Sturmtief hält Feuerwehren auch in Burgwedel und Isernhagen in Atem

Die auf die Bücherei in Großburgwedel gestürzte Eiche hinterließ ein großes Loch im Dach. (Foto: Elke Seitz)
 
Nichts ging mehr: In ganz Norddeutschland wurde wegen der auf die Gleise gestürzten Bäume der Zugverkehr eingestellt. (Foto: metronom)

Zugverkehr eingestellt - Eiche fällt auf Bücherei

BURGWEDEL/ISERNHAGEN (kl). Auch in Burgwedel und Isernhagen hat das Orkantief "Xavier" im Zeitraum von Donnerstagmittag bis zum Abend zahlreiche Bäume entwurzelt, den Bahnverkehr lahmgelegt und für zeitraubende Aufräumarbeiten gesorgt, die zum Teil noch den gesamten gestrigen Freitag andauerten. Menschen kamen aber offenbar nicht zu Schaden.
Allein die Burgwedeler Feuerwehren verzeichneten 84 sturmbedingte Einsätze und hatten 80 Mitglieder im Einsatz. Im Feuerwehrhaus Großburgwedel wurde ein Einsatzstab eingerichtet. Vor allem gab es umgestürzte Bäume und herabgestürzte Äste von Straßen und Bürgersteigen zu bergen.
Im Einsatz waren in Burgwedel die Ortsfeuerwehren Großburgwedel, Kleinburgwedel, Thönse, Wettmar, Engensen, Oldhorst, Fuhrberg sowie die Drehleiter und der Rüstwagen aus Mellendorf.
In Thönse, An der Miere, schlug eine Eiche mit einem Stammdurchmesser von mehr als einem Meter wurde entwurzelt und schlug in einen großen Zaun ein. Mit Hilfe eines Radladers und Kettensägen konnte der Baum nach und nach von der Fahrbahn entfernt werden.
In der Von-Alten-Straße in Großburgwedel fiel eine Eiche auf die Bücherei und hinterließ großes Loch im Dach. Im Engenser Eichenweg stürzte ein Baum auf Garagen und musste mittels Kran der Firma Laue entfernt werden.
An der Bissendorfer Straße/Raiffeisenstraße in Großburgwedel hing ein großer über die Fahrbahn und drohte abzustürzen. Mittels der Drehleiter aus Mellendorf konnte der Ast entfernt werden.
"Etliche umgestürzte Bäume auf Bahnstrecken konnten erst im späteren Einsatzverlauf entfernt werden – hier musste erst aufwändig erkundet werden," berichtet Nils Wöhler von der Feuerwehr Burgwedel. Da der Bahnverkehr deshalb in ganz Norddeutschland eingestellt wurde, waren für zahlreiche Reisende auch Großburgwedel und Isernhagen vorläufig Endstation. Auch Einheimische fanden keine Taxis oder Mietwagen mehr.
Auch noch bis in den gestrigen Freitag war die Verbindung Hannover - Wolfsburg eine der gesperrten Strecken, ebenso Hannover - Berlin. Wo es weiter ging, musste oft mit verminderten Geschwindigkeiten gefahren werden.
Besonders windanfällig erwiesen sich - wie beispielsweise schon bei der Mini-"Windhose" vor einigen Monaten in Lehrte-Immensen - erneut Kindertrampoline in Hausgärten. Eines schaffte es auf der Wolfsburger Strecke bei Arpke bis in die Oberleitung der Bahn - ein gefährlicher Ausflug!
Dass gestern in Hannover teilweise, in Braunschweig auch nahezu komplett Busse und Straßenbahnen bestreikt wurden, hob das Lebensgefühl der Berufspendler sichtlich nicht.
Wegen der vielen Einsätze war die Regionsleitstelle für Feuerwehr- und Rettungseinsätze zeitweilig nicht zu erreichen. Hilfesuchende kamen oft direkt zu den Feuerwehrhäusern. Geholfen werden konnte ihnen aber nur in Fällen von Verkehrsgefährdung oder von Gefahr im Verzuge - alles andere musste und muss privat geregelt werden.
Schon am Donnerstag waren deshalb Landwirte mit Kettensägen gefragte Helfer. Auch Tier- und Futterunterstände waren betroffen. Darüber hinaus wurden zahlreiche großflächige Plakate für die Landtagswahl am nächsten Sonntag umgeweht. Auch aufgedruckte Hinweise wie "Sturmfest." halfen ihnen nicht . . .
Auch in Isernhagen mussten gut 70 sturmbedingte Feuerwehreinsätze angearbeitet werden. Zunächst galt es gesperrte Straßen zu räumen, so die Kreisstraße 116 zwischen Kirchhorst und Neuwarmbüchen, die Höfestraße in Neuwarmbüchen, die K 115 in F.B. und die A7-Auffahrt zwischen Kirchhorst und Altwarmbüchen in Richtung Hamburg.
Windunterstützung gab es für die Windkraft: Nach der Mittagszeit konnten die Windräder von "Burgwedeler Wind" mit Nennleistung arbeiten und pro Stunde 1.800 kWh in das Avacon-Netz einspeisen.
"Die Windböen wurden mit Freude und ohne jede Störung umgesetzt. Offenbar fühlen sich die Anlagen bei diesem Wetter richtig wohl", so der Betreiber. "Das Windmessgerät oben auf der Gondel der jeweiligen Anlage hat folgende Spitzengeschwindigkeiten registriert: Anemone 135 km/h, Baldrian 143 und Calendula 136 km/h."
Aber um 14.01 Uhr erfolgte eine Zwangspause: Durch einen Sturmschaden an der Freileitung schaltete sich das Avacon-Netz ab, und die Anlagen mussten abschalten, weil sie keinen Strom mehr abliefern konnten. "Mir ist wieder einmal bewusst geworden, dass es eben 'Naturenergien' sind, mit denen wir da zusammenarbeiten," bekannte Heinz Visel von "Burgwedeler Wind".
Um 20.28 Uhr kam dann jedoch der Anruf des verantwortlichen Avacon-Mitarbeiters, dass die Leitung erst einmal provisorisch wieder hergestellt und in Betrieb gesetzt wurde, und dass eine gründliche Reparatur wahrscheinlich nächste Woche erfolgt.
Nach einer Aufwärmphase für die bei dem Wetter feucht gewordenen Generatoren (dadurch Kurzschlussgefahr) gingen alle drei Anlagen kurz nach 21.00 Uhr wieder in Produktion; die Windgeschwindigkeit hatte da allerdings auf 35 bis 50 km/h nachgelassen. Seitdem laufen sie wieder ohne jede Störung.