Petri-Kirche lädt am 2. Advent zum Literatur-Gottesdienst

Im Mittelpunkt steht ein klassischer Text von Jean Paul

GROSSBURGWEDEL (bs). Die St. Petri-Kirche in Großburgwedel lädt am 2. Advent, 9. Dezember, um 10.00 Uhr zu ihrem 7. Literatur-Gottesdienst ein. Diesmal wird ein klassischer literarischer Text in Bezug genommen: Jean Pauls „Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei”.
Pastor i.R. Andreas Seifert, der diesen Gottesdienst wieder mit einer Gruppe vorbereitet hat und die Predigt halten wird, gehört zu den Bewunderern Jean Pauls: „Seine ‘Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab…“ habe ich im Deutschunterricht als Schüler kennengelernt. Ich war damals von der Wucht dieser apokalyptischen Traumvision erschüttert. Sie zieht mich bis heute in ihren Bann.“
Der kurze Text, der später in Jean Pauls Roman „Siebenkäs“ integriert wurde, wirkt in der Literatur bis heute nach und gilt als exemplarische Gestaltung des modernen europäischen Nihilismus-Erlebnisses. Was wäre, wenn die christliche Hoffnung auf das Reich Gottes und die Erlösung der Welt ins Leere liefe und am Ende aller Tage ausgerechnet Christus diese schreckliche Entdeckung eingestehen müsste?
Der Schriftsteller Jean Paul war Zeitgenosse von Goethe und Schiller, deren Ruhm er dank seiner großen Erfolge auf dem Buchmarkt damals überschatten konnte. Er war auch der erste freie Schriftsteller, denn er lebte allein von seinen Einkünften als Autor. Herder und Wieland haben ihn gefeiert, Heine und Hesse haben ihn bewundert.
Warum jetzt Jean Pauls Traumvision in einem Advents-Gottesdienst? „Wir warten auf die Wiederkunft Christi am Ende aller Tage“, antwortet Pastor Seifert darauf. „Advent ist nicht nur Vorbereitungszeit für das Geburtstagsfest Jesu, Advent zielt vor allem auf die Zukunft und ruft die zentrale Hoffnung der Christenheit auf das Reich Gottes in unser Bewusstsein zurück. Mit ihr setzt sich Jean Paul auseinander. Er führt geradezu exemplarisch vor, was wir mit unseren Literatur-Gottesdiensten vermitteln wollen: wie Texte der Bibel durch literarische Kontexte erhellt und neu verstanden werden können.
Im kommenden Jahr sind wieder drei Literatur-Gottesdienste geplant. Der erste findet am 3. März 2013 statt und wird sich auf den neuen Roman von Julian Barnes beziehen „Vom Ende einer Geschichte“.