Turbulentes „Ja“ zum Generationenaustausch

Alida Gundlach las aus ihrem neuesten Buch „Miteinander oder gar nicht“ und fesselte das Publikum mit Sachverstand, persönlichen Anekdoten und vor allem jeder Menge Humor. Foto: Anna Kenntrath (Foto: Anna Kenntrath)

Alida Gundlach begeisterte 180 Zuschauer im Großburgwedeler Amtshof

GROßBURGWEDEL (ak) Still sitzen und einfach nur Textstellen zitieren, das passt nicht zu Alida Gundlach – zum Glück. Ihrem lebhaften Naturell folgend erzählte und scherzte, neckte und schimpfte sich die bekannte Moderatorin durch die Lesung ihres neuesten, mittlerweile 12. Buches „Miteinander oder gar nicht“ vergangenen Mittwochabend im Großburgwedeler Amtshof, veranstaltet durch die Bücherei Großburgwedel in der Reihe des ‚Kulturellen Frühlings‘.
Die Notwendigkeit der Kommunikation zwischen den Generationen bestimmt thematisch den Inhalt ihres Buches – ein Thema, das ernst klingt, ernst zu nehmen ist, dem aber keinesfalls eine persönliche Note und eine ordentliche Portion Humor fehlen darf, wie Alida Gundlach in ihrer Lesung demonstrierte. Um dem Publikum die Intention zu diesem Buch zu verdeutlichen, stellte die Autorin in ihrem Vorwort die Deutlichkeit und Fassbarkeit ihrer absichtlich so provokativ gestellten These dar: „Miteinander oder gar nicht“.
Bei der Frage nach dem zwischenmenschlichen Umgang der Generationen könne es keine Zwischenlösung, keine Kompromisse geben, das Miteinander sei der „einzige Weg in die Zukunft“. „Ich habe junge und alte Freunde, die mich gleichermaßen ärgern und bereichern“ betonte Gundlach mit einem Augenzwinkern. Die Bereicherung eines solchen generationenübergreifenden Austauschs stellte sie Anhand einer Reihe von Anekdoten als unschätzbar wichtig heraus. Für ihr Buch hatte sie verschiedene Altersgruppen interviewt sowie Meinungen von Experten aus Politik, Gesellschaft, Soziologie und PR eingeholt. Mit dieser Mischung schaffte sie schließlich den Spagat zwischen Sachbuch und erzählerisch gestalteter Autobiografie, gewürzt mit einer ansprechenden Prise Humor, gern auch erfrischender Selbstironie.
So berichtete die 1943 geborene Autorin von ihren italienischen Großeltern als prägende Bezugspunkte, von denen selbst ihre eigenen Enkel heute noch profitieren dürften. Die Herzlichkeit und Wärme, aber vor allem auch der Humor, selbst in Momenten des temperamentvollen Streits, vermittelte Gundlach in Textauszügen ihres Buches auch dem Publikum. Lautstarke Auseinandersetzungen seien ebenso notwendiger Bestandteil des Zusammenleben wie liebevolle Worte, verdeutlichte sie anhand diverser persönlicher Beispiele, so lange die Beziehung zueinander auf einer soliden Basis stehe.
Das Thema Generationen warf natürlich auch die Frage nach dem Altern, alt sein, sich alt fühlen, auf. „Weil wir länger aktiv bleiben, rücken wir näher zusammen“, trug Alida Gundlach vor, verdeutlichte aber auch, dass sie keineswegs Befürworterin eines Kampfes um das ewig jugendliche Aussehen sei. „Nicht nur Steine, sondern auch Gesichter brauchen Patina“, verkündet Gundlach und wunderte sich gleichfalls mit hochgezogenen Augenbrauen über ihren Ehemann, der diese kaum wahrzunehmen scheine.
„Meine Geschichten sollen Mut-Macher sein“ so das Credo der Autorin. Unabhängig vom Alter müsse man Träume haben, für Inspirationen durch verschiedene Generationen offen sein und den Weg zu diesen suchen. „Wir müssen uns aufeinander zubewegen“, so Gundlach nachdrücklich, „wir brauchen einander und wir brauchen Fantasie, mehr noch Imagination.“