„Nathan der Weise“ – ein sinnliches Theatererlebnis

Die Inszenierung „Nathan der Weise“ der kleinen Hohenerxlebener Schauspieler-Truppe entpuppte sich als Glücksfall. (Foto: Renate Tiffe)

Ensemble Theatrum aus Sachsen-Anhalt zu Gast im Amtshof

GROSSBURGWEDEL (ti). Auf Einladung der Initiative „Kunst und Kultur für Kinder“ (KuK) gastierte das Ensemble Theatrum am Schloss Hohenerxleben mit Lessings Schauspiel-Klassiker „Nathan der Weise“ im Burgwedeler Amtshof - ein höchst sinnliches Theatererleben für die Zuschauerinnen und Zuschauer im vollbesetzten Haus.
Obwohl mehr als 200 Jahre alt, hat das Stück mit der berühmten Ring-Parabel nichts von seiner Aussagekraft verloren. Gerade in letzter Zeit, in der die Religionskonflikte zunehmen, gewinnt es neu an Aktualität. Man möchte sogar sagen an hautnaher Aktualität, denn auch hierzulande geht es um das Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkünfte mit verschiedenen Religionen - für das KuK nun in Burgwedel einen weiteren Akzent gesetzt hat.
Die Inszenierung der kleinen Hohenerxlebener Schauspieler-Truppe entpuppte sich sozusagen als Glücksfall für den frühen Burgwedeler Theaterabend. Das Bühnenbild, bestehend aus fünf Bildtafeln inspiriert von christlichen, jüdischen und islamischen Motiven und in gleicher, zartgetönter Farbgebung, führte unschwer ein in die muslimische Welt des von Sultan Saladin regierten Jerusalems.
Dessen Rolle, von dem gebürtigen Iraner Vahid Shahidifar dargestellt, verlieh dem Drama Tiefe und Glaubwürdigkeit, was den Dialog der Kulturen betrifft. Adäquat besetzt waren die Figuren des reichen Juden Nathan, seiner Tochter Recha und des christlichen Tempelherrn, der Recha vor dem Feuertod rettet. In 16 konzentrierten Szenen entfaltete sich deren Zusammenspiel und das der Personen drum herum (alle von den vier Schauspielern dargestellt), um ihren Höhepunkt in Nathans Ring-Parabel zu finden. Auf zutiefst eindrucksvolle Weise verpflichtet sie alle drei Religionen zu Menschlichkeit und Toleranz.
Untermalt wurde das Bühnengeschehen von einer Art Klangteppich aus hebräischer und klassisch persischer Musik, sowie aus gregorianischen Gesängen, begleitet von Violoncello, Wanderharfe und dem persischen Instrument Santur.
Nachklingen wird die Harmonie des Liedes der drei Weltreligionen im Epilog. Wenn das Leben an sich doch auch so klar und eindeutig verliefe wie auf der Theaterbühne ...