"Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Integration und Teilhabe von Migranten"

Voller Stolz präsentieren die Integrationslotsen ihre Zertifikate, begleitet von Julieta Beine (l.) und (v. r.) Ute Kummerow-Funke, Otto Krull und Christiane Concilio. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Der kleine Iwan (r.) bekam von Ute Kummerow-Funke auch eine Rose überreicht. "Die Sonne des Lehrgangs" war an jedem Abend mit dabei, wenn seine Mutter den Kurs besuchte. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Integrationslotsen wurden bei der Übergabe der Abschluss-Zertifikate gewürdigt

GROSSBURGWEDEL (bgp). In einem Kooperationsprojekt der vhs-Hannover Land und der Stadt Burgwedel wurden vor Ort 13 Integrationslotsen ausgebildet. Die Ausbildung umfasste 50 Stunden, in denen umfangreiche Kenntnisse zu 7 unterschiedlichen Kompetenzbereichen vermittelt wurden. Nun erhielten die Teilnehmer ihre Zertifikate in einer kleinen Feierstunde übergeben.
"Dieses ist der erste Kurs für Integrationslotsen in Burgwedel. Darauf können Sie wirklich stolz sein", würdigte die erste Stadträtin Christiane Concilio die Absolventen des Qualifizierungslehrganges. Dabei hob sie die Wichtigkeit der Ausbildung hervor und zeigte sich dankbar dafür, dass die Beteiligten ihre Zeit dafür investiert hatten.
"Die Integrationslotsen leisten einen wichtigen Beitrag für die Integration und Teilhabe von Migranten", so Concilio. Otto Krull, Sozialarbeiter der Stadt und intensiv befasst mit der Betreuung von Flüchtlingen in Burgwedel, begrüßte ausdrücklich die Unterstützung durch die Integrationslotsen: "Ich denke, Sie können zu einer guten Willkommens-Kultur beitragen".

Ehrenamt wird strukturiert

Die Stadt Burgwedel ist auf einem guten Weg, ihre Bürger mit Migrationshintergrund möglichst rasch zu integrieren. Wie die meisten Kommunen steht die Stadt jedoch vor der Aufgabe, eine immer größer werdende Zahl von Flüchtlingen zu versorgen. Rund 60 Ehrenamtliche kümmern sich derzeit neben der Verwaltung und anderen Institutionen um die Belange ihrer ausländischen Mitbürger.
Die Ausbildung zum Integrationslotsen ist ein weiterer Meilenstein, dieses Netzwerk auszubauen und professionell zu strukturieren. Lehrkraft Julieta Beine drückte ihren Stolz auf den abgeschlossenen Kurs aus, der etwa zur Hälfte aus Teilnehmern mit Migrationshintergrund bestand.
In vielen Stunden hatte Beine ihnen Kenntnisse über gesetzliche Rahmenbedingungen ebenso wie soziale und kommunikative Kompetenzen für interkulturelles Handeln vermittelt. Dabei standen ihr Fachleute zur Seite, die vom Jobcenter, dem Freiwilligenzentrum Celle oder aus dem Rathaus der Stadt Burgwedel kamen, um Hintergrundwissen weiterzugeben.
Ziel des Lehrgangs war es auch, die Integrationslotsen in ein gut strukturiertes Netzwerk von Experten und Beratungsstellen einzubinden, um so den intensiven Austausch mit anderen Lotsen zu ermöglichen. Es sei auch wichtig, bei der Arbeit eigene Grenzen wahrzunehmen und die Fähigkeit zur Selbstreflexion auszubauen, betonte Beine.

Praktische Erfahrungen

Die meisten der Kursteilnehmer hatten sich schon vorher ehrenamtlich um Migranten gekümmert und diese in vielen Belangen unterstützt. Sie haben nun mehr Sicherheit für den Rahmen ihrer Tätigkeit vermittelt bekommen. Das gilt auch für Britta Lohmeyer und Dorothea Wirth.
Sie erteilen seit Anfang des Jahres Deutschunterricht in der Flüchtlingsunterkunft an der Hannoverschen Straße in Großburgwedel. Begeistert erzählten sie vom Lernwillen ihrer Schützlinge, sahen aber auch Schwierigkeiten bezüglich des Leistungsniveaus.
Es falle jemandem, der in seinem Heimatland eine Universität besucht habe, oft leichter, die Sprache zu erlernen, als jenen, die kaum Schulbildung hätten. Alle seien jedoch eifrig dabei und machten Fortschritte, berichteten die beiden. Ihre Schilderungen machten auch deutlich, dass es besonders für die Migranten schwierig ist, deren Aufenthaltsstatus nicht geklärt ist, denn sie haben keinen Anspruch auf Deutschunterricht.
Diese Lücke wird von Lohmeyer und Wirth in der Flüchtlingsunterkunft ehrenamtlich abgedeckt. Migranten mit Anspruch auf Deutschunterricht müssten in der Regel jedoch nach Hannover fahren, da es noch an ausreichenden Angeboten vor Ort fehle.

Dialog mit der Verwaltung

Die zukünftigen Integrationslotsen werden eng im Dialog mit der Stadtverwaltung stehen. Es ist geplant, sie in kleine und mittlere Projekte mit einzubinden. Eine Fortsetzung mit einem neuen Kurs für Integrationslotsen bzw. einen Aufbaulehrgang für die bereits Ausgebildeten würde Christiane Concilio außerdem sehr begrüßen. Die Beteiligten erhoffen sich nun eine weitere Verbesserung der Situation für Migranten und setzen außerdem auf die Funktion der Integrationslotsen als Multiplikatoren, deren Signalwirkung weitere Interessenten für ein solches Ehrenamt nach sich ziehen könnte.
Der Stolz auf die Ausbildung war den Integrationslotsen jedenfalls anzumerken, als sie ihre Zertifikate zusammen mit einer Rose von Julieta Beine und Ute Kummerow-Funke von der vhs-Hannover Land übereicht bekamen.
Folgende Absolventen erlangten das Zertifikat zum Integrationslotsen: Heike Beensen, Hannelore Bless, Gesine Dulce, Süreya Esen, Kerstin Hagenguth, Abdulbaki Kar, Christine Kiryakos, Britta Lohmeyer, Layla Mohamed, Zafran Muhammad, Barbara Riebe, Gazala Sedik, Dorothea Wirth.