Theaterabend mit Schauspielern der Pestalozzi-Werkstatt

Das „Panikraum-Theater“ bot dem Spielsüchtigen eine rasante Reise durch Himmel und Hölle. Am Ende grinste der Teufel: „Ich hab Dein Geld. Du bis jetzt frei!“ (Foto: Hans Hermann Schröder)

„Wie kommt man wieder hoch, wenn man liegen bleibt“

GROSSBURGWEDEL (hhs). Seit sieben Jahren arbeitet Matthias Bittner, freier Theaterpädagoge, an der Pestalozzi-Stiftung. Die Idee, hier eine Theatergruppe aufzubauen, entstand infolge eines Kontakts während seines Studiums. Zwei Theatergruppen sind unterdessen entstanden, die an ganz unterschiedlichen Orten ihre Stücke aufführen, vor ganz unterschiedlichem Publikum wie beim Maschseefest, beim Theaterfestival Klatschmohn im Raschplatzpavillon oder im Isernhagenhof. Am Donnerstag hatten die beiden Gruppen der Pestalozzi-Werkstatt zu den Stücken „Hilfe, Hilfe, Kling, Kling“ und zu „Der Spielsüchtige“ in die Aula der Förderschule eingeladen.
Zu Beginn wurde „Der Spielsüchtige“ präsentiert: Der Spielsüchtige hat einen schlechten Tag erwischt, keine Versicherung verkauft, nur noch wenig Geld in der Tasche. Der Gang in die Disco endet mit dem Ende seines Geldes. „Was mach' ich jetzt?“, so seine Frage. Es treten drei Versuchungen auf: der Teufel, der Türsteher und ein Engel.
Der Protagonist schließt einen Pakt mit dem Teufel, dann folgt die rasante Reise durch Himmel und Hölle, er hört nicht auf den Schutzengel und landet in der Spielhölle und verliert den Kampf mit der Spielwelt. Alles Geld ist weg, dafür die Hoffnungslosigkeit da. „Was kann ich tun, um raus zu kommen“, fragt er. „Schmeiß' Dein Geld weg“, rät der Engel, und der Teufel grinst und lacht: „Ich hab' Dein Geld. Du bis frei!“
Im Anschluss gab es „Hilfe, Hilfe, Kling, Kling“ vom „Theater der Geheimnisvollen Schwarzen Koffer“. Ein junger Mann betritt einen Raum, er legt sich auf eine Liege. Er kann nicht mehr aufstehen. Er ruft um Hilfe. Doch wie und woher soll sie kommen? Wie versuchen „die anderen“, ihm zu helfen und helfen sie überhaupt oder nutzen sie seine Situation nur aus?
Diese Fragen rund um das Thema Mitmenschlichkeit werden mit vielen überraschenden Wendungen und auf komödienhafte Weise zur Auflösung geführt: Am Ende ist die Bühne gefüllt mit vermeintlichen Helfern. Sie bestellen Essen und legen sich dann hin. Und: Sie können nicht mehr aufstehen. Zuletzt die Frage ans Publikum: Wer möchte helfen? Einer kommt zögernd und richtet einen Liegenden auf, die beiden eifern ihm mit den anderen Betroffenen nach, bis alle wieder stehen. Eine neue Gemeinschaft entsteht. „Es geht ganz einfach darum: Wie kommt man wieder hoch, wenn man liegen bleibt?“, rief jemand ins Publikum. Auslöser für dieses Theaterstück war ein Selbstversuch, bei dem sich ein Schauspieler auf eine Liege legte und darüber nachdachte, was passiert, wenn er nicht mehr aufstehen könne und um Hilfe rufen müsste.