Stoffbeutel statt Plastiktüte aus Burgwedel schont die Umwelt

Feda Mohammed Nabizada (l.) unterstützte Wianka (13) beim Nähen einer bunten Tasche. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Ein Beitrag von Bettina Garms-Polatschek - Kinder nähten Einkaufstaschen und Rucksäcke selbst

GROSSBURGWEDEL (bgp). Im Treffpunkt "Interkulturelles Miteinander" ratterten jetzt die Nähmaschinen, denn zehn Kinder und Jugendliche fertigten unter fachkundiger Anleitung Taschen und Rucksäcke aus Stoff an. Die Initiative Kunst und Kultur in Burgwedel hatte im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche "Plastikfrei leben" zu der Sommerferien Nähstube eingeladen.
Die Kinder beschäftigten sich mit ihren Gastgebern intensiv mit der Frage, wie man die übermäßige Verwendung von Plastiktüten (von denen es bald mehr als Fische im Meer gibt) vermeiden kann. Sie übten auch eine passende Antwort ein auf die Frage: "Möchtest Du eine Tüte?".
Selbst die Kinder, die noch nicht so lange Deutsch sprechen, verdeutlichten mit "Nein danke, ich habe einen Beutel. Das ist viel besser für die Umwelt", dass sie lieber auf Plastiktüten verzichten.
Um die praktische Alternative zur Plastiktüte parat zu haben, fertigten sich die jungen Besucher unter dem Motto "Create your own world - be responsible" gleich selbst einen Beutel an. „Es hatten sich 15 Kinder angemeldet, wir mussten leider einige wieder wegschicken, da wir nicht genügend Platz haben“, sagte Organisatorin Regina Gresbrand mit großem Bedauern.
Die Betreuerinnen hatten verschiedene Mustertaschen zur Auswahl bereitgestellt. Eine Umhängetasche, Einkaufsbeutel oder einen Rucksack, jeder durfte sich die passende Tasche aussuchen und nach dem Muster anfertigen. Bunte Stoffe dazu lagen in Hülle und Fülle auf den Tischen.
Zwei Jungen und acht Mädchen schnitten mit Unterstützung eifrig Stoffe zu, drehten Kordeln für die Rucksäcke oder bügelten Saumkanten um. Mit dem Blick des Fachmanns sahen ihnen auch Mojtaba Orsgani und Feda Mohammed Nabizada, beide ausgebildete Schneider aus Afghanistan, über die Schulter.
Gemeinsam mit den Betreuerinnen halfen sie, wenn es mal irgendwo hakte oder Erklärungen nötig waren. Dabei erfuhren die Kinder, dass man in Afghanistan grundsätzlich mit seinem Stoff zum Schneider geht, da importierte Fabrikkleidung dort sehr teuer ist.
Die zwölfjährige Dilara kam im Alter von zwei Jahren mit ihren Eltern aus der Türkei nach Deutschland und ist in ihrer Freizeit häufig Gast im Interkulturellen Miteinander. Voll konzentriert näht sie mit der Hand das Markenzeichen "Miteinander in Burgwedel" in ihren Beutel ein. "Ich mache das gerne, das ist mein Hobby", sagt sie und näht nebenbei weiter.
Wianka ist dreizehn und näht unter Anleitung von Feda Mohammed Nabizada an einer Overlock-Nähmaschine ihre neue Tasche. Er prüft die Nähte und ist sichtlich zufrieden mit dem Ergebnis. Am Ende des Nachmittags haben alle Kinder und Jugendlichen einen Stoffbeutel oder eine Tasche nach ihren Wünschen angefertigt. In Anbetracht der schönen selbstgemachten Behältnisse wird ihnen das "Nein danke" an der Supermarktkasse wohl leichter fallen, wenn ihnen wieder einmal eine Tüte angeboten wird.