Mit Pauken und Trompeten in die Herzen der Besucher

Der Oratorienchor Burgwedel, das Barockorchester L'Arco und die Solisten boten in der Großburgwedeler St. Pauluskirche für ein ganz besonders eindringliches Musikerlebnis. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Oratorienchor Burgwedel begeisterte in der St. Paulus-Kirche

GROSSBURGWEDEL (hhs). Der Oratorienchor Burgwedel hatte am Sonntag zu „Festlicher Musik mit Pauken und Trompeten“ in St. Paulus Großburgwedel eingeladen. Kein Platz in der großen Kirche blieb unbesetzt, alle Karten verkauft, hieß es an der Kasse.
Ein toller Erfolg für das Aushängeschild unter den Chören in Burgwedel. Das Programm beinhaltete ausschließlich Werke von Bach, zwei Motetten und zwei Kantaten. Unterstützt wurde der Oratorienchor vom Barockorchester L'Arco und einigen Männerstimmen des Kurrendechors der Gartenkirche in Hannover sowie einigen Solisten.
In Bachs umfangreichen Schaffen finden sich nur acht Motetten dagegen aber 210 Kantaten. Motetten sind die ältere Form mit Wurzeln im 13. Jahrhundert. Meistens waren sie nur zweistimmig mit einem Satz. Instrumente wurden nur als Continuo eingesetzt. Im Barock kamen mehrere Stimmen hinzu.
Die Kantaten dagegen sind immer streng formal gegliedert bei Bach. Auf einen Eingangschor, der in aller Regel auf einem Bibelzitat beruht, folgen mehrere Arien und Rezitative, das Ende bildet immer der Schlusschoral. Instrumente, Orchester gestalten dabei konzertante Passagen und bilden eigene Stimmen.
Bach gilt unter Musikern immer noch als der produktivste Komponist aller Zeiten. Das hat seine Ursache aber auch in seinen dienstlichen Verpflichtungen als Thomaskantor und Musikdirektor in Leipzig. Dieses Amt nahm er 1723 an, er hatte zwei Dienstherren, zum einen die Kirche, zum anderen den Stadtrat.
Bach oblag damit die Verantwortung über die Musik in den vier Hauptkirchen der Stadt und dazu zählten auch die Vorbereitungen der Kantaten für die Gestaltung der Gottesdienste insbesondere an Feiertagen. Hinzu kamen bestellte Werke zu Hochzeiten und Taufen. Quell dieser Schaffensfreude war auch der tiefe protestantische Glaube Bachs. Nur so wird verständlich, dass der Komponist auch Kantaten zur Einführung neuer Ratsherren schrieb. Die Obrigkeit war von Gott gewollt.
Der Oratorienchor stellte in diesem Zusammenhang die sogenannte Ratswahlkantate aus dem Jahr 1731 vor. Der Text empfiehlt der Stadt den Schutz Gottes, für die neuen Ratsherrn wird der Segen des Herrn erbeten, damit sie ihre Bürger gerecht leiten, schützen und führen können. Selbst das Volk kommt darin vor: Es darf zu allem „Amen“ beten.
Die Kraft des Glaubens, die Bach in die Lage versetzte, derartig grandiose Musik zu komponieren, war auch bei den Sängerinnen und Sängern des Oratorienchores zu spüren. „Lobet den Herrn“, die Motette zu Beginn, setzte das zentrale Thema des Protestantismus im Barock um. Mehr Feierlichkeit und Festlichkeit ging nicht in St. Paulus an diesem späten Nachmittag.
Die Solisten erfüllten die drei Arien mit ungeahntem Leben, mal feinfühlig mit leisen Tönen, mal eindringlich und im festen Glauben selbstbewusst. Es war eine rundum gelungene Präsentation barocker Kirchenmusik. Das Orchester L'Arco trug mit den historischen Instrumenten dazu bei, dass eine ganz besondere musikalische Atmosphäre entstand. Der Oratorienchor unter der Leitung von Martin Helge Lüssenhop setzte die Leidenschaft Bachs um und erhielt dafür den dankbaren Applaus der vielen Besucherinnen und Besucher. Großburgwedel ist damit um ein großartiges Musikerlebnis reicher geworden.