Nach 43 Jahren: Roberto Garofalo macht Schluss

Roberta Garofalo beschenkte zum Abschied alle Kinder mit Gratis-Eis. (Foto: Elke Seitz)

Eiscafe Venezia im kommenden Jahr mit neuem Inhaber

GROSSBURGWEDEL (hhs). Es waren Tage, auf die Roberto Garofalo noch lange Zeit mit Wehmut zurückblicken wird: Am vergangenen Sonntag stand er zum letzten Mal hinter dem Tresen seines Eiscafes Venezia im Herzen Großburgwedels und versorgte seine Gäste mit Eis und italienischen Kaffeespezialitäten.
In den Tagen zuvor hatte er Großburgwedels Kinder eingeladen. Wer kam, erhielt zum Abschied ein Eis gratis. 43 Jahre lang war Roberto, wie ihn seine Freunde nennen, Inhaber des Eiscafes, nun ist er 68 Jahre alt und damit soll Schluss sein für ihn. Er hat das Venezia verkauft, es wird zur kommenden Saison unter neuer Führung seine Türen wieder öffnen.
Es seien schöne Jahre gewesen in Großburgwedel, erinnert er sich, und der Abschied fällt ihm sichtlich schwer. Seine Kinder haben kein Interesse gehabt, das Cafe weiter zu führen. „Sie haben alle selbst Familie und sind erfolgreich in ihrem Beruf“, sagt Garofalo im Gespräch mit den Burgwedeler Nachrichten. Er sei sehr früh nach Deutschland gekommen. Er stamme aus den Dolomiten, dorther, wo die italienischen Speiseeismacher herkommen, wo das Markenzeichen „italienisches Eis“ entstanden sei.
Mit 15 Jahren habe er sein Dorf, „eine Ansiedlung von knapp 100 Häusern“ verlassen, es gab damals keine Arbeit in Italien. 1959 habe er die Chance erhalten, nach Deutschland zu gehen. „Hier gab es Arbeit genug“, sagte er. Der Bahnsteig sei schwarz gewesen von jungen Männern, die in die Bundesrepublik wollten. „Bis München war der Zug übervoll. Viele von uns hatten keinen Sitzplatz“, erinnert er sich. Dann wurde es besser. In Hannover stieg er aus und hatte aus der Nachschau heraus betrachtet, großes Glück: „Ich bekam eine Anstellung im Toto Heim in Barsinghausen als Kellner“, sagte er. Das Toto Heim war das Verbandshaus des Niedersächsischen Fußballverbands. „Hier drehte sich alles um Fußball“, schmunzelte Roberto Garofalo. Er bediente hier Nationalmannschaften, bedeutende Vereinsteams dieser Jahre bis hin zu A- und B-Jugend. Und hier entwickelte er seinen Traum von der Selbständigkeit.
Die Chance bot sich ihm 1969 in Großburgwedel. Dort eröffnet er im Frühjahr das Eiscafe Venezia. „Damals war vor der Tür noch wenig Platz. Die Von-Alten-Straße war noch in beide Richtungen befahrbar und der Gehsteig wesentlich enger. Fünf Tische habe ich damals ganz eng an die Wand gestellt“, schmunzelte er. Zuerst habe er allein mit seiner Frau gearbeitet, dann, als sich der Erfolg einstellte, auch mit Angestellten. Das Eisgeschäft habe sich in den Jahren verändert. „Es kommen immer neue Geschmacksrichtungen hinzu und diese halten sich ein paar Jahre in der Gunst der Gäste, dann verschwinden sie. Aber die Klassiker, Vanille, Schokolade, Erdbeere, die bleiben“. Besonders innovativ sei das Geschäft mit den unterschiedlichen Kaffeesorten und Zubereitungsarten gewesen. Da habe er immer ein Auge auf die Neuentwicklungen in seinem Heimatland Italien gehabt. „Zu Anfang hatten wir eigentlich nur Espresso im Angebot, dann kam schnell Cappucino hinzu und später all' die anderen Sorten“.
Zurück nach Hause, in sein Heimatdorf, wird er nicht gehen. „Meine Eltern leben nicht mehr, und die meisten Verwandten auch nicht. Meine Generation lebt überwiegend in Deutschland und meine Kinder auch“. Er wird die kommenden Monate gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin in Wennigsen verbringen, nahe beim Toto Heim. „Sie ist Spanierin“, lacht Roberto Garofalo. „Es ist durchaus möglich, dass wir nach Spanien gehen. Ich würde zwar gern hier bleiben, aber ich glaube auch, dass ich das noch schaffen kann“.