Malfrauen treffen sich regelmäßig im „Schlösschen“

Die Malfrauen (v.l.n.r.): Jeanette Karapiperidis, Petra Braemer, Viola Wahner, Elke Junge und Viktoria Geiß. (Foto: Renate Tiffe)

Eine neue Wettmarer Kunstadresse an markanter Stelle

WETTMAR (ti). Schlösschen? In Wettmar? Wie und wo? Die Fragen sind noch nicht ganz beantwortet für den, der vor dem schlichten Backsteinhäuschen gegenüber dem NP-Markt steht, an dem nur das stuckartige Relief mit dem Schriftzug „Schlösschen“ neben der Tür auffällt.
Dennoch hat das Schlösschen seit vergangenem Jahr eine nicht unbedeutende Bekanntheit im Dorf erlangt. Und das kam so: Als die Malfrauen eine gemeinsame Bleibe suchten, die in der früheren Wettmarer Kunstwerkstatt „Beckers Hof“ genügend Grundkenntnisse im Malen erlernt hatten, stießen sie auf besagtes kleines Bauwerk.
Es stand leer, hatte aber gerade einen Einbruch hinter sich. Hausherr Holger Brunkhorst versah die Tür mit einem Eisengitter und sicherte sie zusätzlich mit diversen Schlössern ab. Da es sich um kreative Frauen handelt, war dies für sie Anlass genug, dem Anwesen den Namen „Schlösschen“ zu geben - zumal seine offizielle Adresse Herrenhäuser Straße 1 lautet.
Dreimal in der Woche, Montag, Mittwoch und Donnerstagabend, treffen sich nun die sieben Frauen für jeweils zwei bis drei Stunden, um ihrer Leidenschaft, dem Malen, nachzugehen. „Wir wollen etwas Kreatives tun. In der Gruppe zu malen macht einfach mehr Spaß und der Ort ist ideal hier“, sagt Jeanette Karapiperidis. „Wir helfen uns gegenseitig, besprechen unsere Bilder, machen gemeinsam Fortbildungen“. Und sie nehmen gemeinsam an den Aktivitäten des Dorfes teil, bei Kunst in Bewegung, beim Sommerspaziergang und beim Lebendigen Adventskalender.
Nur kurz halten sich die Frauen zu einem spätsommerlichen Schwatz vor der Haustür auf. Jede hat ihren Platz an dem großen Tisch in der Mitte des Raumes, die Malutensilien liegen bereit. Jede arbeitet nach eigenen Vorstellungen, meist in Acryltechnik, weniger in Aquarell.
Es entstehen Bilder abstrakt und gegenständlich mit eindringlichen Frauenfiguren, Landschafts- und Pflanzenmotiven. Viktoria Geiß hat Assemblagen und Collagen für sich entdeckt, in die sie gern Schriftzüge mit einfügt.
Schon vorher hatte die Burgwedeler Künstlerin Dagmar Regelsberger das Haus als Atelier genutzt, das eine wechselvolle Geschichte hat. Wann genau es gebaut wurde, ist nicht auszumachen. Vom Januar 1949 existiert jedoch ein Pachtvertrag. Danach hat der Landwirt Hermann Bock – der Großvater von Brunkhorst – seinem Nachbarn dem Tischler Otto Wode das 12 x 5 Meter große Gebäude als Schauhaus für seine Möbel überlassen.
Die Lage auf dem Hofgrundstück an der Kreuzung Herrenhäuser- und Bruchstraße war dafür günstig. In den 1970er Jahren zog die Wettmarer SPD dort ein. Das Schauhaus wurde zum Partei-Haus. Es wurde bewohnbar gemacht, indem winzige Räume für Küche und WC abgetrennt wurden. Ab 1998 hat die Schwester von Brunkhorst, Petra Reinike, an gleicher Stelle einen Kiosk betrieben, den sie 2001 wieder aufgab und an den jetzigen Standort verlegte.
Seit Mai 2013 sind nun die Malfrauen stolze Nutzerinnen von „ihrem Schlösschen“.