„Raus aus dem Klassenzimmer - rein in den Wald!“

Schulleiterin Jeannine Schneider, Waldpädagoge Olaf Slaghekke und Förster Hans-Jürgen Thies unterzeichnen den Kooperationsvertrag, der die Waldpädagogik zum festen Bestandteil des Konzepts der Sonnenblumenschule in Thönse macht. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Kooperationsvereinbarung von Sonnenblumenschule und Landesforsten

THÖNSE (hhs). Am Donnerstag schlossen die Sonnenblumenschule in Thönse und die Niedersächsischen Landesforsten eine Kooperationsvereinbarung über eine ganz besondere Zusammenarbeit ab:
Mit Beginn des Schuljahrs ist beabsichtigt, dass alle Klassen der Sonnenblumenschule in Thönse mindestens einmal in jedem Schulhalbjahr einen außerschulischen Lernort in Wald oder Natur aufsucht.
Dies wird nun überwiegend in den Wäldern der Revierförsterei Fuhrberg des Niedersächsischen Forstamtes Fuhrberg gemeinsam mit dem zertifizierten Waldpädagogen Olaf Slaghekke geschehen. Slaghekke hat seine Zertifizierung bei den Landesforsten abgelegt und ist seit Längerem pädagogischer Mitarbeiter der Sonnenblumenschule. „Eigentlich war er nur Vater einer Schülerin bei uns“, schmunzelte Jeannine Schneider. „Aber hat eine Million Ideen gehabt, was man mit den Kindern machen könnte. Vieles hat er ausprobiert, mit Erfolg. Als Olaf mit der Zertifizierung kam, haben wir das alles und ihn übernommen“.
Es habe eine Vorbereitungs- und Testphase von fast einem Jahr stattgefunden, erläuterte Schulleiterin Jeannine Schneider das Procedere. Der Schulvorstand habe dem Projekt zugestimmt und nun werde die Zusammenarbeit von Schule und Forsten offiziell eingeleitet. Schon in den vergangenen Monaten hätten die Schüler immer wieder die Wiesen und Wälder rund um Thönse gemeinsam mit dem Wildnis- und Waldpädagogen Olaf Slaghekke und ihren Lehrerinnen erkundet.
„Immer wieder hieß es für die Kinder: Raus aus dem Klassenzimmer und rein in den Wald!“, freute sich die Schulleiterin. „Eigene Erfahrungen in freier Natur machen, unseren Lebensraum mit allen Sinnen wahrnehmen“. Die Aktionen sollen neben der Vermittlung von Lerninhalten auch dem Erwerb und Ausbau von unterrichtsbegleitenden Sach- und Methodenkompetenzen dienen. Das Lernen durch eigene Erfahrung in der Natur soll für die Kinder im Vordergrund stehen und die Emotionen und Empathie der SchülerInnen fördern. Aber auch die Förderung der motorischen Fähigkeiten und sportliche Anstrengung sollen nicht zu kurz kommen.
Dann wurde es offiziell: Hans-Jürgen Thies vom Niedersächsischen Forstamt Fuhrberg und Schulleiterin Jeannine Schneider setzten ihre Unterschriften aufs Papier und Waldpädagoge Olaf Slaghekke schaute mit strahlendem Gesicht zu. Er wird die Vereinbarung nun mit Leben erfüllen.
Im einzelnen wurde vereinbart: das Aufsuchen außerschulischer Lernorte wie Wald, Feld, Bach möglichst immer zu Fuß oder mit dem Fahrrad, halbjährlich in allen Klassenstufen und zu allen Jahreszeiten. Weiter die Durchführung von Waldtagen, die aufeinander aufbauen. „Nach Möglichkeit mit Querverbindungen und ergänzend zu den Lerninhalten der Grundschule in den Fächern Deutsch, Sachunterricht, Kunst, Werken und Mathematik“, erläuterte Slaghekke. Bevor er mit den Kindern die Natur aufsuche, erkunde er im Gespräch mit den Lehrerinnen immer die Möglichkeiten, diese Querverbindungen entsprechend dem Unterricht zu schaffen. Die Aktionen seien ganztägig geplant. Alle Mädchen und Jungen, die daran teilnehmen, erhalten einen Natur- und Waldführerschein mit verschiedenen Stufen „vom flinken Eichhörnchen bis zur weisen Eule“.
Geplant ist auch das Anlegen einer eigenen schulbegleitenden Waldmappe und eines Herbariums. Die Kooperation ist Bestandteil des Schulkonzepts und wird begleitet und durchgeführt von einem zertifizierten Waldpädagogen in Kooperation mit den Landesforsten. „Ebenfalls ist beabsichtigt, im zweiten Halbjahr der 3. Klassenstufe mit beiden Klassen anstelle der Waldaktionen regelmäßig einen Besuch des Waldpädagogikzentrums Wisentgehege in Springe durchzuführen“, sagt der Waldpädagoge.
„Wenn unsere Schüler nach der 4. Klasse die Sonnenblumenschule verlassen, werden sie alle acht Walderlebnistage in ihrer Grundschulzeit genossen haben“, formuliert die Schulleiterin das Ziel. Sie freut sich ganz besonders auch darüber, dass die verlässliche Grundschule, die Sonnenblumenschule in Thönse, die erste Schule in der Stadt Burgwedel ist, die in Kooperation mit den Landesforsten mit eigenem Waldpädagogen diesen Schritt Richtung Natur und Wald geht und diese Waldtage als festen Bestandteils in ihr schulisches Konzept aufnimmt.