Planungsausschuss sucht nach neuem Abwasserkonzept

Die Kläranlage in Fuhrberg ist zwar alt und an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen, aber technisch noch in Ordnung. Ohne Erneuerung oder Druckrohrleitung nach Großburgwedel ist keine weitere Ortsentwicklung in Fuhrberg möglich. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Die Kläranlage in Großburgwedel wird gerade erweitert und saniert. Hier laufen jetzt auch die Abwässer aus den Ortsteilen zusammen. Nur für Fuhrberg muss noch eine Lösung gefunden werden. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Kläranlage Fuhrberg arbeitet an der Kapazitätsgrenze

GROSSBURGWEDEL (hhs). Am Dienstag dieser Woche tagte der Ausschuss für Planung und Tiefbau der Stadt Burgwedel. Auf der Tagesordnung standen zwei Punkte ganz vorn: zunächst eine Studie zur Konzeptentwicklung der künftigen Abwasserentsorgung für den Ortsteil Fuhrberg, dann gleich anschließend eine weitere Studie zur Energieoptimierung auf der Kläranlage Großburgwedel. Die Themen sind nicht nur verwandt, sie sind auch eng miteinander verwoben. Das Grundproblem dabei ist die Kläranlage Fuhrberg. Diese hat noch eine wasserrechtliche Genehmigung bis zum Jahr 2023 und ist technisch in Ordnung.
Nur: Die Kläranlage ist an den Grenzen ihrer Kapazität angelangt, was im wesentlichen daran liegt, dass sich Fuhrberg in den vergangenen Jahren durch die Neubaugebiete stark entwickelt hat. „Mehr geht nicht“, soll die Region Hannover signalisiert haben. Weitere Entwicklung ist in der Ortschaft in Zukunft nur möglich, wenn die Stadt Burgwedel tätig wird und für höhere Kapazitäten in der Kläranlage am Grasbruchweg sorgt oder eine andere Lösung findet.
Zunächst war die Planungsgemeinschaft PFI aus Hannover an der Reihe, die Optionen für die Kläranlage Fuhrberg zu beschreiben. Im Grundsatz müsse man davon ausgehen, dass eine Sanierung einhergehend mit einer Kapazitätssteigerung keinen Sinn mache.
Die Anlage sei zu alt, damals zwar auf dem modernsten Stand der Kläranlagentechnik ausgeführt. Der bauliche Zustand der Becken allerdings lasse zu wünschen übrig. Ein Neubau erscheine angesichts der Abschreibungen als sinnvoll. Es müsse eine Entscheidung getroffen werden, wo die Klärschlammstabilisierung stattfinden soll.
Der Neubau einer Kläranlage in Fuhrberg sei allerdings mit knapp 1,5 Millionen Euro die kostengünstigste Lösung, wenn man allein die Baukosten im Auge habe. Daraus ergäben sich aber 85.000 Euro jährlich an Kreditdiensten und 68.000 Euro an Personalkosten sowie jährlich 16.400 Euro für den Schlammtransport von Fuhrberg zur Kläranlage Großburgwedel, denn der Schlamm muss in jedem Fall zur Weiterbearbeitung dorthin.
Als Alternative biete sich die Variante an, das Fuhrberger Abwasser über eine Druckrohrleitung zur Kläranlage Großburgwedel zu pumpen. Die Kosten für die knapp acht Kilometer lange Rohrleitung und die Pumpen wurden mit 2,1 Millionen Euro beziffert.
Die Stadt Burgwedel hat in den vergangenen Jahren etwa 7 Millionen Euro in die Erweiterung der Kläranlage Großburgwedel gesteckt. Ziel war es, dort die Abwasserbearbeitung zu zentralisieren. Das Abwasser aus den Ortschaften Engensen, Thönse, Wettmar, Kleinburgwedel und Oldhorst wird in naher Zukunft über Rohrleitungen hierher gepumpt. Diese Infrastruktur steht kurz vor der Fertigstellung.
Für die Kläranlage Großburgwedel ist die Entscheidung über die zukünftige Art der Klärschlammstabilisierung noch nicht endgültig gefallen. Diese wird spätestens im Verein mit einer notwendigen Erweiterung der Anlage 2016 fallen. Hierzu stellten die Gutachter zwei Alternativen vor: eine mechanisch-biologische Reinigung und eine aerobe Schlammstabilisierung mit sogenannter Faulung. Bei der Faulung entsteht Methangas, das mittels eines Blockheizkraftwerks Strom erzeugen wird. Dieses wäre mit 3,85 Millionen Euro die teuerste Lösung.
Nun kam Dr. Reiner Boll vom Institut für Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik der Leibniz Universität Hannover zum Zuge. Er führte aus, dass die bisher aufgezeigten Lösungen nicht nur allein von der Wirtschaftlichkeit her beurteilt werden können. Nach den bisher angesprochenen Inhalten und Zahlen gehe es nun darum, eine Tendenz festzulegen, wie es in Burgwedel mit der Abwasserklärung weiter gehen soll.
Wenn man die Berechnungen miteinander vergleiche, dann lägen diese von den Kosten her so eng beieinander, dass man daraus keine ernsthafte Entscheidung ableiten könne. Der größte Kostenfaktor in der Kläranlage sei der Energieverbrauch von 630.000 Kilowattstunden Strom, was einem CO2 Ausstoß von 356 Tonnen entspricht. Durch Erneuerung einiger Geräte könne man davon schon etwas mehr als ein Viertel einsparen, was den CO2 Ausstoß um 96 Tonnen verringere. Sollte sich die Stadt für die Faulung entscheiden und nicht für die herkömmliche Schlammstabilisierung werde die CO2 Bilanz noch besser. Die herkömmliche Stabilisierung verursache 312 Tonnen CO2 jährlich, die Faulung dagegen nur etwa 100 Tonnen. Die Jahreskosten der Anlage lägen bei 430.000 Euro. Stiegen die Strompreise in den kommenden Jahren um 2 % wäre die Faulung schon 2016 günstiger als andere Varianten.
Heinz Visel, Ausschussmitglied von Bündnis 90/Grüne brachte das Ergebnis auf den Punkt: „Wir stehen vor der Situation, dass die Zahlen für die Varianten nahezu identisch sind. Es bleibt der CO2 Ausstoß als einziges Kriterium für unsere Entscheidung“.