf dem Lande widersprechen. Vieles sei dran an den Argumenten der Bürgerinitiativen, meinte er. Aus theologischer Sicht sei es nicht verwerflich, Tiere zu schlachten und zu essen, sofern der Tierschutzgedanke berücksichtigt wird. Bei der Landwirtschaft handele es sich um Wirtschaftsbetriebe, in denen Geld verdient werden muss. Es komme auf eine Wertschätzung der tierischen Nahrungsmittel an und auf vernünftige Preise, die dafür bezahlt werden müssen.
Das war der Ansatzpunkt für die Ökotrophologin Claudia Diekmeyer vom Umweltzentrum Hannover. Sie plädierte dafür, dass in der Außer-Haus-Verpflegung wenigstens an einem Tag in der Woche auf Fleisch verzichtet wird. Ihre Organisation plädiert für einen sog. „Veggietag“. Es gebe eine Fülle von Rezepten dafür. Nicht nur sie erinnerte an die Zeit der „Sonntagsbraten“, als es nur einmal in der Woche ein richtiges Fleischgericht gab.
Klar, dass sich die anschließende Diskussion weitgehend um die Auswüchse der Massentierhaltung drehte. Nicht unlösbar sah der frühere Regionspräsident Dr. Michael Arndt die Probleme. Er wollte die Vorwürfe an die Landwirte nicht gelten lassen, solange die Politik so ist, wie sie ist. Ansätze für Veränderungen seien in Brüssel zu machen, wo die Subventionen nach Umweltverträglichkeit vergeben werden müssten. Er forderte aber auch ein Umdenken in der Bevölkerung in Richtung der Vorschläge vom Umweltzentrum. Individuelles Verhalten verändere auch das politische Verhalten.
Fernab von solchen Gedankengängen schilderte Großburgwedels Ortsbürgermeister Rolf Fortmüller wie viel Hilfe seinem geistig behinderten Sohn durch die Therapie mit Pferden und Delphinen zuteil geworden ist.