Mensabau der Grundschule Wettmar teurer als geschätzt

Die Fläche neben der Grundschule Wettmar ist schon für den Neubau der Mensa abgeräumt. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Neubau wird statt 920.000 rund 1,5 Millionen Euro verschlingen

BURGWEDEL (bgp). Eine Kostensteigerung von rund 60 Prozent für den Bau der Mensa an der Grundschule Wettmar erschütterte die Mitglieder des Schulausschusses Burgwedel auf ihrer jüngsten Sitzung. Im Etat waren 920. 000 Euro vorgesehen, gemäß aktueller Kostenschätzung für den Neubau wird dieser Betrag um 580.000 Euro überschritten.
Die Grundschule Wettmar wird eine offene Ganztagsschule und benötigt dafür eine Mensa zur Mittagsverpflegung der Schulkinder. Die Stadt Burgwedel plant, auf dem nördlich angrenzenden Grundstück rechts neben dem bestehenden Schulgebäude einen rund 300 Quadratmeter großen Gebäudekomplex anzubauen. Die Aufnahme des Mensabetriebes soll spätestens zum Schuljahr 2017/18 erfolgen.
Um den Haushalt für das Jahr 2016 zu planen, wurden für den Bau in Wettmar im Sommer 2015 die Kosten in Höhe von 920.000 Euro anhand des BKI Kostenindexes von 2014 ermittelt, der sich auf die durchschnittlichen Baukosten im Jahr 2013 bezieht. Der Verwaltung liegt nun eine Kostenberechnung in Höhe von 1,5 Millionen Euro für die Erweiterung der Grundschule Wettmar vor.
Christian Möhring, Leiter des Amtes für Finanzen und Gebäudewirtschaft, nannte als Gründe für die Verteuerung des Neubaus eine Kostenschätzung, die auf Basis einer Datenlage getroffen werden musste, die am Anfang "noch nicht so belastbar" gewesen sei. Das beauftragte Architekturbüro habe eine „fehlerhafte Kostenschätzung“ vorgenommen, man hätte jedoch im Herbst 2015 bereits seitens der Verwaltung erkennen müssen, dass der veranschlagte Betrag nicht ausreichen würde, räumte Möhring ein.
Einige Änderungswünsche hätten die Kosten zwar auch erhöht, deren Anteil an den Zusatzkosten sei jedoch relativ gering. Beispielsweise solle der Speisesaal multifunktional sein, sodass auch Vereine oder Gruppen die Räume nutzen könnten. Die Nutzung des Küchenbereiches sei aus hygienischen Gründen nicht möglich. Für eine Doppelnutzung musste der Grundriss geändert werden und der Speisesaal über einen Flur erschlossen werden, um eine Querung des Hygienebereiches zu verhindern.
Ein barrierefreies und rollstuhlgerechtes WC wurde in die Doppelnutzung miteinbezogen. Die Mehrkosten für die dadurch vergrößerte Grundfläche um 27 Quadratmeter belaufen sich auf 83.400 Euro. Die Umplanung eines Flachdaches in ein flachgeneigtes Metalldach schlägt sich mit 11 100 Euro Zusatzkosten nieder.
Den größten Anteil machten die Kosten für die technische Gebäudeausrüstung in Höhe von 417.000 Euro aus, erläuterte Möhring. Auf Grund der wirtschaftlichen Situation kam bereits Mitte 2015 eine enorme Kostensteigerung durch die stark erhöhte Nachfrage im öffentlichen Baubereich hinzu. Das Architekturbüro habe die Kosten in der Vorplanung gemäß BKI geschätzt. Diese Schätzung habe sich auf die neuzubauende Fläche bezogen und sei zwar anerkannter Standard im Anfangsstadium eines Bauvorhabens, hätte aber zu dem Zeitpunkt aus den vorgenannten Gründen bereits mit einem Aufschlag versehen werden müssen.
Die Rechnung Quadratmeter mal Baukostenindex konnte in diesem Fall nicht aufgehen und hätte von dem beauftragten Büro erkannt werden müssen. Es sei dadurch zwar kein materieller Schaden entstanden, doch „So etwas darf uns nicht noch einmal passieren“, machte der Stadtkämmerer deutlich. Zum Thema „Mensabau an der Grundschule Kleinburgwedel“ wurde sich Möhring mit den Vertretern der Kommunalpolitik einig, dafür ein anderes Büro zu beauftragen oder selbst in die Planung zu gehen.
Ortrud Wendt (CDU), Ratsvorsitzende und Mitglied des Schulausschusses, bezeichnete die Sachlage als „Schockeffekt“. Die CDU-Fraktion bat sich daher detaillierte schriftliche Informationen für die Sitzung des Verwaltungsausschusses aus. Nähere Erläuterungen der Kostenerhöhung hätten die Fraktionsmitglieder letztendlich „überzeugt, wenn auch nicht begeistert“, so Wendt.
Man habe sich für das Angebot der offenen Ganztagsschule in Burgwedel entschieden und müsse nun die bauliche Ausstattung realisieren. Für die technische Ausstattung der Mensen mit der schonenden Essenszubereitung im „Cook-and- Chill-Verfahren“ fielen höhere Kosten als bei herkömmlichen Warmhalteverfahren an, die Mehrkosten für die Multifunktionalität des Speisesaales seien dagegen relativ gering.
Bedauerlicherweise habe das sorgfältig ausgewählte Architekturbüro bei der vorläufigen Kostenschätzung versagt. Bei den zukünftigen Projekten müsse man aus den Fehlern lernen, betonte Wendt. Der Verwaltungsausschuss tagte am vergangen Montag und bewilligte die Weiterführung des Neubauprojektes an der Grundschule in Wettmar auf Basis der neuen Kostenrechnung.