So schön klingt ein Hexenschuss

Younee faszinierte mit dem leidenschaftlichen Spiel ihrer Eigenkompositionen des Albums „MY PIANO“. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Younee begeisterte mit musikalischen Einblicken in ihr Leben

GROSSBURGWEDEL (bgp). Atemlose Stille herrschte im Publikum, als die international bekannte Pianistin Younee ihre Gäste mit auf eine musikalische Reise durch ihr Leben nahm. Die aus Südkorea stammende Künstlerin hatte bereits 2014 mit eigenen Interpretationen entlang von Stücken Mozarts, Beethovens und anderen „Klassikern“ auf ihrem Debut-Album „Jugendstil“ großen Erfolg.
Mit elf Eigenkompositionen auf ihrem neuen Album „MY PIANO“ beweist die Künstlerin, dass sie auch als Singer und Songwriterin die Gratwanderung zwischen Klassik und modernen Stücken mit sprichwörtlich spielerischer Leichtigkeit bewältigt.
In kurzen Erläuterungen zu den eigenen Kompositionen gewährte die Künstlerin dem Publikum Einblick in ihre Gedankenwelt, die sie als Teil ihres Lebens musikalisch übersetzte. Ihre perlenden Töne auf dem klangvollen Flügel ließen die Bilder vom „Ausflug“ mit dem Fahrrad oder die rasende Fahrt auf der Autobahn in „Speeding Instinct“ vor dem geistigen Auge in allen Facetten entstehen.
Sie versteht es, selbst einen schmerzhaften Hexenschuss, der sie auf dem Heimweg nach dem Deutschkurs ereilte, mit „The Moment“ in musikalische Schönheit zu übersetzen. Ihre raschen Schritte auf der Straße waren hörbar, der harte Schmerz, durch zwei Akkorde ausgedrückt, fast körperlich spürbar. Selbst ihren Unmut über unerfreuliche weltpolitische Ereignisse wie Kriege und Konflikte vermag sie mit „Toccata and Blues“ zu vermitteln.
Die Stille während der Stücke, nach denen das überwiegend ältere Publikum scheinbar verhalten applaudierte, war nicht etwa mangelnde Begeisterung, sondern konzentrierte Faszination, gepaart mit einer tiefen und respektvollen Verneigung vor der großartigen Leistung der Künstlerin.