Neuer Bebauungsplan für Würmseesiedlung wird erarbeitet

Eine beliebige Zufahrt zu Grundstücken in der Würmseesiedlung. Die Einwohnerfragestunde offenbarte ganz unterschiedliche Interessenlagen der Anwohnerschaft, die es nun gilt, in den neuen Bebauungsplan zu berücksichtigen. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Tiefbauausschuss tagte vor großem Publikum

GROSSBURGWEDEL (hhs). Der Ausschuss für Planung und Tiefbau tagte am Donnerstag unter großer Beachtung der Öffentlichkeit. 52 Besucherinnen und Besucher waren anwesend, was nicht verwunderlich war, denn die Neufassung des Bebaungsplanes für die Würmseesiedlung stand auf der Tagesordnung.
Man hatte mit der starken Resonanz gerechnet, die Sitzung fand im Amtshof statt. Die Realität in der Würmseesiedlung sehe anders aus, als es der geltende B-Plan von 1990 vorsehe, erläuterte der Vorsitzendes des Ausschusses Jürgen Schodder von der CDU, zugleich auch Ortsbürgermeister von Kleinburgwedel, die Situation. Auf vielen Grundstücken sei die Bebauung illegal. Es gehe in dieser Sitzung darum, die Folgemaßnahmen nun einvernehmlich zu regeln. Die Stadt Burgwedel könne keine Generalamnestie verkünden, das sei Sache der Region Hannover. „Wir können nur den zukünftigen Rahmen neu regeln“, brachte er die Möglichkeiten der Stadt Burgwedel auf den Punkt.
Er sehe drei Möglichkeiten für die Anwohner: „Alles bleibt, wie es ist, zweitens: Das Wochenendhausgebiet bleibt erhalten mit einer neuen Regelung für die Größe der Bebauung 60 Quadratmeter plus X, drittens: wir erlauben hier allgemeines Wohnen. Wir wollen heute der Verwaltung die Richtung geben“.
Die Beratung des Themas im Ausschuss war kurz aber prägnant. Torsten Rieckenberg (CDU) ergriff als erster das Wort und führte aus, die erste und dritte Möglichkeit, die Schodder dargestellt habe, halte seine Fraktion für die beiden schlechtesten, die letzte insbesondere wegen der hohen Kosten, die sie bei den Anwohnern verursachen würde in Bezug auf die Anpassung ihrer Liegenschaften an das moderne Wohnbaurecht. Die SPD teile diese Anschauung, führte Hans-Joachim Rödiger-Usselmann aus. Heinz Schröder (WEB) schlug dagegen vor, alles so zu lassen, wie es ist in den kommenden zehn Jahren und dann das Gebiet als Wohnbebauungsgebiet ausweisen.
Joachim Papenburg von der SPD stellte klar, dass es keinen Königsweg gebe. Wichtig sei, dass die Häuser in der Siedlung weitgehend legalisiert werden. Chancen für ein Dauerwohnrecht sehe er aber nicht. Das müsse mit der Region Hannover von Fall zu Fall geregelt werden. „Wir wollen Ihnen weitgehend entgegen kommen“, endete er. Die SPD regte an einen Bestandsschutz für ältere Bewohner und die Möglichkeit der Einführung einer Grundflächenzahl für den neuen B-Plan zu prüfen. Im Anschluss beauftragte der Ausschuss die Verwaltung, auf der Basis der Diskussion einen Lösungsvorschlag für ein Wochenendgebiet wie bisher mit der Gebäudegröße 60 Quadratmeter „plus X“ zu erarbeiten und diesen mit der Region Hannover abzusprechen.
Danach wurde die Einwohnerfragestunde vorgezogen. Hier stand das Problem fehlender Baugenehmigungen zunächst im Zentrum. Einige Anwesende erklärten, dass ältere Baugenehmigungen, die mehr als 60 Quadratmeter Fläche für ihre Häuser zuließen, bei der Region unauffindbar seien. Andere hätten überhaupt keine Genehmigung.
Das war für Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt nicht neu. Zunächst stellte er klar, dass von Seiten der Politik Burgwedels niemand den Anwohnern Schaden zufügen wolle. Die Frage, die zu lösen sei, laute: „Wie kriegen wir das hin, dass Ihre Häuser rechtlich sicher sind?“ Bisher hätten eben einige Anlieger die Möglichkeiten zur Legalisierung ihrer Anwesen nicht genutzt. Es sei ein großes Glück, dass nun mit einem neuen B-Plan eine neue Chance dazu bestehe.
Damit blieb ein Problem allerdings im Raum stehen: Wenn es kein Dauerwohnrecht am Würmsee gebe, dann drohe ihr der finanzielle Ruin, erläuterte eine Anwohnerin ihre private Situation. Sie habe alles in ihr Haus gesteckt, eine weitere Wohnung könne sie sich nicht leisten. Der Gang in die Privatinsolvenz sei dann unabwendbar. „Wo ist mein großes Glück?“, fragte sie in die Runde unter Tränen. Auch sie sei bei ihrer Anmeldung nicht darüber aufgeklärt worden, dass am Würmsee Dauerwohnen nicht erlaubt ist.
„Auch wir haben Fehler gemacht“, gab ein weiterer Anwohner zu bedenken und fragte nach dem weiteren Ablauf des Verwaltungsverfahrens. Die Verwaltung werde nun mehrere Lösungsvorschläge erarbeiten, erläuterte Jürgen Schodder das Procedere. Diese werden schließlich wieder dem Planungs- und Tiefbauausschuss vorgelegt und beraten. Ehe daraus dann mit Ratsbeschluss ein Bebauungsplan werde, bestünden noch mehrere Gelegenheiten der Bürgerbeteiligung. Es soll inzwischen eine Liste geben mit etwa 40 Anwohnern, die sich für die Beibehaltung des Wochenendgebiets aussprechen. Schodder riet den Übrigen, ihre anders gelagerten Interessen auch zu formulieren.