Nur für Wetterfeste: Boßelturnier des Kirchbauvereins

Der Kirchbauverein in Kleinburgwedel hatte zum Boßeln geladen. Los ging der Kampf mit der Kugel gegen die Steigung am Heidberg am Ortsausgang. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Als die Gruppe nach einigen Würfen die Kuppe des Heidbergs erreicht hatte, kam ein starkes Schauer aus Regen, Schnee und Griesel hernieder. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Rund 30 Teilnehmer ließen sich

KLEINBURGWEDEL (hhs). Der Kirchbauverein in Kleinburgwedel feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen, wie in der Ortschaft beim „700 Jährigen“ bewährt praktiziert, mit einem kleinen Reigen ganz unterschiedlicher Events für die Mitbürgerinnen und Mitbürger. Am vergangenen Sonntag stand „Boßeln“ auf dem Spielplan.
Gegen 14.00 Uhr trafen sich rund 30 Kleinburgwedeler im Haus der Kirche, um diese Sportart für sich zu entdecken. Mit einigen Bollerwagen, auf denen die Verpflegung und Schlechtwetteroutfit untergebracht waren, ging es auf kurzem Weg zum Ortsausgang Heidbergstraße, dem Startpunkt der Sportveranstaltung.
Man hatte den Eindruck, dass kaum einem der Teilnehmer diese in Ostfriesland beheimatete Sportart wirklich bekannt war. Nur eines wussten alle Beteiligten ganz sicher: Wer im Februar Boßeln geht, muss sich sehr warm und wetterfest anziehen. Die Kleidung darf aber die Bewegungsfähigkeit nicht zu sehr einschränken, denn beim Boßeln muss man sich bücken.
Zu Beginn gab es eine kurze Einweisung: „Boßeln kommt aus Ostfriesland und funktioniert in etwa so wie Kegeln. Nur die Kegel haben die Ostfriesen vergessen“. Dann wurde der Ablauf erklärt: Den Heidberg zunächst hinauf bis auf seine Kuppe, dann hinunter Richtung Bahn, zum Ende der Straße. Mehrere Mannschaften wurden gebildet, darunter der Kirchbauverein, der Gemeindeausschuss, der Kirchenvorstand, Ortsrat und die Männerklönrunde. Dann wurden die Kugeln verteilt. „Ihr nehmt die Kugel wie beim Kegeln in die Hand, dann ein kurzer Anlauf bis zum Ortsschild, und dann wird die Kugel geworfen“, erläuterte es der Fachmann. Das war richtig ausgedrückt, denn Boßeln ist eigentlich ein Wurfsport, auch dann, wenn die Kugel wie beim Kegeln eigentlich gerollt wird. Gezählt wird die Anzahl der Würfe bis zum Ziel.
Nun begannen die Teams: Drei, vier Schritte Anlauf, ein flinkes Bücken und die Kugel rollte den Asphalt leicht bergauf. Manche blieben irgendwo auf dem Weg liegen, andere verfingen sich im Bewuchs des Randstreifens. Jeder Wurf wurde von den Umstehenden richtig fachmännisch kommentiert: „Jürgen, Du musst stärker nach Links halten“, hieß es, als die Kugel des Ortsbürgermeisters nach rechts in den Randstreifen abdriftete und dort vorzeitig gebremst wurde. Das Leistungsvermögen der einzelnen Spieler war ganz unterschiedlich, manche schafften schon bei den ersten Würfen erstaunliche Weiten auch bergauf, andere mussten sich mit zehn oder 15 Metern zufrieden geben. Diese Differenzen hatten ihre Ursachen ganz offensichtlich darin, dass alle Altersgruppen vertreten waren, von etwa 30 bis zu knapp 80 Jahren. Und genau darin liegt wohl auch der Reiz des Boßelns.
Auf halben Wege zur Kuppe wurde ein kleiner Stopp eingelegt, die einen schauten nach Westen zum Himmel, wo eine dicke dunkle Wolke unaufhaltsam Richtung Heidberg zog. Ruckzuck ging es an die Bollerwagen und die klugerweise mitgebrachte Schlechtwetterausrüstung kam zum Zuge. Auch für die innere Wärme wurde gesorgt: Der Kleinburgwedeler Jubiläumskorn machte die Runde.
Als alle die Kuppe schließlich erreicht hatten, öffnete der Himmel seine Schleusen: Schnee, Regen und Griesel satt für eine knappe Viertelstunde. Aber so etwas erschüttert einen richtigen Boßler nicht, zumal wenn er aus Kleinburgwedel kommt. Es ging weiter, nun bergab, womit sich auch die persönlichen Wurfleistungen verbesserten bei allen. Nach zwei Stunden war es geschafft und alle Boßler zogen nun gemeinsam wieder zum Haus der Kirche, wo eine deftige Erbsensuppe auf die Sportler wartete, und die wärmenden Getränke. Am Ende waren sich alle einig: Boßeln verfügt auch bei schlechtem Wetter über einen hohen Spaßfaktor.