Rainer Fredermann holt Direktmandat für die CDU

Große Freude über den Gewinn des Direktmandates im Wahlkreis 31: Rainer Fredermann (links) bei der Wahlparty der Burgwedeler CDU gegen 21.00 Uhr. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Jetzt müssten die Themen schnell angefasst werden, damit es Veränderungen geben könne, erklärte SPD-Kandidat Marco Brunotte. (Foto: Oliver Krebs)
 
Michael Stobbe aus Kleinburgwedel, Landtagskandidat der GÜNEN für den Wahlkreis 31, konnte 9,1 Prozent der Erststimmen für sich verbuchen. (Foto: Birgit Schröder)

Marco Brunotte zieht über Listenplatz wieder in den Landtag

BURGWEDEL/ISERNHAGEN/LANGENHAGEN (hhs/bs/ok). Rainer Fredermann hat das Direktmandat für die CDU erlangt und wird nun für den Wahlkreis 31 (Burgwedel/Isernhagen/Langenhagen) in den Niedersächsischen Landtag einziehen.
Fredermann holte hier 45,1 % der Erststimmen. Sein Konkurrent von der SPD Marco Brunotte erreichte 35,7 %. Brunotte zieht über einen guten Listenplatz in den Landtag ein. Die Kandidatin der FDP Christiane Hinze erzielte bei den Erststimmen 3,6%, Michael Stobbe von den Grünen stolze 9,1%.
Wenn man nun die Prozente der Parteien bei den Zweitstimmen gegen die persönlichen Ergebnisse der Kandidaten stellt, wird die Problematik dieses Wahlabends auch im hiesigen Bereich deutlich. CDU 35,1 %, SPD 32,4%, FDP 13,2 % und Grüne 12,2 %. Die CDU gibt knapp 10% an Zweitstimmen ab, die sich vordergründig bei der FDP wiederfinden. Dieser Trend war landesweit wirksam.
Wider allen Erwartungen erreicht die FDP 10% im Land, womit die Koalition mit der CDU gerettet schien am Wahlabend. Doch von der Einstimmenmehrheit der CDU um kurz nach 18.00 Uhr gab es an diesem Abend für alle Beteiligten ein Wechselbad der Gefühle: Aus der christdemokratisch-liberalen Mehrheit wurde zwei Stunden später ein Patt. Als gegen 23.30 Uhr das vorläufige Wahlergebnis vorgelegt wurde, waren SPD und Grüne zum Wahlsieger geworden, mit Einstimmenmehrheit.
Die Burgwedeler Christdemokraten hatten zur gemeinsamen Wahlparty mit den Liberalen in das Gasthaus Am Markt eingeladen. Um 18.00 Uhr fanden sich mehrheitlich Christdemokraten ein, die ersten Prognosen gaben Anlass zur Freude. Schnell war für den Wahlkreis 31 klar: Fredermann würde das Direktmandat erreichen, womit ein Teil der Hoffnungen der hiesigen CDU erfüllt wären.
Die gute Laune änderte sich, als die Prognosen für die CDU/FPD Koalition immer enger wurden. Als sich das Patt im Landtag abzeichnete mit 68 zu 68 Sitzen, wurde es noch etwas ruhiger. Gegen 19.30 Uhr traf Christiane Hinze im Gasthaus am Markt ein, wohl gelaunt mit dem besten Zweitstimmengewinn der FDP-Kandidaten im Umland Region Hannover im Rücken. Der Bundesvorsitzende der FDP habe sich hier in seinem Heimatwahlkreis sehr stark für sie eingesetzt, erklärte Christiane Hinze freudestrahlend. Die Liberalen im Wahlkreis würden deswegen dafür eintreten, dass Philipp Rösler weiterhin Bundesvorsitzender der FDP bleibe. Die Stimmung bei den hiesigen Liberalen blieb ungebrochen gut. Dr. Isa Huelsz, Vorsitzende der FDP Burgwedel, brachte es flachsend auf den Punkt. „In Sachen Wiederauferstehung gibt es jetzt zwei Spezialisten, neben der katholischen Kirche auch die FDP“.
Um kurz nach 20.00 Uhr trafen CDU-Kandidat Rainer Fredermann und Frau im Gasthaus am Markt in Großburgwedel ein. Riesenjubel brach aus und Applaus, die Glückwünsche und Umarmungen wollten nicht enden. Fredermann bedankte sich bei seinen Parteifreunden für den Einsatz bei jedem Wind und Wetter im Wahlkampf. Er freue sich sehr, im ersten Anlauf das Landtagsmandat erreicht zu haben. Dass er das sehr gute Ergebnis seines Vorgängers Prof. Dr. Emil Brockstedt nicht erreicht habe, führe er darauf zurück, dass er zum ersten Mal bei der Landtagswahl angetreten sei. Mit Blick auf den Zwischenstand der Stimmenauszählung, die auf der Leinwand zu sehen war, riet er vor allzu frühem Jubel ab. Er könne sich noch gut an einen Wahlkampf erinnern, an dessen Wahlabend der Bundeskanzler Edmund Stoiber wahrscheinlich war. Am nächsten Morgen hieß der Bundeskanzler dann definitiv Gerhard Schröder.
Duplizitäten der Ereignisse gibt es kaum. Am Montagmorgen gilt Stephan Weil, der Kandidat der SPD, als neuer Ministerpräsident Niedersachsens.
So wird nun auch in Zukunft ein Duo die Interessen der Kommunen Burgwedel, Isernhagen und Langenhagen im Leineschloss in Hannover vertreten: CDU-Kandidat Rainer Fredermann hat das Direktmandat geholt und zieht damit das erste Mal in den Landtag ein, aber auch Marco Brunotte (SPD) ist wieder im Parlament.
Allerdings mit einem kleinen aber feinen Unterschied zu 2008: Brunotte gehört der Regierungskoalition an, kann mitgestalten, wie er es sich erhofft hat. Was den Kampf ums Direktmandat angeht, hatte der junge Sozialdemokrat keine Chance, holte aber im Vergleich zu 2008 deutlich auf und in seiner Heimat Langenhagen die meisten Erststimmen. Im gesamten Wahlkreis 31 (Burgwedel, Isernhagen, Langenhagen) hatte Rainer Fredermann aus Wettmar dann aber mit etwa zehn Prozent – 45 zu 35 Prozent der Stimmen – die Nase vorn.
Brunotte durchlebte wie seine Parteigenossen am Abend ein Wechselbad der Gefühle und hatte am Ende des Abends recht mit seiner Einschätzung, dass Stephan Weil der richtige Spitzenkandidat gewesen sei. Mit seinem persönlichen Ergebnis sei er sehr zufrieden, er habe im Wahlkreis zugelegt und damit habe sich sein Engagement der vergangenen fünf Jahre ausgezahlt.
Verstehen könne er allerdings nicht, wie eine FDP „ohne Profil und eigene Leistung“ auf zehn Prozent kommen könne. Sein Glückwunsch geht an Rainer Fredermann, der den Wahlkreis direkt geholt hatte. Angesichts der persönlichen Wahlniederlage spricht Brunotte von einem „lachenden und weinenden Auge“ nach der Wahl, freut sich jetzt aber umso mehr, fünf Jahre in Regierungsverantwortung zu stehen und umsetzen zu können, was im Programm steht. „Jetzt geht’s voran. Wir haben die Chance zu zeigen, dass wir es besser können, und daran werden wir selbstverständlich auch gemessen“, sagt Brunotte. Jetzt müssten die Themen schnell angefasst werden, damit es Veränderungen geben könne.
Ein Aspekt der Wahl wird die Demokraten im Wahlkreis besonders erfreuen: den Parteien ist es gelungen, die hiesigen Wähler in besonderem Maß zu mobilisieren. Die Wahlbeteiligung im Wahlkreis 31 lag mit 64,1 Prozent um 4,7 Prozent höher als im Landesdurchschnitt. Dabei zeigte sich, dass insbesondere in der Gemeinde Isernhagen das Wahlvolk mobilisiert werden konnte. Hier gingen 70,2 Prozent der Wahlberechtigten an die Urne. Den Spitzenwert liefert allerdings wieder die kleine Ortschaft Oldhorst in Burgwedel mit einer Wahlbeteiligung von stolzen 72,6 Prozent. Die Ausreißer nach unten finden sich mehrheitlich in Langenhagen. So haben beispielsweise im Wahlbezirk Langenhagen 25 gerade einmal 31,4 Prozent der Wahlberechtigten ihr Wahlrecht wahrgenommen. Auch in den Bezirken Langenhagen 2,10 und 17 lag die Wahlbeteiligung unter der 40-Prozent-Marke.