„Super-Ingo“ fliegt bis nach vorne

Die Viertklässler der Sonnenblumenschule Thönse üben das sichere Verhalten an der Haltestelle und im Bus. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Anschauungsunterricht in Sachen Sicherheit: „Super-Ingo“ ist bei der Vollbremsung von der hinteren Sitzbank bis vor die Füße von Ausbilder Manfred Brandscheid geflogen. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Viertklässler aus Thönse üben sicheres Verhalten im Bus und an der Haltestelle

THÖNSE (bgp). Schulunterricht zum Anfassen gab es am Freitag in der Sonnenblumenschule Thönse. Einunddreißig Schülerinnen und Schüler des vierten Jahrgangs übten mit zwei Experten von der Regiobus Hannover GmbH, worauf es beim Fahren mit dem Bus des öffentlichen Nahverkehrs ankommt.
„Warum ist es besser, ohne Drängeln einzusteigen?“, fragt Ausbilder Manfred Brandscheidt, nachdem die Kinder im Bus Platz genommen haben. Die Finger der aufmerksam zuhörenden Kinder schnellen in die Höhe: „Damit man nicht hinfällt“, sagt ein Junge. „Richtig“ bestätigt Brandscheidt und erklärt, was passiert, wenn jemand im Einstiegsbereich mit dem Kopf gegen eine Stange fällt oder damit sogar auf das Kassenelement trifft.
Mit viel Humor geht die theoretische Fragerunde weiter, die von dem Ausbilder mit anschaulichen Beispielen unterlegt wird. Die Kinder lernen, wie und wo man am besten sitzt oder wie unangenehm es sein kann, wenn ein sitzender Fahrgast den Ranzen auf dem Rücken eines Schülers ins Gesicht bekommt.
Als logische Schlussfolgerung leiten die Grundschüler ab, dass es besser sei, den Ranzen vor dem Einsteigen in der Hand zu tragen und diesen vor dem Sitzplatz zu ihren Füßen abzustellen, damit der Gang nicht zur Stolperfalle wird. Der Sicherheitsexperte erläutert die vielen Vorteile, die das Festhalten an der richtigen Stelle hat. „Wenn ihr einen Sitzplatz habt, haltet euch immer an der Rückenlehne eures Vordermannes fest“, appelliert er an seine Teilnehmerschar. Wer nur einen Stehplatz ergattert habe, solle sich immer in Fahrtrichtung stellen und an den beidseits angebrachten Stangen festhalten.
Brandscheidt zeigt die Folgen auf, wenn unerwartet gebremst wird und ein Kind auf den Sitz eines Fahrgastes geschleudert wird, weil es sich nicht richtig festgehalten hat oder verkehrt herum stand. „Wenn ihr mit dem Rücken zum Fahrer steht, könnt ihr gar nicht sehen, was vorne passiert“, begründet er das Vorgehen und leitet zum praktischen Teil über.
Welche Dynamik bei einer Vollbremsung entstehen kann, erfahren die Kinder dann am eigenen Leib. Manfred Brandscheidt holt „Super-Ingo“ hervor, ein großer viereckiger Kanister mit einem aufgemalten Gesicht, das die Kinder breit angrinst. Diesen platziert er auf der Rückbank in der Mitte. Ausbilder Nicolas-Peter Mundey startet den Motor und fährt in Fußgängergeschwindigkeit mit fünf Stundenkilometern um die nächste Straßenecke. Kurz darauf bringt er das Fahrzeug abrupt zum Stehen und die Kinder merken, dass es einen ordentlichen Ruck gibt.
„Super-Ingo“ ruckelt ein wenig und bleibt sitzen. Nachdem Mundey den Bus auf 30 Stundenkilometer beschleunigt hat, bremst er hart ab und „Super-Ingo“ fliegt von ganz hinten auf dem Gang bis nach vorne zum Fahrerbereich. Scheppernd bleibt er vor den Füßen von Manfred Brandscheidt liegen, der in fassungslos aufgerissene Augen blickt.
Im Nu präsentiert er die Rückseite von „Super-Ingo“: ein schmerzverzerrtes trauriges Gesicht mit Tränen in den Augen und fehlenden Zähnen. Viel mehr muss er nicht sagen, denn die jungen Fahrgäste verstehen auch so, welche schlimmen Folgen ihr künstlicher Klassenkamerad davontragen musste, weil er sich nicht festgehalten hat.
Nachdem der erste Schock verdaut ist, fährt der Bus weiter bis vor die Bücherei, wo die Kinder vorsichtig aussteigen und zur Haltestelle an der Hauptstraße marschieren. Dort stellt Brandscheidt vier leuchtende Pylonen direkt an der Bordsteinkante vor dem Wartehäuschen auf.
Sein Kollege fährt mit dem Bus an die Haltestelle, deren Bordsteinkante von der vorderen rechten Ecke des großen Fahrzeuges weit überragt wird. Die Pylonen fliegen im hohen Bogen in alle Richtungen durch die Gegend. Die Kinder reagieren erschrocken und lachen überrascht auf. Diese Situation sei nicht zum Lachen, betonen beide Herren von Regiobus. „Viele Fahrer sind selbst Eltern und haben Angst, dass an der Haltestelle so etwas passiert oder ein Kind vor den Bus geschubst wird“, erläuterte Mundey den Viertklässlern anschaulich die Perspektive des Buspersonals. Die Viertklässler hören konzentriert zu, denn sie nehmen die beiden Ausbilder wirklich ernst. Zum Abschied bedanken sie sich bei ihnen und applaudieren für die interessante „Lehrstunde im Bus fahren“.