Neue Sozialarbeiterin im Kirchenkreis

Amani Al Mistrihi (4. v. r.) vor der Kapelle in Engensen im Kreis der Unterstützer (v. l.): Sonja Tiemeyer (Kirchenvorstand Engensen), Holger Grünjes, Reni Kruckemeyer-Zettel, Anne Wollny, Amani Al Mistrihi, Bodil Reller, Joachim Schrader und Sabine Müller. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Amani Al Mistrihi aus Syrien kümmert sich um Flüchtlinge

ENGENSEN (bgp). Große Freude über eine neue Mitarbeiterin herrscht im Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen. Seit dem 1. August arbeitet die 31-jährige Sozialarbeiterin Amani Al Mistrihi in Burgwedel und kümmert sich intensiv um die Belange geflüchteter Menschen. Die studierte Sozialwissenschaftlerin ist muslimischen Glaubens und hat vor acht Jahren für eine internationale Nichtregierungsorganisation im Libanon Flüchtlinge aus Palästina betreut. Vor rund drei Jahren floh sie selbst von Syrien nach Deutschland.
Begleitet wird ihre Arbeit von den Pastorinnen und den Kirchenvorständen der Kirchengemeinden St. Petri und St. Marcus. Finanziert wird die 50-Prozent-Stelle aus Mitteln des Kirchenkreises und des Diakonischen Werkes. Im Rahmen eines Gespräches in Engensen, wo die Idee für eine solche Stelle ihren Ursprung hat, stellten die Pastorinnen Reni Kruckemeyer-Zettel und Bodil Reller die neue Sozialarbeiterin vor.
Ihre Aufgabe wird es sein, Geflüchtete im Alltag zu unterstützen, insbesondere bei der Kommunikation mit dem Jobcenter, bei Arztbesuchen, in Schulen und Kindergärten oder mit entsprechenden Stellen im Rathaus. Dort kann sie auch auf die Unterstützung eines kurdisch sprechenden Mitarbeiters zählen, der ihr mit seinen Sprachkenntnissen eine Hilfe ist. Amani Al Mistrihi selbst spricht deutsch, englisch und arabisch.
Außerdem schöpft sie aus ihrem breiten Erfahrungsschatz im Interkulturellen Miteinander (IKM) in Burgwedel, wo sie bereits die Alphabetisierung von Flüchtlingen unterstützt hat und viele von ihnen persönlich kennt.
Mittlerweile hat die Sozialarbeiterin des Kirchenkreises alle Familien im Stadtgebiet besucht, um mit ihnen über Probleme und Bedürfnisse zu sprechen. „Wenn ich weiß, dass die Familie ein Bett braucht, kann ich schnell helfen“, sagt sie und betont die gute Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Stadt Burgwedel, die sie jederzeit ansprechen könne. Ein besonderes Augenmerk legt sie dabei auf die Familien und kümmert sich intensiv um Mütter mit Kindern, da gerade dieser Kreis viel Unterstützung benötigt.
Joachim Schrader und Anne Wollny vom Ortsrat Engensen betreuen ehrenamtlich geflüchtete Menschen und bestätigen den Unterstützungsbedarf der Frauen.
Die Männer der Familien seien häufig bei der Arbeit, die Kinder in der Schule oder im Kindergarten, die Frauen seien dann allein und kämen kaum aus dem Haus.
Um solche Frauen aus der Isolation zu holen, hat Amani Al Mistrihi drei Gruppen initiiert, wo sich diese auch in ihrer Sprache austauschen können. „Für sie ist es besser, wenn sie in der Muttersprache über Probleme sprechen können“, sagt sie und weiß aus ihrer Erfahrung im Umgang mit den Flüchtlingen, dass eben nicht alles auf Deutsch besprochen werden kann und die Frauen offener ihre Gefühle ausdrücken.
Für die Sozialarbeit hat sich Amani Al Mistrihi noch ein weiteres Feld vorgenommen. Sie möchte den Flüchtlingen erklären, wie der deutsche Arbeitsmarkt funktioniert. „Viele möchten gerne arbeiten, haben aber Angst, dass das Geld nicht reicht, weil sie annehmen, dass jede weitere Unterstützung wegfällt“, sagt die Sozialarbeiterin. Sie möchte durch Aufklärung bewirken, dass die Flüchtlinge einen Job annehmen, um zum Lebensunterhalt beizutragen. Für manche Jobs seien kaum Sprachkenntnisse erforderlich, sodass die Flüchtlinge Schritt für Schritt in den Arbeitsmarkt kommen könnten.
Superintendent Holger Grünjes begrüßt ausdrücklich den Vorstoß der Landeskirche, Stellen für die Arbeit mit geflüchteten Menschen auch mit muslimischen Mitarbeitern zu besetzen und bezeichnete dieses als „Signal in die Gesellschaft“. Für den Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen ist Amani Al Mistrihi ist die erste Mitarbeiterin muslimischen Glaubens.