Ortsrat plädiert für ein Ensemble aus Alu-Profilen

Der visualisierte Gestaltungsentwurf des geplanten neuen Mahnmals auf dem Friedhof Großburgwedel. (Foto: © ikon Ausstellungen)

„Wenn man da vorbei geht, stößt man nur auf Blech“

GROSSBURGWEDEL (hhs). Am Donnerstag tagte der Ortsrat Großburgwedel zum Thema „Gestaltung des Mahnmals“ auf dem Friedhof. Bevor es ans Thema ging, wurde eine Bürgerfragestunde durchgeführt. Der Ortsbürgermeister wies darauf hin, dass Fragen zum Text des Mahnmals nicht zugelassen seien, weil dies nicht Teil der Tagesordnung sei. Damit konnte die bei der Sitzung vom 13. September lebhaft geführte Debatte nicht fortgesetzt werden. Fortmüller erklärte ferner, dass bei der Kommunalaufsicht eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Beschlüsse der damaligen Sitzung anhängig sei.
Zunächst fragte Dr. Güttler, wem das Gelände gehöre und nach den Möglichkeiten für Hinterbliebene von gefallenen Soldaten, die Namen dieser von dem neuen Objekt streichen zu lassen. Das Gelände für das Mahnmal gehöre der Kirchengemeinde, ein Vertrag regele, dass das Pflege- und Gestaltungsrecht bei der Stadt Burgwedel liege, antwortete die erste Stadträtin Christiane Concilio. Bezüglich der Namensstreichungen gehe davon aus, dass alle, die Namen ihrer Verwandten nicht auf dem Mahnmal sehen möchten, sich schon bei der Verwaltung gemeldet hätten. Dort sollen insgesamt sieben Namen zurückgenommen worden sein, erklärte Ortsbürgermeister Fortmüller auf Anfrage.
Die Aufgabe der Vorstellung der Gestaltung übernahm Martina Scheitenberger von der Firma „ikon Ausstellungen“, die auch die Ausführung übernehmen werden. Zuvor hatte Fortmüller bekannt gegeben, das zerstörte Mahnmal sei Anfang der Woche zurückgebaut worden.
Der Vortrag von Martina Scheitenberger fiel kurz und bündig aus. Es gehe darum, die drei wesentlichen Teile der Anlage, das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, die des jetzt zu planenden Mahnmals des Zweiten Weltkriegs und die zivilen Opfer miteinander in Verbindung zu setzen. Man wolle das über eine diagonale Blickachse über die rechteckige Rasenfläche erreichen. In deren Mitte werde es einen zentralen Gedenkplatz geben zur Niederlegung des Kranzes. Wichtig bei allem sei, dass die Rasenfläche keinesfalls mit Trampelpfaden oder Pflasterungen untergliedert werde.
Die vier Objekte, die in der bisherigen Diskussion immer Stelen genannt wurden, sollen aus Alu-Profilen hergestellt werden, die dann mit einer Pulverbeschichtung versehenen werden. Die kleinen Objekte werden 1250 mm x 1250 mm messen und sind heller als die Großen, die etwa zwei mal zweieinhalb Meter in die Höhe ragen werden und den Namen vorbehalten sind.
Prof. Dr. Otto Ludwig merkte an, es verwundere ihn doch, dass man lange über die Formulierungen auf den Stelen gesprochen habe, nun aber die Gestaltung im Schnelldurchgang vornehme. Er hielte es für besser, die jeweils zwei Tafeln nicht nebeneinander aufzustellen, sondern versetzt, damit der „Wandcharakter“ minimiert wird. Er fragte, wie sich die Planerin die Einbeziehung des alten Mahnmals für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges vorstelle.
Ein Versatz sei nicht sinnvoll, weil die Intention der Platzierung die Schaffung einer Fläche sei. Das alte Mahnmal werde durch die vorhandenen Zeitschichten automatisch mit einbezogen. Mit der vorgestellten Konzeption des neuen Mahnmals werde die Entscheidung Burgwedels für Sachlichkeit offen gelegt, so Martina Scheitenberger. Der präsentierte Gestaltungsentwurf wurde vom Ortsrat einstimmig beschlossen.
Diese Entscheidung stieß bei den Zuhörern auf wenig Gegenliebe: Dr. Güttler warf ein, nach seiner Ansicht sei es „absolut kein Kunstwerk“ und er schlug vor, die Rückseiten hübsch zu bepflanzen. „Wenn man da vorbei geht, stößt man nur auf Blech“, sagte er. Und Prof. Dr. Otto Ludwig stellte klar: Es handele sich auch nicht mehr um ein Mahnmal. Auf Mahnmalen finden sich in aller Regel keine Namen, Gedenkstätten erinnern an die Opfer. Die letzte Frage stellte Friedrich-Karl von Wrangel: „Was machen wir, wenn ein Soldat aus Großburgwedel bei einem Auslandseinsatz fällt?“ Darüber wollten weder Ortsrat noch Ortsbürgermeister an diesem Abend nachdenken.