„Ona“, „Tracy“ und „Mika“ suchen nach vermissten Personen

Aufgabe gelöst: die in Ausbildung befindliche Colliehündin „Velvet“ hat die vermisste Person gefunden.
 
Teambesprechung des Übungsabends der BRH-Rettungshundestaffel Hannover, Harz und Heide.

BRH-Rettungshundestaffel übt im Wald des Forstamtes Fuhrberg

BURGWEDEL/FUHRBERG (bs). Ein beschaulicher Abendspaziergang durch Feld, Wald und Wiesen. Plötzlich tauchen mehrere Autos mit Kennzeichen aus Celle, Braunschweig, Hannover und Peine auf.
Am Waldrand stoppen die Fahrzeuge, gut zehn Frauen und Männer steigen aus, Hunde machen sich dezent bemerkbar. Die Tiere wissen offenbar, dass es gleich etwas zu tun gibt für sie. „Wir üben hier“, so die Antwort auf die Frage, was dieser Auftrieb zu Dämmerungsbeginn zu bedeuten habe.
Und dann wurde es spannend: Hier bereitete sich die Rettungshundestaffel Hannover, Harz und Heide e.V. auf ihren schweren Dienst in der rauen Wirklichkeit vor. Sie heißen „Ona“, „Tracy“ und „Mika“ und leisten nur für ein paar Leckerlis oder einen Ball zum Spielen wertvolle Dienste für uns Menschen. In enger Zusammenarbeit mit ihren Führerinnen und Führern suchen die Labrodor-Mischlingshündin „Ona“ und ihre zwei vierbeinigen „Kollegen“ nach vermissten Personen. Eine Aufgabe, die ehrenamtlich erfüllt wird und hohe Anforderungen an Mensch und Tier stellt.
Die BRH-Rettungshundestaffel Hannover, Harz und Heide e.V hat ihren Sitz in Burgwedel. Der 1994 gegründete Verein besteht aus 13 aktiven Mitgliedern und zwölf Hunden. Darunter drei geprüfte Rettungshunde für die Flächen- und Trümmersuche, neun Hunde befinden sich derzeit in der Ausbildung.
Die Rettungshundestaffel kommt zum Einsatz, wenn vermisste Personen gesucht werden: seien es Kinder, die sich im Gelände verirrt haben, an Demenz erkrankte Menschen, Verunglückte aber auch selbstmordgefährdete Mitbürgerinnen und Mitbürger.
„Es ist sehr langwierig, einen Hund zum Rettungshund auszubilden“, erklärt Anita Haschka, Rettungshundeführerin, Ausbilderin und Vorsitzende des hiesigen Vereins. Die Anforderungen sind hoch – nicht nur an Hund, sondern auch an Herrchen bzw. Frauchen.
Im Bundesverband Rettungshunde gibt es nicht den typischen Rettungshund. Unabhängig von der Rassezugehörigkeit beziehen sich die Auswahlkriterien hauptsächlich auf den Charakter, die Arbeitsbereitschaft und die Leistungsfähigkeit des einzelnen Hundes. „Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Promenadenmischung oder einen Rassehund handelt“, erklärt die Rettungshundeführerin.
Die Erfahrung habe jedoch gezeigt, dass vor allem mittelgroße Hunde mit entsprechender Arbeitsfreude und Motivation gut für die Rettungshundearbeit geeignet seien. Die zwei- bis dreijährige Ausbildung ist unterteilt in die Bereiche Suchenarbeit, Unterordnung (Begleithundeprüfung), Gerätearbeit und Detagieren (gerichtetes Schicken).
Doch auch die Anforderungen an die Hundeführer sind immens. Die theoretische und praktische Ausbildung umfasst unter anderem Erste Hilfe bei Mensch und Hund, Orientierung mit Karte und Kompass, Trümmerkunde, Funken und nicht zuletzt auch Umfang mit Stress.
„Auch wenn wir nach schwierigen Situationen auf die Hilfe von Notfallseelsorgern zurückgreifen können, so ist es doch eine nervenaufreibende Arbeit. Es ist nicht einfach, beim Auffinden eines Toten zum einen den Hund für seine Arbeit zu loben und auf der anderen Seite mit dieser dramatischen Situation zurechtzukommen“, so Anita Haschka. Darum werde ein Rettungshunde-Team auch immer von mindestens einer weiteren Person begleitet.
Dazu kommt ein nicht unerheblicher Zeit- und Kostenfaktor. „Die gesamten Ausgaben, die für diese anspruchsvolle Arbeit notwendig sind, müssen über Mitgliedsbeiträge und Spenden gedeckt werden“, erklärt Anita Haschka. Von der kompletten Ausrüstung für Mensch und Tier bis hin zu den Fahrtkosten nicht nur zu den eigentlichen Einsätzen, sondern auch zu den zweimal in der Woche stattfindenden Übungsabenden.
„Wir sind immer auf der Suche nach neuen Übungsplätzen, weil die Hunde sich nicht an ein Gelände gewöhnen dürfen, sondern immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt werden müssen, wie eben im realen Einsatz auch“, begründet die Rettungshundeführerin. Der ausdrückliche Dank der Hundeführer ging dabei ans Niedersächsische Forstamt Fuhrberg, das seit vielen Jahren immer wieder wechselnde Reviere für diese besondere Hundeausbildung zur Verfügung stellt.
Besonders schwierig gestalte sich das Finden neuer Übungsmöglichkeiten bei der Ausbildung für die Hundesuche in Trümmern, wie sie beispielsweise nach einer Gasexplosion oder einem Zugunglück erforderlich ist. „Die Tiere müssen sich unfallfrei zwischen Trümmerteilen bewegen können, also sicher über schräge Bretter, Leitern, Wippen und andere ungewöhnliche Hindernisse laufen, dass erfordert Routine“, die Ausbilderin.
Damit die Hunde keine „Versteckmöglichkeiten“ auswendig lernen, benötigt die BRH-Rettungshundestaffel Hannover, Harz und Heide e.v. ständig neue Übungsgelände für eine kurzfristige Nutzung. Wer ein geeignetes Trainingsgelände wie ein Waldstück, Abrissgebäude, eine voll gerümpelte Scheune oder ein verwildertes Gelände zur Verfügung stellen möchte, wende sich bitte an Anita Haschka unter Tel. 0175-1689920. Freuen würde sich der Verein auch über neue Fördermitglieder, Sach- und Geldspenden. Das Konto der Rettungshundestaffel ist bei der Sparkasse Hannover, Kontonummer 245 666, BLZ 250 501 80.
Weitere Informationen über die lebenswichtige Arbeit der BRH-Rettungshundestaffel finden Interessierte auf der Homepage des Vereins www.rettungshunde-hannover.de, E-Mail kontakt@rettungshunde-hannover.de.