Storchenbeauftragter zieht durchwachsene Bilanz für Meister Adebar 2013

Verspätet kam in diesem Jahr der Storchennachwuchs in Wulfshorst. Seine Jahrgangskollegen üben schon das Fliegen, der Wulfshorster Jungstorch wird noch vier Wochen von seinen Eltern auf dem Nest verwöhnt. (Foto: Hans Hermann Schröder)

„Spätling“ in Wettmar-Wulfshorst wird das Nest erst im September verlassen

BURGWEDEL/REGION (r/hhs). „Um den Weißstorch ist es in der Region Hannover nicht schlecht bestellt. Mit 40 Brutpaaren in diesem Jahr nähert sich der Bestand der Zahl von 1934, als bei der ersten Erfassung 55 Paare gezählt worden sind.“ Zu diesem Resultat kommt der Naturschutzbeauftragte für die Weißstorchbetreuung in der Region Hannover, Dr. Reinhard Löhmer, in seiner Bilanz des Storchenjahres 2013.
Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: In 35 Prozent der Nester stellte sich kein Nachwuchs ein. Mit 1,33 Jungen pro Paar liegt der Bruterfolg unter dem langjährigen Mittelwert von 1,8. Den „Vogel abgeschossen“ hat diesem Jahr ein Storchenpaar in Uetze-Dedenhausen mit vier Jungen – Regionsrekord!
„Schlechte Jahre mit vielen Paaren ohne Bruterfolg und insgesamt geringer Jungenzahlen sind nichts Ungewöhnliches. Es wird auch wieder Jahre mit mehr Nachwuchs geben – Voraussetzung ist allerdings, dass die Qualität des Lebensraumes erhalten und möglichst noch verbessert wird“, erklärt Experte Löhmer.
Drei Störche haben in der Region Hannover überwintert: Das Brutpaar in Bokeloh bei Wunstorf nun schon zum zweiten Mal und ein einzelner Storch im Wisentgehege bei Springe, der dort Kontakt zu seinen Artgenossen in der Freiflugvoliere gehalten habe. Man unterteilt die hiesigen Störche in sogenannte West- und Ostzieher. Die Mehrzahl der Westzieher ziehen heute nicht über Gibraltar hinaus und verbleiben so in Spanien oder Südfrankreich.
Wegen der geringen Distanz zum Brutort hier sind sie eher wieder da. So kam der erste Storch dieses Jahres am 17. Februar in Wunstorf-Idensen an. Zwischen dem 3. und dem 17. März seien dann die übrigen Westzieher gekommen. Trotz tiefer Temperaturen und Schnee hätten sie ihren Rückzug hierher nicht unterbrochen. Bis Mitte März waren etwa 40% aller Störche auf ihren Nestern. Sie hatten aber angesichts der Witterung Schwierigkeiten, Futter zu finden.
Die Ostzieher haben einen längeren Rückweg in die Brutgebiete zurückzulegen. Die ersten von ihnen trafen hier Ende März ein, Anfang Mai waren 40 Nester in der Region besetzt - sieben Paare mehr als im vergangenen Jahr. „Der positive Trend hält damit unverändert an. In den vergangenen Jahren hat sich der Bestand verdoppelt (2006 waren es 20 Brutpaare)“, so Löhmers Zwischenbilanz.
Der erfreulichen Entwicklung bei den Westziehern steht Stagnation in der Bestandsentwicklung bei den Ostziehern gegenüber oder auch Bestandsrückgänge.
Innerhalb der Gesamtpopulation der Weißstörche etabliert sich mehr und mehr eine Gruppe von Nichtbrütern. Bis vor etwa zehn Jahren galt, so Löhmer, dass Jungstörche die ersten Sommer ihres Lebens in den Winterquartieren verbringen und sie erst mit Eintritt ihrer Geschlechtsreife im fünften oder sechsten Lebensjahr hierher zurückkommen.
„Heute kehren sie in wachsendem Maße als Zweijährige bereits im April zurück. Einige von ihnen brüten dann auch schon, andere bilden sogenannte Verlobungspaare, die ein Nest besetzen, aber noch keine Eier legen wie zum Beispiel in Suttorf und in Uetze. Andere treten den gesamten Sommer über als Störer auf und bilden kleine und größere Verbände.
Die früh heimkehrenden Westzieher haben trotz der Kälte schon Ende März/Anfang April mit der Brut begonnen. Entsprechend früh sind dann nach einer Brutzeit von 30 bis 32 Tagen die ersten Jungen um die Monatswende April/Mai geschlüpft. Zu diesem Zeitpunkt wurden in anderen Nestern gerade erst Eier gelegt wurden. Neugründungen von Nestern hat es in Langenhagen. Kananohe gegeben. Die Nester in Wettmar-Wulfshorst, Isernhagen K.B. und Uetze sind nach einer längeren Vakanz erstmals wieder besetzt worden.
Bei einem Teil der Nester ist es zu schweren Kämpfen um den Brutplatz gekommen, zum Beispiel in Helstorf und Kananohe, wo dabei die Gelege zerstört wurden. Beim Hagelunwetter am 28. Juli wurde ein Jungstorch in Arpke erschlagen, seine beiden Geschwister im Nest überlebten. Die Störche in Wulfshorst im Hastbruch haben erst spät mit der Familienplanung begonnen und gelegt. Der einzige Sprößling ist als Spätling erst Anfang Juli geschlüpft. Er wird Anfang September nach neun Wochen Betreuung flügge werden. Die Chancen stehen gut. Gegenwärtig füttern beide Elternvögel fleißig und der Jungvogel entwickelt sich prächtig.
Fazit: Insgesamt blieben 35% der Paare in der Region ohne Bruterfolg. Insgesamt sind bisher 53 Junge flügge geworden, vier weniger als im Vorjahr. „Bezogen auf alle 40 Nester sind damit nur 1,33 Junge pro Paar aufgewachsen“, schreibt Dr. Reinhard Löhmer. Dieser Wert liegt unter dem langjährigen Mittel von 1,8. Herausragend der Erfolg des Brutpaares in Dedenhausen: Hier wurden vier Junge flügge, in acht anderen Nestern hat es noch drei Junge gegeben, die ausgeflogen sind.