Überraschendes Ergebnis für Baufeld - FDP vom Wahlausgang schwer enttäuscht

Große Enttäuschung bei Dr. Christian Possienke, dem gemeinsamen Kandidaten von FDP und SPD.
 
Ilona Bremer gratulierte schon einmal dem „Verbündeten“ Dr. Stefan Baufeld. (Foto: Renate Tiffe)

Regionspräsidentenwahl: Hauke Jagau und Axel Brockmann treten noch einmal an

ISERNHAGEN/REGION (bs/hhs/ti). Die Überraschung des Wahlabends im Altwarmbüchener Rathaus war das gute Abschneiden von Dr. Stefan Baufeld. Der Ex-Linke, dem genügend Stimmen für die eigene Partei gefehlt hatten, kandidierte als Parteiloser mit für die „Grünen“ - ein „Bündnis auf Zeit“, das die Wähler offenbar mehr überzeugte als die „Wahl-Allianz“ der Sozialdemokraten mit dem FDP-Mann Dr. Christian Possienke. Beide größeren Parteien waren nicht in der Lage gewesen, einen eigenen Kandidaten aufzustellen.
Von Anfang an konnte Baufeld bei der Stimmenauszählung in etwa mit Possienke gleichziehen - was bei den „Grünen“ für eine weitaus bessere Stimmung sorgte, als bei der SPD. Es war kurz nach 19.00 Uhr, als die erfahrene Kommunalpolitikerin Ilona Bremer dem "Verbündeten" schon einmal gratulierte. Es komme noch auf die Ortsteile an, schränkte der fürs erste ein. Aber die Zettel lägen ja schon in den Wahlurnen. Am Ende holte Baufeld 21,2 Prozent der Stimmen, Possienke hatte es auf 23,4 Prozent gebracht.
Die SPD habe eindeutig einen Fehler gemacht, resümierte der in Altwarmbüchen ansässige Jurist im Überschwang. Er hatte der Partei schon im November ein Koalitionsangebot gemacht. Allein hätte die FDP doch nichts auf die Beine gebracht. Und dann wäre das Wahlergebnis für den Bürgermeister mit Sicherheit knapper ausgefallen. „Stimmt nicht“, meinte dazu der SPD-Vorsitzende Wolfgang Dorn. Die Absprache mit den Freien Demokraten hätte da schon festgestanden. In Isernhagen war dies als kleine Sensation gewertet worden.
Sehr enttäuscht zeigte sich Dr. Christian Possienke. „Ich hatte den Eindruck auf große Zustimmung gestoßen zu sein und dies Ergebnis ist bitter“, so der Kirchhorster. Möglicherweise lag es an den Wahlzetteln, so seine erste Vermutung. Hier habe hinter seinem Namen nur FDP gestanden. Wer also einen SPD-Kandidaten wählen wollte, sei nicht fündig geworden. Auch FDP-Chefin Christiane Hinze war entsetzt über das schlechte Abschneiden ihres Kandidaten. Sie habe mit über 40 Prozent gerechnet und sei fest von einer Stichwahl ausgegangen.

Zauberwort „Stichwahl“

Dennoch müssen nicht nur in Isernhagen, sondern in der gesamten Region Hannover die Wähler am 15. Juni noch einmal an die Wahlurnen, denn im Gegensatz zu Isernhagens Bürgermeister Arpad Bogya hat Regionspräsidenten Hauke Jagau die Wiederwahl im ersten Durchgang verpasst. Hauke Jagau, Amtsinhaber von der SPD, erzielte 47,3%, Axel Brockmann, CDU-Kandidat und Herausforderer 38,7%.
Abgeschlagen auf den Plätzen landeten Michael Fleischmann von den Linken mit 6,1%, Anke Tischler von AfD mit 4,6%, Gerhard Christian Kier von der FDP mit 2,1% und der Parteilose Ralf Kleyer mit 1,3%. Die letzten vier können sich nun entspannen, Hauke Jagau und Axel Brockmann sollten nun aber „für mehr Dampf auf dem Kessel“ sorgen, denn ihr Wahlkampf gilt als der bislang langweiligste aller Wahlen zur Regionspräsidentschaft.
In der Region gibt es insgesamt etwa 950.000 Wahlberechtigte. Davon sind in der Landeshauptstadt 177.070 an die Urne gegangen - eine magere Beteiligung von 39,2 Prozent. In den 20 Umlandkommunen gingen immerhin 243.964 Mitbürger wählen, eine Beteiligung von 47,3%, was sich durchaus sehen lassen kann.
Im Erscheinungsbereich des Marktspiegels lag die Wahlbeteiligung in Burgdorf bei 46,9% in Burgwedel 50,5%, in Isernhagen sogar stolze 55,2%, was auf einen Bürgermeisterbonus schließen lässt, in Lehrte 42,3%, Sehnde 45,9%, in Uetze 49,4% und, um den ehemaligen Altkreis Burgdorf zu komplettieren, in der Gemeinde Wedemark 48,1%.
In den „SPD-regierten“ Kommunen Burgdorf und Wedemark lag der CDU-Kandidat Axel Brockmann mit 42,2% beziehungsweise 42,9% der Stimmen sogar knapp vor Amtsinhaber Jagau. Das ist in der Gemeinde Uetze, die am gleichen Tag ihren SPD-Bürgermeister Werner Backeberg mit deutlicher Mehrheit wieder gewählt hat, etwas anders. Hier lag Jagau mit 47% vorn. Brockmann erhielt 41,6%. Auch in den Lehrte und Sehnde waren die Ergebnisse der beiden Kandidaten ähnlich.
In Burgwedel und Isernhagen erreichte Herausforderer Brockmann sogar Mehrheiten von mehr als 50%. In Isernhagen könnte das am desolaten Zustand der SPD festgemacht werden, die es nicht geschafft hatte, zur Bürgermeisterwahl einen eigenen Kandidaten zu präsentieren. In Bezug auf das Ergebnis der Stadt Burgwedel ist es gegenwärtig verfrüht, in dieses Wahlergebnis Zusammenhänge mit dem sozialdemokratischen Bürgermeister hineininterpretieren zu wollen.
Hauke Jagau kann mit seinem Ergebnis zufrieden sein. 47,3% bei fünf Mitbewerbern im ersten Wahlgang lassen seinen Sieg in der Stichwahl am 15. Juni möglich erscheinen. Aber auch Axel Bockmann hat weiterhin seine Chance, wenn es gelingt, die Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren und einen Teil der Stimmen aus dem Protestpotential der vier anderen Kandidaten abzugreifen.