Mehr als 100 Hunde nahmen am 1. Agility-Hallenturnier teil

Die problemlose Bewältigung des langen Stegs gilt bei den Hundesportlern als eine der schwierigen Übungen beim Agility. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Die Wippe wird im nächsten Moment hinunter klappen, der Hund kennt die Übung und führt sie mit stoischer Ruhe zu Ende. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Sehenswerter Hundesport auf dem Trakehnerhof Neu Rodental

GROSSBURGWEDEL (hhs). Am vergangenen Samstag war die Reithalle des Trakehnerhofs Neu Rodental in Großburgwedel das Ziel vieler Hundefreunde aus ganz Norddeutschland: Mehr als 100 Hundeführerinnen und -führer samt ihrer Vierbeiner waren angereist, um am „1. Agility-Hallenturnier des Polizeihundsportvereins (PHVS) Burgdorf“ teilzunehmen.
„Agility“ kommt aus dem Englischen und bedeutet Flinkheit, Wendigkeit. Nicht nur für Hunde sondern auch für Herrchen und Frauchen. Diese Sportart entstand vor gut 30 Jahren in England, entwickelte sich dort schnell zur erfolgreichen Outdoorsportart und hat von der Sache und den Anforderungen her viel Ähnlichkeit mit einem Reitturnier. Dort entstanden auch die Regeln und natürlich die ersten Vereinigungen, die diesen Sport praktizierten.
Nach Deutschland schwappte Agility etwa zehn Jahre später herüber. Die britischen Regeln wurden übernommen. Im Zentrum des Sports stehen das Zusammenspiel von Hund und Mensch. Gemeinsam müssen die Zweierteams eine Hindernisstrecke bewältigen, möglichst schnell und ohne Fehler.
Wie beim Reiten ist die zu nehmende Reihenfolge der Hindernisse vorgegeben, ebenso die erlaubte Zeit. Wer beides nicht einhält, bekommt Strafpunkte aufgedrückt. Die Hunde nehmen den Parcours unangeleint, die Führer kommunizieren mittels Stimme, Arm- und Handzeichen ohne Berührung des Hundes. Bis zu 20 Hindernisse sind zu bewältigen: Hürden, Schlauchtunnel, Wippe, Eskalierwand, Tische und der Steg. Ebenfalls wie beim Reiten dürfen die Hundeführer erst kurz vor Beginn des Wettkampfs den Parcours abgehen. Da sind dann drollige Beobachtungen zu machen: manche Führer schweben gewissermaßen die Strecke ab. Immer wenn sie an einen Punkt ankommen, an dem das Tier später die Richtung wechseln muss, sind beinahe tänzerische Schritte zu bestaunen, wenn der Hundeführer wie beim Langsamen Walzer mit ausgestrecktem Arm eine Rückwärtsdrehung vollführt.
Das ist allerdings notwendig: Volle Konzentration auf die Bewegungen und Gesten, mit denen der Hund wenige Minuten später zügig über die Hindernisse geführt wird. Was beim Abgehen des Parcours so etwa anderthalb Minuten brauchte, dauert im Wettkampf nur wenige Sekunden. Den Schwerpunkt der Teilnehmer aus der Gruppe „Canis lupus familiaris“ bildeten Border Collies und Terrier unterschiedlicher Rassen, gefolgt von Beagles, Schnauzern und einer großen Anzahl Mischlinge.
Gestartet wurde in drei drei Größenklassen: Small, Medium und Large, die sich nach der Schulterhöhe des Hundes richten. Hierbei werden auch die Hindernisse in der Höhe den Größen der Hunde angepasst. Ferner in den drei Leistungsklassen A3, A2 und A1. In der höchsten Klasse A3 starten Teams, die bereits erfolgreich an Landes-, Bundes- und Weltmeisterschaften teilgenommen haben.
Auf Kommando flitzten Hund und Führer los über den Parcours. Die Hunde nahmen die Hürden im Sprung, tauchten in den Schlauchtunnel ein, überwanden die Eskalierwand und mussten aus vollem Lauf auf den Tisch springen und dort stoppen. Vier lange Sekunden, dann begann die rasante Show wieder. Durch einen zweiten Schlauchtunnel, über die Wippe, dann noch ein paar Hürden und schließlich zum Schluss über den Steg. Beim letzten Sprung ins Ziel wurde die Zeit gestoppt. Bei den Durchgängen mussten die Führer immer auf Höhe ihres Hundes sein, um diesen über die Hindernisse lenken zu können.
Das wichtigste beim Agility sei der Spaß und die sportliche Aktivität, sagten die Organisatoren vom PHVS Burgdorf. Und das konnte man bei allen Hunden ganz deutlich beobachten: Sie wussten, was sie zu tun hatten und warteten angespannt auf das Startkommando. Dann ging es los mit freudigem Laut. Man hatte bei vielen Vierbeinern den Eindruck, sie würden vor Freude gern noch einen Purzelbaum schlagen.
Da ein Hund nicht durch natürliche Mechanismen vor Überlastung geschützt ist, muss sichergestellt werden, dass er gesund ist und nicht überfordert wird. Deswegen war auch ein Tierarzt vor Ort, der die Hunde vor Turnierbeginn untersuchte.
Mit diesem Wettkampf in der Reithalle betrat der PHSV Burgdorf Neuland. Normalerweise ruht diese Form des Hundesports über die kalte Jahreszeit. Was in Frühling und Sommer draußen an der frischen Luft Hund und Herrchen einen Riesenspaß bereitet, das lässt sich bei Regen oder Sturm nicht praktizieren. Aber es geht ganz prima in der Reithalle, das hat der vergangene Samstag eindeutig bewiesen. Nur so waren für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Rahmenbedingungen gleich. Draußen war der Wind stark böig, da wären Hindernisse gekippt und die Schlauchtunnel hätte man kaum einsetzen können. Imposant war allerdings auch die Resonanz der Hundefreunde auf dieses Turnier: Es waren neben den Hundeführern auch ein paar hundert Schaulustige gekommen, ebenfalls aus ganz Norddeutschland, was der Veranstaltung dann auch den gebührenden Rahmen verschaffte.