Nachkriegsbürgermeister von Domfront floh 1945 aus KZ Transport in Celle

Andrè Rougeron, 1945 gezeichnet von Camille Delètang. (Foto: Partnerschaftsverein Burgwedel/Domfront)
Burgwedel: Bodes Hof Wettmar |

Buch von Häftlingsarzt Armand Roux erstmals in deutsche Sprache

WETTMAR (r/hhs). Der erste Nachkriegsbürgermeister Domfronts, André Rougeyron, ist 1945 aus einem Transport von KZ-Häftlingen in Celle geflohen. Dies deckt nun ein Buch des Häftlingsarztes Armand Roux auf, das jetzt erstmals in deutscher Sprache aufgelegt wurde. Französischlehrer Dirk Bode aus Wettmar gelangte durch Zufall an das einzigartige Zeitdokument und sorgte für die Übersetzung.
André Rougeyron befand sich in dem Häftlingstransport mit Ziel Bergen-Belsen, der am 8. April 1945 auf dem Celler Güterbahnhof bombardiert wurde. Es folgte das Massaker an den Häftlingen, die sich in die Stadt und ins Neustädter Holz flüchteten. Rougeyron versteckte sich mit einer kleinen Gruppe in den Wäldern nördlich der Gemarkung von Wettmar und traf später bei Hambühren auf britische Truppen. Einige Mithäftlinge gelangten bis zu Wettmars Außensiedlung Texas.
In seinem Transport befand sich auch der Häftlingsarzt Armand Roux. Dieser verfasste unmittelbar nach dem Kriege seine Erinnerungen unter dem Titel „Im Zeichen des Zebras“ und berichtet darin unter anderem ausführlich von der Bombardierung des Celler Bahnhofs, vom anschließenden Massaker und vom Marsch nach Belsen. Dieser Text lag unveröffentlicht und wohl vergessen bei seinem Enkel. Darin spricht er ausführlich von Rougeyron, aber auch davon, dass ihm in Celle eine Mappe mit Zeichnungen des französischen Häftlings Camille Delétang, die dieser im KZ Holzen bei Eschershausen angefertigt hatte, gestohlen wurde. Der Dieb musste sie sofort danach weggeworfen haben. Es befand sich nichts Essbares darin. Sie landeten in einem Schrebergarten.
So war es eine unerwartete Entdeckung, als der ehemalige Dramaturg des Celler Schlosstheaters, Richard Pfeiffer-Blanke, der Gedenkstätte Nordhausen-Dora eben diese Zeichnungen übergab. Seine Schwiegermutter hatte sie 1945 in ihren Garten gefunden und ihm anvertraut. Er wollte sie der Nachwelt bewahren. Es handelte sich um die Zeichnungen, die dem Häftlingsarzt Roux anvertraut worden waren.
Der Text von Roux gelangte über eine Überlebende des KZ Bergen-Belsen, Evelyne Zylberman-Dachs, in die Hände des Französischlehrers Dirk Bode aus Wettmar. Nachdem die Gedenkstätte Bergen-Belsen signalisiert hatte, dass eine unmittelbare Veröffentlichung nicht zu realisieren sei, entschloss er sich, den Teil des Berichts, der von der Inhaftierung im KZ Holzen bis zur Rückkehr nach Frankreich erzählt, für eine Veröffentlichung in einem Holzmindener Verlag zu übersetzen. Es ist ihm gelungen, die Zeichnungen und viele sich unmittelbar auf den Text beziehende Illustrationen in einem Buch zu vereinen, darunter Porträts von Häftlingen, die unmittelbar danach gestorben sind.
Der Übersetzer und der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Burgwedel-Domfront, Andreas Listing, stellen das Buch am Dienstag, 29. September, um 19.00 Uhr auf der Diele von Bodes Hof, Burgwedel-Wettmar, Bruchstraße 5 vor. Andreas Listing geht dabei besonders auf den ehemaligen Bürgermeister von Domfront ein.
Das Buch „Im Zeichen des Zebras“ von Armand Roux mit einer Einführung von Jens Christian Wagner wird in den kommenden Tagen im Mitzkat Verlag Holzminden erscheinen. Voraussichtlich wird 17,80 Euro kosten.