Spargelsaison in Niedersachsen auch offiziell eröffnet

Offizielle Eröffnung der Niedersächsischen Spargelsaison: v.l. Dr. Gerhard Bosselmann, Dagobert Strecker, Vorsitzender des Vereins Niedersächsische Spargelstraße, und Landwirtschaftsminister Gert Lindemann in der Fuhrberger Spargelwirtschaft. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Zum Schluss stellte Dagobert Strecker den Gästen den Reiseführer „Niedersächsische Spargelstraße“ vor. (Foto: Hans Hermann Schröder)

„Geschmack ist der beste Botschafter eines Landes“

FUHRBERG/ALTKREIS BURGDORF (hhs). Niedersachsens Minister für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung Gert Lindemann muss am Montag Mittag ganz schön Hunger gehabt haben. Er war weitaus früher in Fuhrberg auf dem Spargelhof Heuer eingetroffen, als erwartet.
Dorthin hatte der Verein Niedersächsische Spargelstraße seine Mitglieder zur offiziellen Eröffnung der Spargelsaison 2012 eingeladen. Nach der Eröffnung durch den Vorsitzenden des Vereins Dagobert Strecker und den obligatorischen Grußworten für so einen Anlass stand natürlich „Spargel satt“ für alle geladenen Gäste auf dem Programm. Unter den geladenen Gästen befanden sich Burgdorfs Bürgermeister Alfred Baxmann, und Dr. Hendrik Hoppenstedt, Bürgermeister der Stadt Burgwedel.
Dagobert Strecker machte es kurz und bündig: Es gebe nichts neues über Spargel zu berichten, begann er seine Rede. Von den antiken Autoren über die des Mittelalters bis in die Moderne habe Spargel überall immer eine besondere kulinarische Wertschätzung genossen. Der Verein Spargelstraße habe nur eine Aufgabe und die laute „Spargel“. Dann listete Strecker die Inhaltsstoffe des Spargels auf. Es sei ein gesundes Gemüse, führte er aus: „Das Schönste aber daran ist: Spargel schmeckt unvergleichlich gut“, endete er und übergab das Wort an Landwirtschaftsminister Lindemann.
Eingangs erinnerte Gert Lindemann an den altrömischen Feinschmecker Lukullus, der gesagt haben soll, nur der könne richtig kochen, der Spargel wohlschmeckend auf die Tafel bringt. Und natürlich auch an Cato, der in seinem Lehrbuch über altrömische Landwirtschaft bemerkte, Spargel sei eine Schmeichelei für den Gaumen. Allerdings endete hier für den Minister die Zustimmung zur Antike. Von einer Höchstpreisverordnung als agrarpolitisches Instrument für Asparagus officinalis, wie vom Kaiser Diokletian verordnet, wollte er nichts wissen. Sonst sei er aber mit den Beurteilungen der Antike zum Spargel einverstanden.
Er selbst outete sich als Spargelliebhaber, „wenn er frisch ist. Dieses Gemüse steht für Lebensqualität“. Deswegen besuche er auch gern den Spargelhof Heuer und die Spargelwirtschaft und er versprach, wiederzukommen. Nun ging der Landwirtschaftsminister in launiger Rede auf die rasante Entwicklung in diesem Bereich der Landwirtschaft ein. Er zitierte zunächst einen Superintendenten, der Mitte des 19. Jahrhunderts Fuhrberg visitiert hatte. Dessen Urteil: „Ein Dorf von Holz- und Wilddieben und Säufern“. Mitte der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts stammten 23 von 40 Wilddieben vor dem Gericht in Celle aus Fuhrberg. Heute sehe er eine moderne Ortschaft. Die Niedersächsische Spargelstraße sei stolze 750 Kilometer lang. Ihr Logo stehe für Genuss, Landschaft und hohe Qualität und fördere den Tourismus. Der Spargelhof Heuer baue das Edelgemüse auf einer Fläche von 110 Hektar an. „Sie haben die Chance der Dachmarke Niedersächsische Spargelstraße genutzt“, sprach Lindemann die Landwirtsfamilie direkt an „Sie haben erkannt, dass das Dienstleistungsangebot rund um den Spargel immer bedeutsamer wird. Das ist Kompetenz im ländlichen Raum“.
Niedersachsen sei das Agrarland Nummer eins in der Bundesrepublik. Hier würde allein ein Viertel des Deutschen Spargels produziert. „Wir sind auch in dieser Beziehung das führende Land, und wir sind stolz darauf. Wir müssen nicht von anderen Spargelregionen reden: Niedersächsischer Spargel verfügt über einen besonders feinen Geschmack. Spargel ist das drittwichtigste Gemüse in Deutschland. Seine Saison dauert etwa zehn Wochen im Jahr. Wir sind nicht nur die Weltmeister in der Spargelproduktion, sondern auch im Essen“, womit Gert Lindemann auf jüngste Erhebungen anspielte, nach denen sich der Pro-Kopf-Verbrauch an Spargel in Deutschland seit Beginn dieses Jahrtausends von gut 800 Gramm auf nun knapp zwei Kilogramm jährlich mehr als verdoppelt hat.
„Ich wünsche allen Mitglieder des Vereins Niedersächsische Spargelstraße eine gute Saison: eine gute Menge, beste Qualität und den Vermarktern gute Preise“, endete er.
„Warum wird ein Bäcker eingeladen, wenn die Niedersächsische Spargelsaison eröffnet wird“, fragte Dr. Gerhard Bosselmann in die Runde. Er selbst habe eine Ausbildung als Landwirtschaftsmeister abgeschlossen, und insofern mache das schon Sinn. Spargel werde nachgesagt, er sei gut gegen Haarausfall einzusetzen, er wirke stimulierend und sei ideal zum Abnehmen. Mit seinem feinen Geschmack sei er der beste Botschafter eines Landes. Dann kündigte Gerhard Bosselmann an, dass er in den gleichnamigen Bäckereien ab der kommenden Woche ein „Spargelbrot“ vorstellen werde, „mit Schinken. Das schmeckt gut, dann braucht man nur noch Butter drauf“, schmunzelte er.
Zum Schluss des offiziellen Teils hatte Dagobert Strecker noch eine Überraschung für die Mitglieder des Vereins: Unter dem Titel „Niedersächsische Spargelstraße - Eine Route für Gourmets und Naturliebhaber“ ist in diesen Tagen im Verlag Grebennikov ein Reiseführer erschienen von Dieter Hurcks. Das Büchlein ist erschienen in der Reihe explorise Ferienstraßen, umfasst 230 Seiten und kostet 14,90 Euro.