Siebtklässler der Oberschule lernen ihre Stärken kennen

Jule meisterte die „Schrauberei“ während der Potentialanalyse mit Leichtigkeit. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Felix hatte keine Probleme mit der Arbeit an der Nähmaschine. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Potentialanalyse unterstützt bei der späteren Berufswahl

GROSSBURGWEDEL (bgp). Die Schüler des 7. Jahrgangs der Oberschule Burgwedel lernten ihre Kompetenzen im Rahmen einer Potentialanalyse des Bildungswerkes der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) kennen. Die ermittelten Fähigkeiten dienen zur Orientierung bei der späteren Berufswahl.
Das verwendete wissenschaftliche Testverfahren des BNW zur Potentialanalyse ist in mehrere Teile untergliedert. Die Schülerinnen und Schüler erhielten zunächst einen Fragebogen, mit dem sie auf sechzig Fragen zu ihren besonderen Vorlieben geantwortet hatten.
„Der Interessentest ist niederschwellig angelegt", erläuterte Sabine Küchler, Teamleiterin des BNW für den Bereich Schüler. Einfache Fragen, wie "Gießt Du gerne Blumen?", "Leitest Du gerne Gruppen an?" oder "Machst Du gerne Modellbau?" dienten dazu, etwas über die Probanden zu erfahren. Aus den Antworten werde eine Auswertung dessen gemacht, was die Schüler besonders gut können oder gerne tun, so Küchler.
Im Anschluss an den Interessentest erfolgte ein praktischer Teil. Jeder Arbeitsauftrag wurde detailliert erklärt und angeleitet. Die Schülerinnen und Schüler durchliefen verschiedene Stationen, an denen ihr Geschick, Genauigkeit und Schnelligkeit bei der Bewältigung der gestellten Aufgaben ermittelt wurden. Nicht immer beliebt, aber auch in Assessment-Centern häufig gestellte Aufgabe ist der „Postkorb“.
Verschiedene Vorgänge müssen nach Priorität sortiert werden und zeitlich korrekt terminiert werden. Die Aufgabenstellung wird zwar an das Alter der Schüler angepasst, aber sie müssen schon im Auge behalten, wann der Bus fährt, wenn sie vor dem Training noch schnell eine CD an die Freundin zurückgeben möchten. „Manche Schüler sind besser organisiert, als die Erwachsenen“, betonte die Teamleiterin.
Anderen liegt mehr die Praxis mit manuellen Schwerpunkten, wie beispielsweise die Arbeit an der Nähmaschine. Geübt wurde an einem Probestück aus Pappe mit vorgezeichneten Linien. "Die Arbeit an der Nähmaschine ist ideal, um die Auge-Hand-Fuß-Koordination zu testen", erklärte Sabine Küchler.
An einem anderen Tisch wurden Schnitt-Teile aus Papier mit einem Cutter sauber ausgeschnitten, an der Station daneben wurden Unterlegscheiben auf Schrauben in der passenden Größe geschoben und die Muttern auf dem Gewinde festgedreht. Jeder Teilnehmer hatte einen Kurzzeitmesser vor sich auf dem Tisch stehen und stoppte die Zeit, die benötigt wurde. In die Gesamtbewertung fließen auch Handicaps mit ein, welche bei der Bewältigung des Tests hinderlich sein könnten, wie z. B. eine Handoperation.
Renate Koch, Leiterin der Oberschule, und das Team vom BNW sind sich einig darüber, dass die Testung durch neutrale externe Personen ein gute Sache ist, da sie den Schülern unvoreingenommen begegnen. Der günstige Betreuungsschlüssel von einem Mitarbeiter, der sich um vier Schüler kümmert, ermöglicht eine individuelle Ermittlung der Stärken.
Die Ergebnisse daraus bieten frühzeitig eine Orientierung für die spätere Berufswahl. In einem persönlichen Gespräch mit Schülern und Eltern werden die Resultate der jeweiligen Potentialanalyse detailliert erläutert und Wege zur Berufsfindung aufgezeigt.
„Man muss den Schülern jedoch deutlich machen, dass sie sich nicht für die nächsten fünfzig Jahre festlegen müssen, aber drei Jahre sollten sie schon durchhalten können, wenn sie sich nach dem Schulabschluss für einen Ausbildungsberuf entscheiden. Selbst, wenn es nicht so gut läuft, haben sie danach schon etwas in der Tasche“, betonte Küchler.
Die Entscheidung solle wohl überlegt sein, daher werde schon in der siebten Klasse mit der Berufsorientierung begonnen, sagte sie. Während andere noch nicht wissen, was sie werden möchten, steht für Alissa aus der Klasse 7b schon fest: „Ich möchte Versicherungskauffrau werden". Sie werde sich bei einer Krankenkasse bewerben, sagte sie lächelnd und schnitt weiter sorgfältig an ihrem Übungsbogen.