„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“

Pastor Andreas Böger zog den Bollerwagen, auf dem Instrumente und Noten verstaut waren. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Die erste Station war bei der Familie Mörlins. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Traditionelles Adventssingen in Kleinburgwedel

KLEINBURGWEDEL (hhs). Der Kleinburgwedeler Gemeindeausschuss der St. Petri Kirchengemeinde hatte alle Einwohnerinnen und Einwohner der Ortschaft wie seit einigen Jahren schon Tradition am vierten Advent zu einem offenen Adventssingen eingeladen.
Die Teilnehmer treffen sich am Nachmittag kurz vor der Dämmerung im Haus der Kirche. Dort haben Pastor Andreas Böger und einige Mitglieder des Gemeindeausschusses schon alles vorbereitet. Ein Bollerwagen zum Transport der Musikinstrumente, zwei oder drei Gitarren, Flöten, sogar Notenständer finden sich darauf, alles schön verpackt wegen der zu dieser Jahreszeit unberechenbaren Witterung. Und das Wichtigste: Die Texte für die Advents- und Weihnachtslieder, die gesungen werden sollen, sind auch dabei. Das Singen und der gemeinsame Gang zu den Stationen sind der „Kurrende“ nachempfunden, einer alten protestantischen Schülertradition, die singend von Haus zu Haus zogen, um zu sammeln.
Das mit den Texten habe sich bewährt, flachste jemand, sonst wäre bei manchem Lied schon nach der ersten Strophe Schluss mit der Textsicherheit der Sänger. Das sei allerdings kein spezifisches Problem der Ortschaft Kleinburgwedel sondern gelte überall. Dann marschierte die Gruppe des bunt gewürfelten Chors los, zur ersten Station zu Familie Mörlins im Fritz-Bauche-Weg.
Seit neun Jahren wohnen und leben die Mörlins dort in dem Neubaugebiet, dass sich prächtig entwickelt hat. In diesem Jahr stellten sie ihre große Garage dafür zur Verfügung, und die Sängerinnen und Sänger nahmen das Dach über dem Kopf nach den ersten Liedern schnell an, als sie eingeladen wurden zu heißen Getränken und Keksen.
Über dass Nieselwetter wollte sich an diesem Nachmittag kaum jemand beklagen, zu tief saßen die Erinnerungen noch an das Sauwetter beim Adventssingen in den beiden letzten Jahren: Damals herrschten dichter Schneefall und starker Frost bei starkem Wind. „In 2010 war es aber schon etwas wärmer, nur knapp unter Null“. In diesem Jahr waren es vielleicht deswegen auch einige Kleinburgwedeler mehr, die an der Veranstaltung teilnahmen, so knapp 40, denen sich bei dem Marsch zu den drei Stationen immer noch einige anschlossen, waren schon zum Haus der Kirche gekommen.
Zu Beginn intonierten die Instrumentalisten „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit...“, ein Lied, das für Kleinburgwedel eine ganz besondere Bedeutung hat: Sie möchten es irgendwann einmal in ihrer eigenen Kirche singen, denn es ist traditionell das Lied, das bei der Weihe einer neu gebauten Kirche zuerst gesungen wird. In diesem Zusammenhang ist es auch entstanden. Der Text stammt von Georg Weissel und das Lied wurde erstmals 1623 zur Einweihung einer Kirche in Königsberg gesungen. Unterdessen hat es sich zu einem der bekanntesten und beliebtesten Adventslieder entwickelt.
In der evangelischen Kirche genießt besondere Bedeutung: Es ist das erste Lied des Gesangbuchs, in der römisch-katholischen Kirche steht es auf Platz 107. Der Text ist in Anlehnung von Psalm 24 entstanden, wie ihn Martin Luther übersetzt hatte: „Machet die Tore weit und die Türen der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe“.
Das geschah dann auch mit Gesang an den beiden anderen Stationen bei Familie Sühling in der Radenstraße und schließlich auf dem Hof Kolze ein paar Häuser weiter. Hier hielt Pastor Andreas Böger zum Abschluss eine kleine Andacht, anstelle des Gottesdienstes, der sonst im Haus der Kirche üblich ist.