„Sie geben dem Willkommen ein Gesicht“

Zafran Mohammed (l.) dankte im Interview mit Sozialarbeiter Otto Krull den Ehrenamtlichen für ihre Unterstützung. Der junge Mann aus Pakistan absolviert zurzeit eine Ausbildung als Koch im Heidehotel Klütz in Fuhrberg. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Sozialarbeiter Otto Krull (l.) im Interview mit Michael Schneider (2. v. l., Team der Fahrradwerkstatt), der für die große Spendenbereitschaft dankte. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Empfang der Stadt als Dank für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer

GROSSBURGWEDEL (bgp). Die Stadt Burgwedel lud rund zweihundert ehrenamtliche Flüchtlingshelfer zum Empfang in den Amtshof ein, um sich bei ihnen für die große Unterstützung auch im Namen des Rates zu bedanken.
Bürgermeister Axel Düker lobte den unermüdlichen Einsatz der vielen Helferinnen und Helfer bei der Bewältigung der Anforderungen vor zwei Jahren, als die Flüchtlinge vermehrt in Burgwedel ankamen. „Sie geben dem Willkommen ein Gesicht“, würdigte Düker die Arbeit der Flüchtlingshelfer. Der Umstand, dass die Integration so gut funktioniere, sei auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Das sei einerseits die dezentrale Unterbringung in kleineren Wohneinheiten und andererseits das Verdienst der gesamten Burgwedeler Stadtgesellschaft, die sich positiv in die Bewältigung der zahlreichen Aufgaben eingebracht habe.
Von rund zweihundert geladenen Gästen kamen etwa siebzig Helferinnen und Helfer zum ersten offiziellen Dankes-Empfang der Stadt Burgwedel. Im Anschluss an die Feierstunde wartete auf die Gäste ein buntes Büfett mit syrischen Spezialitäten. Otto Krull, der schon seit vielen Jahren als Sozialarbeiter in der Stadtverwaltung für die Betreuung von Flüchtlingen zuständig ist, moderierte den Abend. Er rief die Vertretenden der unterschiedlichen Gruppen nach vorne und führte kurze Interviews durch. Auf diese Weise wurde das breite Spektrum an ehrenamtlicher Arbeit für Flüchtlinge und Integration offenbar.

Anspruchsvolles Ehrenamt

Das Ehrenamt sei in diesem Bereich sehr anspruchsvoll, aber man bekäme sehr viel zurück, so der Tenor der Helfenden. Peter Paulsen setzt sich seit längerem als Familienpate ein. Er berichtete, dass er schon „vielfacher Onkel“ geworden sei, ebenso wie Regina Gresbrand, die hervorhob, dass sie bei der Arbeit mit den Flüchtlingen „die eigentlich Beschenkte“ sei.
Die Flüchtlinge setzten oft großes Vertrauen in die Helferinnen und Helfer, das gelte auch für die Dolmetscher, betonte Otto Krull. Durch die enge Zusammenarbeit bekämen sie viele zum Teil auch sehr vertrauliche Dinge mit. Dolmetscherin Samira Nassar sieht das positive Vertrauensverhältnis als gute Basis für die Hilfe, lediglich die medizinischen Fachausdrücke bei Arztbesuchen bereiteten ihr manchmal Schwierigkeiten, erklärte sie lächelnd.
Auch Gerd Duckstein von der Burgwedeler Tafel erklärte, dass man die Lebensmittelausgabe, die von 60 Helferinnen und Helfern übernommen wird, nun wieder auf den Wochenrhythmus herunterfahren könne, da die Zahl der Kunden aus den Kreisen der Flüchtlinge zurückgegangen sei.

Mobilität für Flüchtlinge

Die Arbeiten in der Fahrradwerkstatt werden in erster Linie von einem vierköpfigen Team übernommen. Seit der Eröffnung vor rund zwei Jahren haben die zweiradtechnisch begabten Männer 500 Fahrräder instandgesetzt und zur Abgabe an Flüchtlinge vorbereitet. Das beschert den geflüchteten Menschen die für sie so wichtige Mobilität. „Es ist uns ein Anliegen, für die große Spendenbereitschaft zu danken“, unterstrich Werkstattleiter Michael Schneider seinen Bericht.
Die Vielfalt der Unterstützung wurde auch noch in anderen Bereichen deutlich. Carola Voß und Raja Friedrich betreuen eine Gesprächsgruppe für Frauen, das Team der „Kleiderei“ mit 16 Helferinnen gibt gegen eine geringe Spende Kleidung aus. Über zwanzig Lesementoren üben mit den Flüchtlingskindern das Lesen. Eine Aufgabe, die laut Helmuth Vicum meist über das eigentliche Lesetraining hinausgehe, da man viel von den Familien mitbekäme.
Karin Weyler kümmert sich ehrenamtlich um Bewerbungen und unterstützt so die Arbeitssuche, welche ein weiterer Schritt zur Integration ist. Zafran Mohammed ist einer der Menschen, welcher auch mit ihrer Hilfe eine Arbeitsstelle bekam. Er dankte Weyler und all jenen, die ihn unterstützt haben.
Der junge Mann kam vor vier Jahren aus Pakistan nach Deutschland und hatte zunächst einen Ein-Euro-Job im Bauhof der Stadt. Mittlerweile ist er dabei, eine Ausbildung als Koch im Heidehotel Klütz in Fuhrberg zu absolvieren. An jedem Arbeitstag fährt er mit dem Fahrrad von Thönse nach Kleinburgwedel, um dort den Bus nach Fuhrberg zu nehmen. Mohammed steht stellvertretend für die vielen positiven Beispiele, die sich aus der Eigeninitiative der Flüchtlinge gepaart mit aktiver Unterstützung durch ehrenamtliche Integrationshelfer ergeben haben.