Schwieriger Spagat zwischen den unterschiedlichen Interessen

Über 60 Teilnehmer folgten der Einladung der IGK zu dem Stammtisch mit dem Thema „Von-Alten-Straße“.

IGK und Anlieger diskutierten über die Von-Alten-Straße

GROSSBURGWEDEL (bs). Großer Auftrieb bei dem sogenannten außerordentlichem Stammtisch der Interessengemeinschaft Großburgwedeler Kaufleute (IGK) zum Thema Zukunft der Von-Alten-Straße. Geladen waren die Hauseigentümer, Anwohner, Gewerbetreibende und Einzelhändler der Einkaufsmeile im Herzen Großburgwedels sowie politische Vertreter aller Parteien.
Hintergrund ist die Planung der politischen Gremien, die Von-Alten-Straße in eine „echte“ Fußgängerzone umzuwandeln. Im Klartext bedeutet dies Lieferverkehr nur zu fest vorgegebenen Zeiten, Fahrradfahrer über 10 Jahre müssen ihr Rad schieben und das Schild „Zufahrt auf die Grundstücke und Lieferverkehr frei“ entfällt, weil nach rechtlicher Definition schließlich jeder behaupten könne, etwas anliefern zu müssen, bzw. sich auf dem Weg zu einem privaten Einstellplatz zu befinden.
Nach einer ausführlichen Einführung in die Problematik durch den IGK-Vorsitzenden Karlheinz Schridde wurde schnell deutlich, wie weit die einzelnen Interessen auseinandergehen. Heftige Kritik wurde an den politischen Gremien geübt, die es nach Auskunft vieler Immobilienbesitzer versäumt haben, die Eigentümern und Anwohner frühzeitig von den geplanten Veränderungen in Kenntnis zu setzen.
Dies ließ der IGK-Chef nur zum Teil gelten. Es habe mehrere Einladungen gegeben, bezüglich der Umgestaltung der Von-Alten-Straße, die wenigsten seien diesen gefolgt. Auch das Argument, dass Geschäftsinhaber und Gewerbetreibende schließlich um 18.00 Uhr noch ihrer Arbeit nachgehen müssten, kam nur bedingt zum Zuge. „Die IGK hatte ebenfalls zu einer Informationsveranstaltung geladen, und zwar um 19.15 Uhr. Auch da habe ich nur eine Handvoll Interessenten begrüßen können“, monierte Schridde.
Obwohl die IGK sich die Mühe gemacht hatte, unterschiedliche verkehrliche Möglichkeiten vorzustellen, ließ sich kein einhelliges Meinungsbild ausmachen. Die Einzelhändler befürchten Probleme bei der Warenanlieferung, Anlieger und Einwohner sorgen sich, um die Zufahrt zu ihren Grundstücken und nicht zu vergessen, die Frage, wer dann letztendlich die Kosten der Umwandlung tragen wird. Dabei zeigte sich, dass die Mehrheit der Betroffenen, den gestalterischen Aspekt außen vorgelassen, mit der Ist-Situation eigentlich ganz zufrieden ist. Lediglich der ständige Verkehr zur Postfiliale stieß gemeinhin auf Unmut.
„Wir wollen niemanden von oben etwas überstülpen“, erklärte Ortrud Wendt (CDU), Mitglied im zuständigem Ausschuss für Gebäude, Umwelt und Städtebau (GUS). Es gehe darum, „Leitplanken“ für die nächsten 15 bis 20 Jahre zu setzen. Darüber hinaus wies sie noch einmal eindringlich darauf hin, dass die Von-Alten-Straße ja jetzt auch schon eine Fußgängerzone sei … sprich, Fußgänger in jedem Fall Vorrecht haben.
„Glücklicherweise ist bis jetzt noch nichts Schlimmes passiert, aber ich würde mein kleines Kind dort auf keinen Fall allein die Straßenseite wechseln lassen“, führte Axel Düker, ebenfalls GUS-Ausschussmitglied und SPD-Kandidat für das Bürgermeisteramt, den Diskussionsteilnehmern die latente Gefahrenlage nochmal vor Augen.
Ein Plädoyer für die Radfahrer, die den neuen Planungen zufolge in der neuen Fußgängerzone ihr Rad schieben müssten, sofern sie älter als 10 Jahre sind, hielt Steffen Timmann im Namen des ADFC. Die Von-Alten-Straße sei für die Radfahrer eine wichtige Querverbindung, und solange die Piktogramme noch auf der Straße zu sehen seien, glaubt sich der Radfahrer auch auf dem richtigen Weg. Eine Möglichkeit für ein friedliches Miteinander sei eine sogenannte „Shared Space“, eine Art Gemeinschaftsstraße, auf der alle Verkehrsteilnehmer Rücksicht aufeinander nehmen. Ferner könnten durch gestalterische Maßnahmen auch Möglichkeiten geschaffen werden, den Fahrradverkehr in sichere Bahnen zu lenken.