Literatur-Gottesdienst zu dem Roman „Untertauchen“

Lydia Tschukowskajas Buch im biblischen Kontext

GROSSBURGWEDEL (r/bs). Die St. Petri-Kirche in Großburgwedel lädt am Sonntag, 28. Februar, um 10.00 Uhr zu ihrem 17. Literatur-Gottesdienst ein. Diesmal wird der Roman der russischen Autorin Lydia Tschukowskaja „Untertauchen“ in biblische Kontexte gestellt. Ein Vorbereitungskreis wird für die Präsentation sorgen, Pastor i.R. Andreas Seifert wird die Predigt halten.
Alles wird wieder zu Erde werden, nichts wird bleiben – kein Gedächtnis, keine Sorgen, keine Sünden, keine Wahrheit, keine Lüge. Davon ist die große russische Autorin Lydia Tschukowskaja überzeugt. Trotzdem schreibt sie gegen dieses Vergessen nach Kräften an. Es gilt, den Toten ein Gedächtnis zu bewahren, die Geschichten der Opfer zu erzählen und die Verbrechen der Täter zu benennen.
Dafür ist „Untertauchen“ nötig, eine Besinnung auf das Vergangene, eine Konzentration auf sich selbst.
Dafür sind Brüder und Schwestern nötig, Gleichgestimmte, mit denen wir Fundstücke dieses Untertauchens bergen und deuten können. Nach ihnen sucht die Ich-Erzählerin des Buches, Nina Sergejewena. Wir lesen ihre Tagebucheinträge, die sie 1949 über vier Wochen in einem Künstler-Sanatorium unweit Moskaus schreibt. Die Ruhe dieses Ortes, die Gespräche mit den Hausgästen, die Wanderungen durch die spätwinterliche Landschaft setzen in ihr den schmerzlichen Erinnerungsprozess in Gang.
Was mag aus Ninas Mann geworden sein, der nach zehn Jahren Haft aus Stalins Straf-lagern nicht zurückgekehrt ist? Nikolaj Bilibin, einer der Hausgäste, hat die Lagerhaft überlebt und deutet an, dass Ninas Mann schon lange tot sein dürfte. Doch wie die Wahrheit aushalten? Und sie bezeugen? Oder (wie Bilibin) in sich vergraben?
Nein, Nina will „untertauchen“, will das Vergangene in die Gegenwart retten und auf ihrem weiteren Lebensweg mitnehmen. Im Horizont des 126. Psalms und der Passion Jesu werden wir uns erinnern, wie aus Leidenserfahrungen Hoffnungskraft wachsen kann: „Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden …“