Sylt-Krimi im Amtshof

Gisa Pauly nahm die Gäste gedanklich mit auf die amüsante Reise nach Sylt, wo Mamma Carlotta ihrem Schwiegersohn Kommissar Erik Wolf in das Handwerk pfuscht. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Autorin Gisa Pauly präsentierte ihren Krimi "Gegenwind"

GROSSBURGWEDEL (bgp). Plastisch erstand die Nordsee-Insel Sylt vor dem geistigen Auge der Gäste, welche in der Lesung von Gisa Pauly gebannt verfolgten, wie die italienische Mamma Carlotta ihrem drögen Schwiegersohn Kommissar Erik Wolf vor atemberaubender Kulisse konsequent in das Ermittlerhandwerk pfuscht. Nicht ganz ohne Eigennutz versorgt die Mutter seiner verstorbenen Ehefrau Chiara das Kommissariat mit italienischen Leckereien, um nebenbei das Personal und vermeintliche Zeugen auszufragen.
Mamma Carlotta fühlt sich qua Verwandtschaft legitimiert, im Fall eines Läufers zu ermitteln, welcher ihr im Ziel des Sylt-Marathons japsend in die Arme sank. "Der Jogger fiel weich", las Gisa Pauly schmunzelnd und ließ den jungen Mann vor den Füßen der Italienerin sein Leben aushauchen.
Der Vater des Marathon-Sportlers glaubt nicht an einen unglücklichen Zufall, sondern vermutet Mord. Das beflügelt Carlottas Phantasie und verführt sie zu abenteuerlichen Maßnahmen, Selbstgefährdung eingeschlossen. Erik Wolf kommt nicht dazu, in Ruhe zu ermitteln, da sie ihm ständig über den Weg läuft. Die Lebensweisheiten aus ihrem kleinen umbrischen Heimatdorf bringen ihn, den alleinerziehenden Vater zweier pubertierender Kinder, weder im Kriminalfall noch privat weiter.
In der humorvollen Schilderung norddeutscher Knurrigkeit, der die Autorin die agile lebenslustige Mamma Carlotta gegenüberstellt, ist eine gelungene Rezeptur in der unterhaltsamen Kriminalliteratur. Kulinarische Exkurse über italienisches Essen und gute Weine umrahmen die spannende Handlung ebenso wie die Schilderung der Dünenlandschaft auf Sylt, die den Leser gedanklich in den Strandkorb versetzt. Gisa Pauly verstand es, mit der gekonnt intonierten Lesung die Charaktere authentisch zu vermitteln und die Gäste in ihren Bann zu ziehen.
Interessante Einblicke in die Arbeit als Autorin gewährte Pauly in den Lesepausen. Sie stellte einige Figuren aus einem Roman vor, an dem sie zur Zeit schreibt, und fragte die Zuschauer um Rat bei der Namensgebung für die einzelnen Charaktere. Die Gäste beteiligten sich gerne daran und machten Vorschläge oder stellten Fragen. Die Sylt-Krimireihe der Autorin stand dabei im Fokus: "Wissen Sie schon beim Schreiben, wer der Mörder ist?" wollte eine Besucherin wissen. Gisa Pauly verdeutlichte die Unterschiede in der Vorgehensweise von Autoren. Sie wisse das immer ganz genau, eine Kollegin hingegen entwickle zunächst die Handlung und lege sich erst im Fortgang der Arbeit fest: "Jeder macht es anders". Das Resultat begeisterte die Zuschauer, von denen mancher nach dem reichlichen Applaus noch ein Exemplar für den heimischen Lesegenuss erwarb.