Proviant für den Weg, der kommt

Holger Grünjes, Superintendent des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Burgwedel-Langenhagen. (Foto: Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen)

Gedanken zu Weihnachten von Superintendent Holger Grünjes

Es begab sich aber zu der Zeit ... Vertraute Worte führen uns in vergangene Zeiten. Sie begleiten uns von Generation zu Generation. Viele können sie auswendig. Wie ist es in diesem Jahr? Wird die Weihnachtsgeschichte uns erreichen? Oder bleibt sie eher eine vertraute Melodie im Hintergrund, mehr rührend als anrührend?
Heiligabend verstärkt unsere Gefühle. Das macht diesen Abend so schön – aber auch so riskant: Wem es heute gut geht, dem geht es richtig gut – und wer einsam und traurig ist, spürt es an diesem Abend besonders deutlich. Das liegt an unseren Erwartungen und an unseren Erinnerungen.
Wir leben in einer Welt, in der alles machbar erscheint. Du musst dich nur ordentlich anstrengen. Doch das stimmt nicht. Du kannst unglaublich viel tun im Leben, kannst dich abmühen und alles richtig machen. Doch du kannst nichts erzwingen. Die kostbaren Dinge im Leben sind immer auch Geschenk.
Unsere Gesellschaft verbindet „froh sein“ meist mit Reichtum und Wachstum. Segen wird als Luxus gedacht. In Bethlehem ist das anders. Bethlehem erinnert daran: Deine größten Geschenke sind auch deine größten Aufgaben. Die erste Liebe, die Geburt eines Kindes, sie wirbeln dein Leben gehörig durcheinander. Nichts ist mehr so, wie es war. Die großen Geschenke sind Geschenke der Liebe. Und die Liebe ist die Kraft der Veränderung.
Maria und Joseph bleiben nicht allein. Die Hirten werden kommen. Ja, auch wer nichts hat, kann viel schenken: Zeit, Achtsamkeit, ein Lächeln. Und dann die Weisen aus dem Morgenland – wer viel hat, soll auch viel geben. Die Weisen schenken Sinnvolles: Gold für den Lebensunterhalt und für den Komfort einer guten Herberge, denn Armut ist nicht erstrebenswert, auch nicht für Maria und Joseph. Weihrauch für eine wohltuende Atmosphäre im Haus. Myrrhe für die Heilung von Verletzungen, inneren und äußeren.
Weihnachten unterm Lichterbaum, mitten in einer der dunkelsten Nächte des Jahres. Doch es ist längst entschieden: Es wird schon wieder heller. Die Geschenke an Heiligabend sind Proviant für den Weg der kommt. Sie sind Gaben der Liebe – mal hilflos, mal treffen sie mitten ins Herz, doch wenn wir genau hinhören, sagen sie alle dasselbe: „Nichts ist, wie es war. Denn euch ist heute ein Kind geboren.“
Frohe Weihnachten!

Ihr Holger Grünjes
Superintendent des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Burgwedel-Langenhagen