Oberschule Burgwedel hat seit Februar eine Sprachlernklasse

Shahla (l.) und Niba (Mitte) üben mit Claus Wegener (r.) das Ordnen von Bildern zu entsprechenden Verben. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Schulleiterin Renate Koch (l.) mit dem Team der Sprachlernklasse (v. r.): Hildegard Hehl, Silke Melzer und Claus Wegener (es fehlt Regina Runge-Beneke). (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Individuelle Lernförderung der Kinder steht im Vordergrund

BURGWEDEL (bgp). Am 15. Februar 2016 startete die Sprachlernklasse der Oberschule Burgwedel. Kinder aus verschiedenen Nationen lernen gemeinsam mit Lehrkräften und unterstützenden Personen die deutsche Sprache. Die Förderung der Schülerinnen und Schüler orientiert sich am individuellen Lernfortschritt.
Der Antrag für die Einrichtung der Sprachlernklasse in der Oberschule Burgwedel wurde bereits im Juni 2015 gestellt. Nach dessen Bewilligung im Dezember 2015 seien noch einige Formalitäten seitens der Landesschulbehörde nötig gewesen, Mitte Februar habe man endlich starten können, freute sich die Leiterin der Oberschule, Renate Koch.
Wer die Klasse betritt, merkt schnell, dass es hier nicht nur um die Vermittlung der deutschen Sprache geht. Die Kinder haben oft schlimme Erlebnisse hinter sich, der Unterricht ist eine wichtige Konstante in ihrem Leben. Dort gibt es vertraute Personen und geregelte Abläufe, die jeden Tag möglichst gleich sind. Regeln für das tägliche Miteinander werden erlernt, der Ablauf eines Schulvormittags wird zunehmend verinnerlicht. Das gibt den Kindern Halt und erleichtert die Konzentration auf die Lernprozesse.
Die Altersspanne der Schülerinnen und Schüler reicht in der Sprachlernklasse von 10 bis etwa 16 Jahren, die meisten kommen aus Syrien, aber auch aus dem Irak, Montenegro und Afghanistan. Ebenso wie die Nationalitäten und Jahrgänge ist auch das Leistungsniveau sehr unterschiedlich. Ein großer Teil der Kinder hat im Herkunftsland nur wenig oder gar nicht am Schulunterricht teilgenommen, manche können weder lesen noch schreiben.
Nur wenige haben etwas Englisch gelernt und machen sich so verständlich, bis sie besser Deutsch sprechen. Die Lehrkräfte stimmen den Unterricht auf das individuelle Niveau der Kinder und Jugendlichen ab, um möglichst jedem gerecht zu werden. Unterstützt werden sie dabei stundenweise von Ehrenamtlichen, eine arabischsprechende Mutter ist eine große Hilfe. Eine syrische Schülerin, die schon etwas länger in Deutschland lebt und die Sprachlernklasse des Gymnasiums Großburgwedel besucht, kommt oft vorbei. In fließendem Deutsch unterhält sie sich mit den Lehrkräften und sitzt neben den Jungen und Mädchen, um ihnen im Sprachunterricht zu helfen.
Silke Melzer, Lehrerin der Oberschule, hat einige Aufkleber vorbereitet, auf denen die Bezeichnungen der Gegenstände im Klassenraum vermerkt sind. Sie fragt die Schülerinnen und Schüler nach einem Rucksack. Elvir aus Montenegro meldet sich: „Das ist ein Rucksack“, sagt er und zeigt auf seinen Schulrucksack unter dem Tisch. Er bekommt das Schildchen und klebt es stolz darauf. Mit viel Herzblut sind alle bei der Sache, die Schüler üben lesen oder fügen Wörter und Bilder zusammen. Die Freude ist groß, wenn etwas gelungen ist, denn schon ein kleines Lob lässt die Augen der eifrigen Kinder und Jugendlichen strahlen.
Drei weitere Personen bilden das fest zusammengesetzte Team um Silke Melzer. Hildegard Hehl, Regina Runge-Beneke und Claus Wegener wurden aus einem Freiwilligenpool rekrutiert, über den sich die drei qualifizierten Lehrkräfte aus dem Ruhestand für den Dienst in der Sprachlernklasse gemeldet hatten. Sie mussten sich einem regulären Bewerbungsverfahren unterziehen, um für den Sprachunterricht eingeteilt zu werden.
Die langjährige Berufserfahrung kommt allen zugute, doch in einem ist sich das Team mit Schulleiterin Renate Koch einig: „Die Qualifikation ist zweitrangig, man muss mit dem Herzen dabei sein und schauen, was die Schüler brauchen. Geduld ist auch sehr wichtig“. Das Team der Sprachlernklasse empfindet die Arbeit mit den Migrantenkindern als besondere Erfahrung, die das Leben bereichert.
Claus Wegener, ehemaliger Gymnasiallehrer, erfährt ein anderes Lernklima als während seiner Berufstätigkeit. Hier werde die Theorie in die Praxis umgesetzt, es sei wie im richtigen Leben. Die anderen pflichten ihm schmunzelnd bei und betonen: „Ein Plan steht keine zehn Sekunden“. Wegener ist von dem Sprachlernkonzept und dem guten Arbeitsklima in der Oberschule überzeugt: „Wenn es so geht wie in dieser Schule, dann schaffen wir das!“.