Mehr Unfälle, weniger Verletzte

Frank Bührmann vom Polizeikommissariat Großburgwedel weist anhand der Karte auf Unfälle an der Steller Straße in Kirchhorst hin. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Intensive Verkehrsüberwachung und Baumaßnahmen sollen Unfälle vermeiden

Von Bettina Garms-Polatschek

GROSSBURGWEDEL. Der Negativtrend der Verkehrsunfälle mit einer Steigerung von 1143 (2016) auf 1204 (2017) im Bereich des Polizeikommissariats Großburgwedel steht einem deutlichen Rückgang der Unfälle mit Personenschäden gegenüber (minus 11,11 Prozent).
682 Fälle (plus 67) konnten relativ unkompliziert im sogenannten „vereinfachten Verfahren“ am Unfallort abgewickelt werden, da der Sachverhalt eindeutig geklärt war. Grund für die Zunahme der vereinfachten Verfahren seien etwa Unfälle mit Beschädigungen an Dienst- oder Leasingfahrzeugen, die wegen der Vorgaben durch die Unternehmen das Einschalten der Polizei notwendig machten, so Frank Bührmann, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes. Die stetig zunehmende Verkehrsdichte trage außerdem dazu bei, dass sich Parkplatzrempler, Wildunfälle oder Auffahrunfälle mit eindeutiger Sachlage häufiger ereigneten.
Obwohl die Zahl der Schwerverletzten mit 13 von insgesamt 136 (2016: 153 Verletzte, davon 21 Schwerverletzte) niedriger als im Vorjahr ausfiel, hatte Bührmann einen besonders tragischen Unfall mit Todesfolge zu berichten. Ein 28-jähriger Fußgänger aus der Wedemark hatte im September auf der L310 hinter Fuhrberg in Richtung Mellendorf kurz vor der A7 mit anderen Fußgängern die Fahrbahn überquert, ohne auf den Verkehr zu achten.
Dabei wurde er von einem Fahrzeug frontal erfasst, schlug in die Frontscheibe ein und wurde auf die Fahrbahn geschleudert. Der Mann verstarb noch an der Unfallstelle. Folgenschwer sei auch ein Unfall am Schulzentrum Großburgwedel gewesen. Ein Busfahrer war vermutlich krankheitsbedingt über dem Lenkrad zusammengesackt und hatte die Kontrolle über das Fahrzeug verloren.
Drei Jugendliche wurden verletzt, der Busfahrer selbst wurde schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt und es entstand erheblicher Sachschaden. „Solche Unfälle lassen sich auch mit intensiver Verkehrsüberwachung nicht verhindern“, bedauerte Bührmann mit Blick auf Präventionsmaßnahmen.
Positiv sei der Rückgang bei den Unfällen mit Kindern. So lag die Zahl der verletzten Kinder unter 14 Jahre mit 12 (2016: 23) um 47,8 Prozent niedriger als im Vorjahr. Erhöht habe sich jedoch die Zahl der im Verkehrsgeschehen verletzten Senioren über 65 Jahre (2017: 38, 2016: 28).
Das sei in erster Linie darauf zurückzuführen, dass immer mehr ältere Personen im Verkehr unterwegs seien, aber auch altersbedingt nachlassende Reaktionsfähigkeit und Hektik führe öfter zu Unfällen, erklärte der Beamte. Neuere Fahrzeuge mit Assistenzsystemen und bauliche Maßnahmen führten jedoch zu mehr Sicherheit und den Rückgang der Unfallzahlen. Als Beispiel nannte Bührmann den Umbau der Oldhorster Kreuzung zum Kreisverkehr.
Auch im Fahrradverkehr wurden wesentlich weniger Unfälle dokumentiert. Waren es in 2016 noch 52 Fälle, fiel die Zahl in 2017 auf 34 Unfälle. Der Einsatzleiter sah darin einen deutlichen Erfolg der Präventionsmaßnahmen wie der Fußgängerführerschein für Kinder im Vorschulalter oder die Fahrradprüfungen an den Grundschulen. Aber auch neuere Projekte wie „Fit im Auto“ für Senioren trügen dazu bei, dass ältere Personen aufmerksamer und ihren Fähigkeiten entsprechend am Verkehr teilnähmen.
Zusätzlich zu den Präventionsmaßnahmen setzt die Polizei auf Geschwindigkeitsmessungen und allgemeine Verkehrskontrollen sowie bauliche Maßnahmen, die an Unfallschwerpunkten auf Betreiben der Verkehrsunfallkommission umgesetzt werden. Die Kommission besteht aus Vertretern der Polizei, Straßenbaulastträgern und Verkehrsbehörden.
So wurden in Burgwedel und Isernhagen einige Unfallschwerpunkte nachweislich baulich entschärft. 3-D Haltelinien an der Burgdorfer Straße Ecke Hannoversche Straße sowie bei IKEA seien Maßnahmen, die mehr Sicherheit böten. „An der Autobahnauffahrt nahe IKEA und Rossmann scheinen die Warnschilder Erfolg gebracht zu haben“, erläuterte Bührmann.
Die Straßen rund um Fuhrberg seien zwar durch Geschwindigkeitsbeschränkungen und Überholverbote etwas sicherer geworden, dennoch verteilten sich die Unfälle über eine sehr lange Strecke an vielen verschiedenen Punkten, die nicht über die Kriterien der Verkehrsunfallkommission festzumachen seien.
Daher ließen sich nur schwer konkrete Maßnahmen ableiten. Anders sieht es hingegen in Isernhagen NB aus. Dort sei seit längerem ein Kreisverkehr geplant, der die Abzweigung in Richtung Langenhagen entschärfen solle, da sich dort bereits zahlreiche Unfälle ereignet hätten.
Die Zahl der Verkehrsunfallfluchten beschäftigt die Polizei nach wie vor. 319 Mal suchten Autofahrer nach einem Unfall das Weite, die Steigerung fiel somit um zehn Prozent höher aus als im Jahr 2016. Um die Aufklärungsquote von konstanten 43 Prozent noch zu steigern, ist die Polizei auf möglichst zeitnahe Zeugenhinweise angewiesen, die idealerweise mit Handyfotos erfolgen sollten, denn „Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt“, betonte Bührmann.