„Ob Freileitung oder Erdkabel: Auf der Trasse wächst kein Baum“

Kommt die Trasse so, wie TenneT sie bislang plant, wäre das für die Waldbesitzer eine Katastrophe. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Hohes Interesse an der Suedlink-Informationsveranstaltung in Fuhrberg

FUHRBERG (hhs). 55 Fuhrberger waren der Einladung des Ortsrats Fuhrberg gefolgt und nahmen an der Informationsveranstaltung zur Stromtrasse Südlink teil. Der Abend war in drei Teile geplant: Zunächst stellte Thomas Chlouba vom Bürgerforum Burgwedel neue Überlegungen zum Trassenplaner TenneT an. „Trifft die Energiewende auch Fuhrberg?“, fragte Chlouba in die Runde. „Dann muss man fragen Wann und Wo“. Zentrale Aussage des Vortragenden: „Wenn wir gar nichts tun, dann heißt das für TenneT: freie Fahrt durch die Fuhrberger Wälder. Egal wo es lang geht: Es werden viele Bäume fallen“.
Von Energiesparen könne keine Rede mehr sein, so Chlouba weiter. Der Stromverbrauch weise das deutlich aus. Die bisherige Energiepolitik sei darauf ausgelegt gewesen, mit zentralen Kernkraftwerken den Strom zu erzeugen und zu verteilen. Braunkohle sei die günstigste Art, Strom zu erzeugen, gefolgt von Biogas und der teuersten Methode der Stromgewinnung durch Windparks auf hoher See. Deutschland sei nach China und den USA bei der Windenergie an dritter Stelle.
Was das alles soll? 2022 werden drei AKW in Bayern und zwei in Baden Württemberg abgeschaltet. Der Verlust soll durch Südlink aufgefangen werden. Nun würden Korridore für die Trasse gesucht. Drei habe TenneT schon gefunden. Die Frage, die alle interessiert, laute: Warum geht es hier lang? „Wir können nicht nachvollziehen, warum diese Trasse überhaupt in der Diskussion ist. Diese Trasse weist ein paar Beulen auf der Karte auf, und darin liegen wir“.
Alles weise darauf hin, dass TenneT an einem Europa weiten Verbundnetz arbeite. „Und TenneT will dafür möglichst wenig Geld ausgeben. Sowohl Freileitung als auch Erdkabel werden eine Schneise durch die Landschaft ziehen. Ob Freileitung oder Erdkabel: Auf der Trasse wächst kein Baum“, so Thomas Chlouba abschließend.
Im zweiten Teil ging der Umweltkoordinator der Stadt Burgwedel Malte Schubert auf den gegenwärtigen Stand des Verfahrens ein. Neues gab es da nichts zuhören. Man warte täglich darauf, dass TenneT einen Antrag auf Bundesfachplanung stelle. Mit diesem beginne das gesamte Verfahren. Dann haben alle Bürger einen Monat Zeit, ihre Bedenken gegen die Trasse zu formulieren. Mit dem Abschluss der Bundesfachplanung komme die Planfeststellung. In beiden Teilen des Verfahrens sei Bürgerbeteiligung vorgesehen. Die Burgwedeler Nachrichten werden dann ausführlich über die Beteiligungsmöglichkeiten informieren.
Nun waren die Besucher an der Reihe, ihre Fragen zustellen und Bedenken zu äußern. Ein Teil der Fragen betraf die Kriterien für die Erdverkabelung, ein weiterer den Wertverlust der Immobilien in Fuhrberg. Konkrete Antworten darauf konnten noch nicht formuliert werden. Ortsbürgermeister Heiner Neddermeyer forderte alle auf, die Bedenken und Fragen an den Ortsrat per Mail oder Fax zu leiten. Er werde das dann an die Stadtverwaltung weitergeben.
Nun richteten sich die Fragen der Fuhrberger auf den Wald. Hierzu muss man wissen, dass es im Umfeld der Ortschaft drei große unterschiedliche Arten des Waldbesitzes gibt. Da sind zum Einen einige Tausend Hektar Wald im Besitz der Landesforsten. Ein weiterer Teil ist in Besitz der Wasserwerke der Stadt Hannover und der letzte Teil ist die Gemeinschaft der Privatwaldbesitzer, die von den Forstämtern der Klosterkammer betreut werden. Und schließlich Wald und landwirtschaftliche Flächen im Wassergewinnungsgebiet Fuhrberger Feld. Hier mischen sich die Besitzverhältnisse zwischen allen drei bisher genannten Besitzformen.
Fritz Garms, Land- und Forstwirt in Fuhrberg, führte ins Feld, er besitze im Trassenverlauf einen etwa 180 Jahre alten Waldbestand, den er nicht kampflos hergeben wolle. Es handele sich um hochwertiges Holz, dass seit mehreren Generationen von seiner Familie gepflegt worden ist. Er werde die Trasse dort hindurch nicht widerstandslos hinnehmen und dagegen klagen, wenn es soweit sei. „Warum wird die Trasse nicht weiter nach Osten verlegt, wo kein Mensch wohnt?“, fragte Garms in die Runde. „Ich sehe nicht ein, warum das so nahe bei uns stattfinden soll!“
Günter Schröder, Chef des Forstamtes der Stadtwerke Hannover, erläuterte, dass in seinem Beritt alle Wasserschutzzonen von der Trasse betroffen seien. Nach seinen Schätzungen würden etwa 60 Hektar seines Waldes der Trasse zum Opfer fallen. „Nicht auszudenken die Nitrat Einschwemmungen ins Grundwasser, wenn dort Kahlschlag betrieben wird“, gab er zu bedenken.
Sein Eindruck sei, dass TenneT einen Verlauf der Trasse verfolge, der möglichst wenig Raumwiderstand mit sich bringe. Sein Fazit: „Wir müssen den Raumwiderstand unbedingt steigern“.
Karl Heinz Bremus, Chef des Niedersächsischen Forstamtes Fuhrberg, sagte, er wisse auch nicht mehr als jeder Einwohner über den Verlauf der Trasse. „Alle Unterlagen fehlen bislang. Wir kennen auch die Auswahlkriterien nicht“. Christian Oehlschläger, der als Förster den Privatwald betreut, erklärte, es müsse im Mittelpunkt stehen, den Wald zu schützen. Aber man müsse auch Natur und Menschen auf vernünftige Weise in Einklang bringen.
Abschließend forderten mehrere Mitbürger in ihren Beiträgen, die Trasse weiter an der A 7 entlang zu führen. Dagegen sprächen zwar einige Engpässe und man müsse schließlich nicht unbedingt zum harten Mittel der Enteignung greifen, sagte Thomas Chlouba. Die Flughafengesellschaft habe damals eine Siedlung Haus für Haus zum fairen Preis aufgekauft, um den Flughafen erweitern zu können. So könne es hier auch gehen.