„motiv – motivation, neue spitze"

Textile Kunst zeigt die Textilwerferin Uta Ulrich im "KulturKaffee" Rautenkranz in Isernhagen F.B. Bei ihrer Künstlerführung am 13. August stellt sie die fast vergessene technik des Klöppelns in den Mittelpunkt. (Foto: KulturKaffee Rautenkranz)
Isernhagen: KulturKaffee Rautenkranz |

Klöppeln mit Textilentwerferin Uta Ulrich

ISERNHAGEN (r/kl). Der kunstverein burgwedel-isernhagen lädt zur Künstlerführung am Sonntag, 13. August, ab 17.00 Uhr ins "KulturKaffee" Rautenkranz in Isernhagen F.B., Hauptstraße 68, ein.
Die Textilentwerkerin Uta Ulrich, die ihr Werk der Verarbeitung von alten Textiltechniken im Kontext mit aktueller Kunst widmet, wird an diesem Tag durch ihre Ausstellung führen und die Handwerkskunst des Klöppelns vorführen sowie näheres über den Ursprung und die Geschichte dieser fast ausgestorbenen Handwerkskunst vortragen.
An Motivation, künstlerisch tätig zu sein, fehlt es Uta Ulrich, Jahrgang 1940 nicht, eher an der Zeit, alle Ideen zu verwirklichen. An Motiven für ihre Klöppelarbeiten besteht auch kein Mangel. Sie findet sie überall. Ihre Inspirationsquellen sind geometrische Muster, mikroskopische Aufnahmen, Naturbeobachtungen, Papierfaltungen . . . nicht zuletzt bestimmt die Klöppeltechnik mit ihren eigenen Gesetzen selbst, was machbar ist oder auch im Experiment erweitert werden kann. Dabei sind Grenzüber-schreitungen durchaus beabsichtigt.
So war es kein Zufall, dass Uta Ulrich ihrer diesjährigen Einzelausstellung im Kulturkaffee Rautenkranz den Titel „Motiv – Motivation“ gegeben hat. Es ist die erste Ausstellung, die der Kunstverein Burgwedel-Isernhagen diesem über 500 Jahre alten Kunsthandwerk widmet.
Für die GEDOK Niedersachsen/Hannover sind Uta Ulrichs Arbeiten eine Fortsetzung der Tradition, zwei Klöpplerinnen, Leni Matthaei und Johanna Harre, gehörten zu den Gründungsmitgliedern dieser Künstlerinnenvereinigung.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich das Bild des Kunsthandwerks Klöppeln grundlegend gewandelt. Die Klöppelspitze wurde nicht mehr nur als Gebrauchsgegenstand von anonymen Klöpplerinnen und als europaweit gehandelte Ware hergestellt, sondern erlebte eine Wende.
In Abkehr von historischen Vorbildern und der industriell gefertigten Massenware begannen namhafte Künstlerinnen und Künstler die Spitzentechnik als Ausdrucksmittel für ihre Werke zu nutzen.
In den Kriegs- und Nachkriegsjahren der beiden Weltkriege drohte Spitze im Allgemeinen in Vergessenheit zu geraten. Doch vereinzelt fanden Entwerferinnen zu einem eigenen Stil und erhoben Gestaltungen in der Klöppeltechnik zu Kunstwerken von hohem Wert.
Allen voran Leni Matthaei, die lange ihren Arbeits-und Lebensmittelpunkt in Hannover hatte.
In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts erlebte die Klöppelspitze dann eine neue Blüte. Ausgehend von akademisch ausgebildeten Entwerferinnen der damaligen Tschechoslowakei traten großformatige Klöppelarbeiten ihren Siegeszug rund um die Welt an. Klöppelspitze war kein rein europäisches Kulturgut mehr.
In ihrer Ausbildung als staatlich geprüfte Textilentwerferin an der Werkkunstschule Hannover war diese Technik nicht vorgesehen gewesen. Mehr durch Zufall geriet Uta Ulrich in den 70er Jahren an diese Handarbeit. Da sie zu der Zeit Lehrerin für Textilgestaltung an einem Gymnasium war, fühlte sie sich verpflichtet, auch diese Technik zu erlernen, um sie weitergeben zu können. Es war ein mühsamer Prozess des autodidaktischen Aneignens. Denn es gab so gut wie keine Literatur im damaligen Westdeutschland und erst recht keine Klöppellehrerin, der sie über die Schulter hätte schauen können. Zu der wurde sie dann selber, weil ihr das Klöppeln so spannend und ausbaufähig und für die moderne Textilgestaltung geeignet erschien.
Uta Ulrichs Spitzen sind Experimentierfreude, Neugierde auf ungewöhnliche Materialverarbeitungen sowie eine offensichtliche Lust anzusehen, dreidimensionale Gebilde zu erschaffen. Manche Motive begleiten sie schon ihr ganzes Klöppelleben lang, „und immer noch fordern sie mich heraus, sie neu und anders zu sehen. Ich habe noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die in ihnen stecken.“
Die Ausstellung von Uta Ulrich ist bis zum 30. August Montag, Donnerstag und Sonntag jeweils von 14.00 bis 18.00 Uhr im "KulturKaffee" zu sehen. Veranstalter sind die Gedok NiedersachsenHannover und der kunstverein burgwedel-isernhagen artclub.