Sensationelles Ergebnis für Dr. Hendrik Hoppenstedt

Dr. Hendrik Hoppenstedt bei seiner Stimmabgabe im Amtshof Großburgwedel. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Bedrückte Stimmung: Caren Marks bei der SPD-Wahlparty im Restaurant Pinocchio in Elze. (Foto: Anke Wiese)
 
Freude bei der CDU: Burkhard Kinder, Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes Isernhagen, mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Rainer Fredermann.

Hohe Wahlbeteiligung in Burgwedel und Isernhagen

BURGWEDEL/ISERNHAGEN (bs). „Ich freue mich riesig, dieses tolle Ergebnis hat mich völlig überrascht“, jubelte Burgwedels Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt nach seiner Direktwahl in den Bundestag. Mit 44,3 Prozent der Stimmen aus dem Wahlkreis 43 (Hannover Land I) überflügelte der CDU-Kandidat die langjährige SPD-Bundestagsabgeordnete Caren Marks, auf die 38,5 Prozent der Stimmen entfielen.
Im Vorfeld war viel spekuliert worden, wie viel Stimmen Hendrik Hoppenstedt wohl entgehen werden, weil in Isernhagen Philipp Rösler, Bundesvorsitzender der FDP, Bundeswirtschaftsminister, Vizekanzler und Spitzenkandidat der Liberalen kandidierte. „Das könnte das Zünglein an der Waage sein“, wurde parteiübergreifend gemunkelt. Doch weit gefehlt. Aus dem desaströsen Gesamtergebnis der FDP und seiner persönlichen Niederlage in seinem Wahlkreis (2,6 Prozent) zog Philipp Rösler bereits die Konsequenzen und kündigte seinen Rücktritt vom Parteivorsitz an.
Etwas mehr versprochen hatte sich auch Caren Marks, die sich nicht einmal in ihrer Heimatgemeinde Wedemark die Mehrheit der Stimmen sichern konnte. Allerdings wird Caren Marks über ihren sicheren Platz auf der Landesliste weiterhin im Bundestag vertreten sein wird. Sie werde sich weiter intensiv im Wahlkreis für die Menschen engagieren, erklärte die SPD-Bundestagsabgeordnete und freute sich über die hohe Wahlbeteiligung. Diese sei insgesamt ein positives Signal für die Demokratie.
Insgesamt beteiligten sich im hiesigen Wahlkreis 75, 8 Prozent der Wahlberechtigten an der Bundestagswahl. In der Gemeinde Isernhagen traten sogar 81,6 Prozent den Gang zur Urne an in der Stadt Burgwedel immerhin 80, 5 Prozent.

Strahlende Gesichter bei der CDU

Zu einer gemeinsamen Wahlparty hatten sich die CDU-Verbände Burgwedel und Isernhagen im Gasthaus Am Markt in Großburgwedel eingefunden. Auf der einen Seite des Saales lief die Fernsehberichterstattung – gegenüber auf einer Leinwand die laufend aktualisierten Ergebnisse aus dem Wahlkreis.
Vergnügte Minen auf allen Seiten. „Ich glaube wir haben es geschafft, Hendrik ist nicht mehr einzuholen“, freute sich Heiner Neddermeyer, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Burgwedel, nachdem gut ein Drittel der Wahlbezirke ausgezählt war. Rainer Fredermann, Landtagsabgeordneter der CDU strahlte Burkhard Kinder, Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes Isernhagen an und juchzte, „Ist es nicht ein tolles Gefühl zu gewinnen?“ Vor vier Jahren war es so knapp, da fehlten unserem Kandidaten nur ein paar Hundert Stimmen, um das Direktmandat zu gewinnen, jetzt aber fährt Hendrik Hoppenstedt so ein tolles Ergebnis ein, freute sich Burkhard Kinder. Über 10.000 Stimmen mehr als Frau Marks, das ist schon einfach unglaublich!

Klare Worte bei den Liberalen

(hhs). Die Burgwedeler Liberalen trafen sich am Wahlabend im Restaurant „Filia“. Wer nun gedacht hätte, er müsste hier die Tränen trocknen, irrte. Klein war die Gruppe am Tisch: zehn Mitglieder und Freunde der FDP, und alle redeten Klartext: Man habe geahnt und auch befürchtet, dass der Höhenflug der FDP bei der Landtagswahl im Januar sich nicht auf die Bundestagswahl übertragen lassen würde, hieß es. Als ausgesprochen unglücklich und damit wesentlich für die Niederlage auf Bundesebene und den Verlust der Präsenz im Bundestag bezeichnete Dr. Isa Huelzs, die Vorsitzende der FDP Burgwedel, die Tatsache, dass die FDP im Bundestag ihre Wahlversprechen nicht umgesetzt habe. Das gelte insbesondere für eine im Wahlkampf 2009 versprochene Steuerreform, damals eine Kernaussage der Liberalen, von der sich kein Wort dann nach der Wahl im Koalitionsvertrag wiederfinden ließ.
Heinrich Gremmel, letzter verbliebener Liberaler im Rat der Stadt Burgwedel, brachte es auf den Punkt: Er halte es für einen Kardinalfehler, dass sich die Bundespartei zu früh auf eine Koalition mit der CDU festgelegt habe und alle anderen Möglichkeiten dabei ausgeschlossen habe. „Dann können die Wählerinnen und Wähler ja gleich CDU wählen. Warum sollen sie dann uns ihre Stimmen geben“. Ein Argument, das auch in den Wählerwanderungen der Wahlberichterstattung seine Bestätigung fand: 1.2 Millionen Stimmberechtigte haben danach so wie von Gremmel befürchtet gehandelt und gleich CDU gewählt.
Und schließlich formulierte Dr. Isa Huelsz noch ein Kern-Defizit der Liberalen auf Bundesebene: „Kein Wort über die Bürgerrechte im Wahlkampf“, sagte sie und schüttelte den Kopf.

Enttäuschung bei der SPD

(ti). Die Burgwedeler Sozialdemokraten trafen sich am Wahlabend im SPD-Haus in Großburgwedel. Vor der Schließung der Wahllokale um 18.00 Uhr hatten sich außer dem Parteivorsitzenden Jochen Rödiger nur wenige Mitglieder im Parteihaus eingefunden. Stephan Nikolaus-Bredemeier bediente gleichermaßen den Bratwurstgrill draußen und das Internet drinnen, das die Sozialdemokraten via ARD-Sender mit den neuesten Wahlberichten versorgen sollte. Das SPD-Haus verfügt über keinen Fernsehanschluss.
Weitere Parteigenossinnen und –genossen trudelten bald ein. Man stärkte sich bei Bratwurst und allerlei Mitgebrachtem zum Essen und Trinken. Ein Schmunzeln war bestenfalls auf den Gesichtern zu sehen, wenn der Sender versagte und das Bild des einen oder anderen Parteioberen in Berlin festhielt.
Die erste Hochrechnung trug nicht zur Hebung der Stimmung bei. „Das ist enttäuschend“, stellte Rödiger fest. „Ich habe mehr erwartet“. „Dann ist es Hendrik Hoppenstedt wohl gelungen“, sinnierte jemand laut. Das zu sagen sei zurzeit noch zu früh, meinten andere. Etwas wie Schadenfreude klang mit, als einer äußerte „Dann kann der Rösler wieder Augenarzt werden“. Es sei noch alles offen mit den kleineren Parteien, tröstete ein weiterer über die Spannung der nächsten Viertelstunden hinweg.
Etwas Leben kam in die mittlerweile große Tischrunde als Axel Düker mit den Wahlergebnissen aus dem Rathaus eintraf. Man zeigte sich zufrieden mit der leicht gestiegenen Wahlbeteiligung von 80,5 Prozent. Weniger damit, wie Hoppenstedt mit an der SPD-Kandidatin Caren Marks vorbeigezogen war – und das nicht nur in Burgwedel. Der Vorsprung von Hendrik Hoppenstedt sei schon so groß, dass seine Wahl gesichert sei, sagte Jochen Rödiger. Er gratulierte schon einmal in Abwesenheit.