Stadtrat ebnet den Weg für inklusive Beschulung in Burgwedel

Sozialamtsleiterin Christiane Concilio stellte das Konzept zur inklusiven Beschulung im Stadtrat vor. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Gemeinsames und gleichberechtigtes Lernen beginnt am 1. August 2013

BURGWEDEL (hhs). Unter „inklusiver Beschulung“ versteht man die gemeinsame Beschulung behinderter und nicht behinderter Kinder und Jugendlichen. In der Stadt Burgwedel wird diese inklusive Beschulung am 1. August 2013 in allen Schulen der Stadt eingeführt. Der Stadtrat hat mit großer Mehrheit auf seiner letzten Sitzung am Montag dieser Woche dem Konzept zugestimmt, das das Amt für Familie, Bildung und Soziales der Stadtverwaltung schon den zuständigen Fachausschüssen vorgelegt hatte.
Die Leiterin des Sozialamts der Stadt Christiane Concilio fasste das Konzept vor der Abstimmung noch einmal zusammen. Historischer Hintergrund sei das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, das die UNO-Vollversammlung in New York 2006 verabschiedet hat. Zweck dieser Vereinbarung sei, den vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten durch alle Menschen mit Behinderungen zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten und die Achtung der ihnen innewohnenden Würde zu fördern.“
Werden Menschen und damit auch Kinder mit Behinderung bis heute noch oft im Hinblick auf ihre Probleme und Schwächen betrachtet und haben im Alltag eine Fülle von Barrieren zu überwinden, so legt dieses Gesetz den Grundstein für eine Überwindung dieser Perspektive und stellt somit den ersten einer Vielzahl von Schritten auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft dar.
Mit der Positionierung für die Rechte von Menschen mit Behinderung ebnet sich in Deutschland daher zunehmend der Weg für ein gemeinsames, gleichberechtigtes Leben von Menschen mit und ohne Behinderung. Die Neufassung des Schulgesetzes in Niedersachsen habe nun den Weg geebnet. In Niedersachsen fußte dies letztendlich in einer Neufassung des Niedersächsischen Schulgesetzes und einer damit verbundenen gesetzlichen Einführung der „Inklusiven Schule“, die einen gemeinsamen Unterricht von Schülern und Schülerinnen mit und ohne Behinderung ermöglichen soll und die entsprechend Entscheidung über die Wahl der geeigneten Schule in der Verantwortung der Erziehungsberechtigten sieht.
„Die öffentlichen Schulen sind inklusive Schulen. Sie ermöglichen allen Schülerinnen und Schülern einen barrierefreien und gleichberechtigten Zugang. In den öffentlichen Schulen werden Schülerinnen und Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam erzogen. Die Leistungsanforderungen entsprechen den unterschiedlichen Lern- und Leistungsvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler.
Ein Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung kann in den Förderschwerpunkten Lernen, emotionale und soziale Entwicklung, Sprache, geistige Entwicklung, körperliche und motorische Entwicklung, Sehen und Hören festgestellt werden“, so die wichtigsten Formulierungen des Gesetzes. „Das Schulgesetz legt die Verantwortung für die geeignete Beschulung ihrer Kinder in die Hände der Eltern, nimmt jedoch gleichermaßen Schulen und Träger in die Pflicht, die dafür notwendigen Rahmenbedingungen sowie Unterstützungsleistungen anzubieten“, so die Sozialamtsleiterin.
In der Stadt Burgwedel besteht für alle Förderschwerpunkte (Lernen, emotionale und soziale Entwicklung, Sprache, geistige Entwicklung, körperliche und motorische Entwicklung, Sehen und Hören) in den vergangenen Jahren ein relativ konstanter Bedarf von etwa 100 Kindern. Um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Kinder an Förderung gerecht werden zu können, werden die Grundschulen in Burgwedel unterschiedliche Förderschwerpunkte anbieten müssen.
Auch die weiterführenden Schulen in Burgwedel, das heißt sowohl Oberschule als auch Gymnasium, sind inklusive Schulen. Ab dem 1. August 2013 werden, aufsteigend mit der 5. Klasse, Schülerinnen und Schüler mit einem sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf in allen Förderschwerpunkten für die Beschulung an den weiterführenden Schulen in Burgwedel entsprechend der Elternwahl aufgenommen. Eine Bildung von Schwerpunktschulen erfolgt hier, aufgrund der freien Wahl der Schulform durch die Eltern, nicht.
Gemäß des Schulgesetzes sind die Schulträger für die örtlichen Schulanlagen verantwortlich. Im Rahmen der Ermöglichung inklusiver Beschulung bedeutet dies, Schulgebäude zur Verfügung zu stellen, die insgesamt barrierefrei sein sollen. Der Rat stimmte bei einer Enthaltung dem Konzept zu.