TenneT-Infomarkt enttäuschte: Von Transparenz keine Rede

Groß war das Interesse der Burgwedeler an der TenneT-Präsentation. Stadtratsmitglied Erwin Fette und der Regionsabgeordnete Andreas Strauch, links hinter dem Tisch, vermissten wie viele andere auch die Offenlegung der Entscheidungskriterien von TenneT. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Für die Stadt Burgwedel wäre eine Trassenführung in Autobahnnähe, auf der Karte in Blau als „ALT. 090“ sicherlich eine akzeptable Lösung. Die Gemeinde Isernhagen wäre davon allerdings sehr stark betroffen. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Neue Runde der Bürgerbeteiligung bei Trassenvarianten

BURGWEDEL/HANNOVER (hhs). Die Erwartungen waren hoch am späten Montag Nachmittag. TenneT, zukünftiger Netzbetreiber der Starkstromtrasse SuedLink nach Bayern, hatte zum letzten Info-Markt in die Niedersachsenhalle geladen, und mehr als 500 interessierte Bürgerinnen und Bürger waren gekommen, aber Neues bekamen sie nicht zu hören.
TenneT präsentierte seine erarbeiteten Alternativen zur sogenannten Vorzugstrasse. Schon Ende September hatte das Unternehmen die vier Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises Hannover Land I und II Caren Marks, Maria Flachsbarth, Hendrik Hoppenstedt und Matthias Miersch über die Trassenalternativen informiert.
Es war Montag nicht anders als bei den Veranstaltungen in den Umlandkommunen. Eine Menge schlechter Karten mit eingezeichneten Trassenkorridoren, TenneT-Mitarbeiter, die sich zwar bemüht zeigten, aber kaum etwas zu sagen wussten und Besucher, die ihren Unmut klar zum Ausdruck brachten mit „Augenwischerei“ über „Unverfrorenheit“ bis zu „Verarschung“.
Andreas Strauch, Regionsabgeordneter der SPD aus Burgwedel, brachte es auf den Punkt: „Hier geht niemand hinaus und sagt, er sei dadurch schlauer geworden!“ Etwas vorsichtiger zeigte sich Heike Schöttker, Ortsratsfrau der SPD in Fuhrberg: „Das hatte ich mit anders vorgestellt. Keine Begrüßung, keine Einführung, das ist schwach“. Burgwedels Bürgermeister Axel Düker war mit acht Verwaltungsmitarbeitern gekommen: „Das ist enttäuschend hier“, sagte Düker. „Das Kartenmaterial, das TenneT hier vorlegt, ist miserabel. Da haben wir Besseres zu bieten“. Als er wenige Minuten später erfuhr, dass es weiter nichts von TenneT zu erfahren geben würde, meinte er: „Das hier ist reine Augenwischerei."
Die Präsentation der Alternativtrassen sorgte zwar bei den Besuchern aus Burgwedel für eine gewisse Erleichterung. Würde eine der Varianten später umgesetzt, wäre die Stadt Burgwedel weitaus weniger von SuedLink betroffen, als es hier bislang befürchtet werden musste. Bei den neuen Varianten steht jetzt aber auch noch die Bürgerbeteiligung an. TenneT hatte diese neuen Trassenvarianten als Ergebnis der Auswertungen der mehr als 3.000 Hinweise aus der Bevölkerung zum Verlauf der Vorzugstrasse im Bereich der Region bezeichnet. Das heißt aber im Klartext: Hätte TenneT den Dialog mit den Bürgern eher gesucht, wäre die Trassendiskussion auch breiter in der Öffentlichkeit verankert worden.
Kleinburgwedels Ortsbürgermeister Jürgen Schodder zuckte nach einer guten halben Stunde mit den Schultern: „Was TenneT hier präsentiert, kennen wir schon. Es gibt nichts Neues. Ich hatte eigentlich erwartet, dass der Netzbetreiber uns eine Einführung in seine Auswahlkriterien für die unterschiedlichen Trassenvarianten bieten würde. Das geschieht hier aber nicht. Es wäre auch mehr als wünschenswert gewesen, wenn TenneT die Kriterien für eine Trassenverlegung mit Erdkabeln offen legen würde. Das vermisse ich sehr.“
Wie wird es nun weitergehen mit der Starkstromtrasse SuedLink? TenneT beabsichtigt, die Vorzugstrasse einschließlich der jetzt erarbeiteten Alternativen noch im November bei der Bundesnetzagentur einzureichen. Die Bundesnetzagentur nimmt dann die Bewertung sämtlicher Varianten vor. Dieser Teil des Verfahrens soll bis Ende 2015 abgeschlossen sein.
Gestern Morgen kursierten Meldungen, in denen sich der Bayerische Ministerpräsident Seehofer zu Wort meldete: Danach werde Bayern Anfang kommenden Jahres eine Bürgerbefragung zum Baubeginn durchführen. Solange scheint um SuedLink wieder alles offen.