Praxisnahe Vorbereitung

Jörg Jacob (links stehend) bespricht mit den Zwölftklässlern die wichtigsten Kriterien für eine erfolgreiche Bewerbung. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Im „Stresstest“ müssen die Teilnehmer unter Zeitdruck verschiedene Aufgaben zu Logik, Konzentration, Wortschatz und mathematischen Fähigkeiten lösen. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

130 Zwölftklässler des Gymnasiums nehmen am schulinternen Assessment-Center teil

GROSSBURGWEDEL (bgp). Mit Decken und Kissen bewaffnet wandert der zwölfte Jahrgang des Gymnasiums Großburgwedel am Sonnabendmorgen in die große Turnhalle. Empfangen werden die Schülerinnen und Schüler von Dr. Anne Bosum-Dybus und ihrem Team anlässlich eines simulierten Auswahlverfahrens, das unter Begleitung des Karriereinstituts Hannover durchgeführt wird.
Ziel ist die Vorbereitung der jungen Menschen auf den Ablauf eines Assessment-Centers bei der Bewerbung um Ausbildungsplätze oder Jobs nach dem Studium. In einer kurzen Einführung informiert Jörg Jacob vom Karriereinstitut Hannover, worauf es im Bewerbungsverfahren ankommt. „Ein fester Händedruck und direkter Augenkontakt“ seien Grundlagen, um beim ersten persönlichen Kontakt einen guten Eindruck zu hinterlassen, hebt er hervor. Er bittet darum, die „Blickrichtung“ zu verändern und die Perspektive eines potenziellen Arbeitgebers einzunehmen, um sich über entscheidende Kriterien klar zu werden, die zu einer Einstellung führen könnten. Rasch wurde herausgearbeitet, dass neben passender Kleidung auch das Auftreten und die Körperhaltung sowie eine klare Stimme in angemessener Lautstärke maßgeblich zum Erfolg beitragen können.
Zur begrenzten Validität von Zeugnissen und Bewerbungsunterlagen legt Jacob Zahlen vor: „18 Prozent, das heißt bei fünf Kandidaten gibt es einen Treffer“, verdeutlicht er die zwar wichtige aber dennoch relativ geringe Aussagekraft. Neben Referenzen und Praktika oder wissenschaftlich basierten Testverfahren sei eine Kombination aus Tests und persönlicher Präsentation mit 44 Prozent Validität wesentlich aussagekräftiger. Dort zeige sich schon recht deutlich, wie teamfähig, organisiert und stressresistent jemand sei, betont der Karrierefachmann.
Lehrerin Dr. Anne Bosum-Dybus, die im Gymnasium diese Maßnahme koordiniert, kommt es darauf an, die jungen Menschen gut auf das Berufsleben vorzubereiten. „Wir führen das Assessment-Center bereits zum vierten Mal durch“, betont sie. Derweil haben es sich die Teilnehmer auf dem Hallenboden mit einem mehrseitigen Test zur Selbsteinschätzung bequem gemacht.
Manche füllen die Kästchen zügig aus, andere überlegen länger, um Antworten zu finden. Nach einer halbstündigen Pause geht es an den „Stresstest“. Unter Zeitdruck müssen zahlreiche Aufgaben bewältigt werden. Logisches Denken, Lebendiger Wortschatz und Sprachbegabung in Englisch sind ebenso gefordert wie Finanzrechnung, wohlgemerkt „ohne Taschenrechner oder Handy“, betont Jörg Jacob.
Die beliebte Übung „Postkorb“ ist auch dabei: Priorisierung und gute Organisation sind dabei besonders gefragt. Ihre Teamfähigkeit können die Teilnehmer am Schluss des Assessment-Centers in einer praktischen Gruppenarbeit unter Beweis stellen.
Im Verlauf des Stresstests werden immer wieder Kandidaten zum Einzelgespräch im Nebenraum herausgebeten. Bereits vor einigen Wochen hatten sie aus einem Pool von Stellenangeboten eines ausgewählt und ihre Bewerbungsmappe abgegeben. Diese wurde von den Fachleuten begutachtet und dient – wie im wirklichen Bewerbungsverfahren – als Grundlage.
Darüber hinaus sollten die Kandidatinnen und Kandidaten einige Gegenstände mitbringen, die in der Präsentation ihre persönliche Motivation für den Job untermauern. Die Moderatoren stellen dazu Fragen, während die Assessoren mit unbeweglicher Miene das Gespräch verfolgen. In den „Arbeitgeber-Teams“ befinden sich auch mehrere Eltern, die beruflich mit Personalrekrutierung befasst sind und sich für den Tag zur Verfügung gestellt haben.
Die sechzehnjährige Olivia gibt sich in ihrem Bewerbungsgespräch selbstbewusst und betont ihre Auslandserfahrung. Da ihre Mutter aus Amerika stamme, werde die Familie in den Vereinigten Staaten möglichst oft besucht. Der mitgebrachte Pass sei deshalb für sie ein wichtiger Teil ihres Lebens und stehe für ihre bilinguale Ausbildung und interkulturelle Kompetenz.
Beides sei für die ausgeschriebene Stelle als Kauffrau für Marketingkommunikation besonders vorteilhaft, bekräftigt sie ihre Aussage. Das Team bewertet ihre Präsentation sehr positiv und gibt noch einige Tipps mit auf den Weg. So kann sie ebenso wie die anderen aus ihrem Jahrgang bestens vorbereitet in ein „lebensechtes“ Assessment-Center gehen.