Leselernhelfer trafen sich zum Dankeschön-Kaffee

Rund 80 Gäste konnte Pastor Andreas Seifert (rechts stehend) zum Dankeschön-Kaffee begrüßen. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Otto Stender, Buchhändler in Hannover, hatte vor 13 Jahren die Idee, Leselernhelfer als Mentoren in die Schulen zu schicken. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Es besteht weiterhin noch großer Bedarf an Lesementoren

GROSSBURGWEDEL (hhs). Während Odysseus, Held der griechischen Antike, nach der Schlacht um Troja auf zehnjähriger Irrfahrt unterwegs war, hatte sein Sohn Telemach den Freund seines Vaters namens Mentor als wohlwollenden Berater zur Seite, so die griechische Mythologie.
Am Dienstag dieser Woche trafen sich Mentoren aus Burgwedel und Isernhagen in der Aula der Pestalozzi-Schule zu einem „Dankeschön-Kaffeetrinken“. Es handelte sich um die Lesementoren, die an den Schulen der beiden Kommunen Schülerinnen und Schülern helfen, Lesen zu lernen. Für Kaffee und Kuchen sorgte die bewährte Pestalozzi-Küche.
Es waren rund 80 Gäste in die Aula gekommen, neben der größten Gruppe, den Lesementoren, waren auch viele Lehrerinnen und Lehrer der Schulen gekommen, an denen diese ehrenamtlich arbeitenden Mentoren helfen. Pastor Andreas Seifert, der als Koordinator der Lesementoren in Burgwedel arbeitet, und seine Kollegin Ingrid Kleiner für Isernhagen begrüßten die Gäste. Sie machten keine großen Worte.
Die Veranstaltung solle ein Dankeschön sein für den Einsatz der hiesigen Lesementoren. Man sei froh, dass die Idee der Leselernhelfer in den beiden Kommunen so gut gefruchtet habe. Immerhin stünden etwa 80 ehrenamtliche Mentoren bereit, die an elf Schulen arbeiten würden. Für die Pestalozzi-Schule ergriff Bernard Siegl, der stellvertretende Schulleiter, das Wort. Sechs Lesementoren helfen an der Einrichtung, den Schülerinnen und Schülern das Lesen beizubringen. „Wir profitieren als Schule sehr von Ihrem ehrenamtlichen Einsatz“, brachte es Siegl auf den Punkt.
Der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Burgwedel, Heinz Visel, freute sich, dass er bei dieser Veranstaltung dabei sein durfte. Er sei schließlich auch als stellvertretender Bürgermeister ehrenamtlich tätig, könne sich an diesem Nachmittag wohlfühlen, nicht zuletzt, weil er nicht über die Vor- und Nachteile von Schulformen diskutieren müsse. „Bei Ihnen läuft das anders“, schmunzelte er anerkennend: „Sie richten Ihren Blick nicht auf den Nobelpreis, Sie helfen den Kindern, zu einem eigenen Leben zu finden. Sie führen keine Debatten, Sie helfen einfach. Viel Erfolg! Erfolg und Freude am Helfen mögen bei Ihnen überwiegen!“
Die Idee, ehrenamtliche Leselernhelfer an die Schulen zu schicken ist vor 13 Jahren im Wohnzimmer von Otto Stender entstanden. Er ist Buchhändler und hatte schon damals festgestellt, dass immer mehr junge Menschen Schwierigkeiten mit dem Lesen haben. Er hat damals den Verein Mentor gegründet, der unterdessen bundesweit arbeitet. Stender war an diesem Nachmittag auch zum Dankeschön-Kaffee gekommen. Bücher sind aus der Mode gekommen, berichtete er. Insbesondere Jungen lesen nicht mehr. Es entstehen verheerende Lücken in der Beherrschung der deutschen Sprache. „Wir Mentoren wollen als Leselernhelfer Erste Hilfe leisten, um benachteiligten Kindern einen entsprechenden Start in die Zukunft zu ermöglichen“, sagte er. Die beiden Kommunen Burgwedel und Isernhagen seien mit 80 Mentoren überdurchschnittlich gut mit Mentoren ausgestattet. „Aber es könnten hier auch noch mehr sein“. Bundesweit gebe es 18.000 Mentoren. Etwa 80.000 würden aber gebraucht. Ziel sei es, dass die betreuten Kinder den bestmöglichen Schulabschluss machen, dass sie eine Ausbildung bewältigen und später die mündige Teilhabe an unserer Demokratie. „Wir wollen aus Fernsehsüchtigen mündige Leser machen“.
Dann waren die Mentoren an der Reihe. Wer wollte, konnte sein schönstes Erlebnis als Mentor vortragen. Ein Mentor erzählte, er habe eines Tages einen Anruf eines Vaters bekommen, der sich überschwänglich bedankte. Sein Sohn habe in einer Mathearbeit eine Eins geschrieben. Er, der Mentor, habe eingeworfen, er habe mit dem Jungen Lesen geübt, nicht Rechnen. Ja habe der Vater gesagt, er wisse, dass sein Sohn rechnen könne, aber es sei eine Mathearbeit nur mit Textaufgaben gewesen ...!
Wer Lust und Freude daran hat, Kindern und Jugendlichen beim Lesenlernen zu helfen, der wende sich entweder an der Verein Mentor- Die Leselernhelfer Hannover unter 0511/60065775 oder an den Koordinator in Burgwedel Pastor Andreas Seifert unter 05139/8963 oder mobil 0172/3213518. Besondere pädagogische Kenntnisse werden nicht erwartet, nur die eigene Freude am Lesen, Freude am Umgang mit Kindern, die Fähigkeit zuzuhören und die Freude, Verantwortung für junge Menschen zu übernehmen.