St. Petri Gemeinde hat einen „Bechstein“ erworben

V.l.: Peter Brockhaus, Friedrich Engeling vom Kirchenvorstand, Pastorin Bodil-Dorothea Reller, Susanne Meyer, Ute Hasenbein, Renate Brockhaus, Rosemarie Visel und Annette Conradi. Am Flügel sitzend Kreiskantor Christian Conradi. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Flügel mit Konzertqualitäten steht im Gemeindesaal

GROSSBURGWEDEL (hhs). In mancher Beziehung ist es mit den Musikinstrumenten wie mit hochklassigen Autos: Man ist stolzer Besitzer eines Bentleys oder Rolls Royce. Oder man nennt eine Stradivari sein eigen oder einen Bechstein. Da fragt niemand nach, ob das Fahrzeug schwarz oder blau ist im Lack, oder ob es sich bei der Stradivari um eine Violine oder Bratsche handelt. Ebenso läuft das, wenn man erzählt, wie es Anfang dieser Woche Kreiskantor Christian Conradi wagte, dass man nun Besitzer eines Bechsteins ist.
Das Instrument steht jetzt im Gemeindesaal und wird dort zunächst die Proben von Kinderchor und Kantorei zu einem ganz besonderen Erlebnis machen. „Am Samstag vor dem Ewigkeitssonntag werden wir ihn einweihen“, kündigte der Kreiskantor an. Das ist in diesem Jahr Samstag, der 23. November, ein Termin, den sich jeder Musikfreund freihalten sollte.
Lange habe die Gemeinde nach einem neuen Instrument gesucht. Der alte Flügel habe sein musikalisches Dasein hinter sich gelassen, er sei nicht mehr stimmbar gewesen. Aus diesem Grund habe es in den vergangenen Jahren keine Konzerte mehr mit Flügel gegeben. Länger als zehn Jahre hat der Kreiskantor nach einem geeigneten Instrument gesucht. Unterdessen habe die Gemeinde fleißig für den Ankauf gesammelt. Zuschüsse habe es gegeben vom Musikförderkreis, vom Kirchenkreises und der Hannoverschen Landeskirche. 2011 habe man gesammelt und in etwa zur gleichen Zeit sei er fündig geworden nach vielen Fehlversuchen: Ein hannoversches Musikhaus habe ihm einen gebrauchten Bechstein-Flügel angeboten, Baujahr 1996.
Er sei mit einigen Unterstützern des Projekts dorthin gefahren und habe das Instrument ausprobiert. „Das haben wir mit vielen Angeboten der vergangenen Jahre so gehandhabt“, schmunzelte Christian Conradi. Auf allen Flügeln habe er einige immer gleiche Referenzstücke gespielt. „Aber auf diesem hier konnte ich die Stücke zum Leben erwecken. Auf ihm kann man Gefühle wecken. Stellen Sie sich eine Chorprobe vor und sie spielen als Dirigent auf diesem Instrument das Stück so, wie Sie es sich vorstellen. Dann kapiert jeder sofort, was Sie meinen“.
Einen Flügel wie diesen finde man nicht in jedem Gemeindesaal, schmunzelte er verschmitzt, ehe er sich auf den Hocker setzte und an Stücken von Mozart, Debussy und Bach zeigte, was er meinte: St. Petri hat ein ganz außergewöhnliches Instrument für 24.500 Euro erworben, das in allen Tonlagen Klarheit in der Mensur bewahrt und insbesondere in Forte-Passagen über hohe Qualitäten im Klang verfügt und auch über beachtliche klangliche Fülle in den hohen Tönen.
Dieser Flügel aus dem Jahr 1996 verfüge durchaus über Qualitäten eines Konzertflügels, so Conradi. „Wie man es von der alten Bechstein-Baureihe aus Berlin gewohnt war“, fügte er bei. „Man hört das sofort raus“, wurde er wieder ernst. Und: „Es ist kein Vergleich zur heutigen C-Bechstein-Reihe“.
Die Zuschauer, die bei der kleinen Vorstellungsrunde anwesend waren, es handelte sich in der Mehrzahl um Mitstreiter in der Sammlungsphase für den Flügel, begannen die bekannten Stücke mit zu summen oder die Füße im Takt zu bewegen. Das war dann genau das, was Conradi meinte, auf diesem Flügel könne man Gefühle vermitteln.