Mondphasenweihnachtsbäume: Halten die Nadeln wirklich länger?

Wer in den Tagen um Neumond seinen Weihnachtsbaum schlägt, sollte es einfach mal versuchen. Den Stamm etwas höher legen als den Wipfel. Früher sagte man, dann hielten die Nadeln länger. (Foto: Hans Hermann Schröder)

In früheren Zeiten war man vom Einfluss der Mondphasen überzeugt

BURGWEDEL (hhs). Wann ist der gescheiteste Zeitpunkt gekommen, den Weihnachtsbaum zu schlagen? Unsere Vorväter, insbesondere diejenigen, die in der Forst- und Holzwirtschaft berufliche Erfahrungen gesammelt hatten, würden nun mit nur einem einzigen Wort antworten: „Jetzt! Weil am vergangenen Mittwoch Neumond war. Und wenn man den Weihnachtsbaum zu Beginn dieser Mondphase schlägt und das Stammende höher legt als den Wipfel, dann halten später die Nadeln besser am Baum“.
So oder ähnlich würde überall im ländlichen Bereich die Antwort lauten. Unsere Ahnen waren überzeugt davon, dass die Mondphasen einen Einfluss hatten auf die Qualität geschlagenen Holzes, ohne allerdings genau sagen zu können, woran das lag. Mondholz wurde dieses Holz genannt, oder auch Mondphasenholz. Es waren zwei wichtige Neumondtermine, vor und kurz nach denen man Möbel- und Bauholz schlagen sollte, der Dezember- und der Märzneumond.
Bäume wurden so geschlagen, dass deren Krone Hang abwärts fiel, in jedem Fall tiefer lag als das Stammende. Man ließ die Äste mindestens acht Wochen am Stamm, dann wurde das Holz weiter verarbeitet. Mondholz war als Bauholz beliebt, weil ihm folgende Eigenschaften nachgesagt wurden: Es reißt, verzieht und verdreht sich nicht, ist weniger anfällig für Fäulnis und weitaus resistenter gegen Schädlinge als Holz, das zu anderen Terminen gefällt wurde. Und wurden Weihnachtsbäume so behandelt, dann hielten sich die Nadeln länger am Baum.
Nun haben sich viele Wissenschaftler damit beschäftigt, einen Zusammenhang zwischen dem Fälltermin nach Mondphase und der späteren Qualität des Holzes herauszufinden – jedoch ohne konkrete Ergebnisse. Und damit erlitt das Wissen um das Mondholz ein ähnliches Schicksal wie die wissenschaftlichen Untersuchungen zu Schlaflosigkeit bei Vollmond zum Beispiel. Beides wird als Schnittmenge zwischen Esoterik, Pseudowissenschaft, Aberglaube und Unfug eingeordnet, weil aus wissenschaftlicher Sicht nicht sein darf, was man analytisch nicht fassen kann. Aber man unterhalte sich einmal darüber mit Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die zeitlebens nachts bei Vollmond kein Auge zugemacht haben ...
Dabei ist der Einfluss des Mondes auf Natur und Leben in anderen Bereichen vollkommen akzeptiert: Bei den Gezeiten an den Meeren dieser Welt, es gibt Tintenfischarten, die nur bei Vollmond laichen, und bei den Rinderzüchtern an der Küste heißt es, dass Kälber meistens zum Vollmond geboren werden, wenn dieser in die letzten Tage der Trächtigkeit des Rindes fällt. Eine entsprechende Untersuchung konnte auch das nicht bestätigen. Allerdings war der Autor in seiner Schlussbemerkung weitaus vorsichtiger als viele seiner Kollegen: „Da aber lunare Einflüsse auf biologische Vorgänge nachweisbar sind und sich in historischer Zeit saisonale und tageszeitliche Rhythmen der Geburt änderten, ... wird die Annahme vertreten, dass lunare Einflüsse unter den heutigen modernen Lebensverhältnissen nicht mehr nachweisbar sind“.
Dennoch, was die lunaren Einflüsse auf das Mondholz betrifft, es gibt heute noch unübersehbare Zeugnisse der Qualität von Mondholz. In Niedersachsen in Clausthal-Zellerfeld wurde 1634 mit dem Bau der Marktkirche zum Heiligen Geist begonnen. Dazu wurde nachweislich nur Mondholz verwendet. Einzige Ausnahme ist das Dach aus Blei. Diese Kirche gilt als größte Holzkirche in Europa. Mit Ausnahme einiger unbedeutenden Erweiterungen wurden keine Restaurierungen an der Kirche durchgeführt.
Erst im Jahr 2001 wurde eine Restaurierung notwendig, die 2008 abgeschlossen wurde. Für die Restaurierung hatten die Niedersächsischen Landesforsten damals 80 Fichten gespendet, natürlich allesamt Mondholz, wie es 360 Jahre zuvor beim Bau der Kirche auch verwendet worden war.
Man versuche es einmal mit einem Mondphasenweihnachtsbaum in diesem Jahr. Der Mond könnte günstiger nicht stehen. Und so ganz ohne Grund haben unsere Vorfahren das nicht auf diese Weise praktiziert, die längere Haltbarkeit der Nadeln am Weihnachtsbaum war damals eine Erfahrung, die man jedes Jahr machte, wenn man ihn ein paar Tage vor Neumond schlug und die Schnittstelle höher legte als den Wipfel. Aber wahrscheinlich wird das Ergebnis dennoch lauten: „ … dass lunare Einflüsse unter den heutigen modernen Lebensverhältnissen nicht mehr nachweisbar sind“, wahrscheinlich der Zentralheizung wegen!