Leiche im Schrank – oder nur Leichen im Keller?

Fotograf Bloedt (Horst Windt) wollte nur kurz seine Hose wechseln und dann das: eine Leiche im Schrank! Nachbarin Simone (Helga Elebe) hätte diesen Irrtum leicht aufklären können, doch war es leider ihr heimlicher Geliebter, der sich zwischen der Wäsche versteckte. (Foto: Anna Kentrath)

Laienspielgruppe des MGV begeistert mit Krimikomödie

WETTMAR (ak). Drei Tage, drei Abendvorstellungen und trotzdem bereits eine Woche zuvor restlos ausverkauft – das war die erfolgreiche Bilanz des Theaterwochenendes der Laienspielgruppe des MGV Germania in der Wettmarer „Waldschänke“. Die turbulente Kriminalkomödie „Eine Leiche im Schrank“ von Walter G. Pfaus stand in diesem Jahr auf dem Programm, die mit vielfältigen Verwicklungen einen Angriff auf die Lachmuskeln startete.
Im Saal der Gaststätte „Waldschänke“ tummelten sich Sonntagabend bei der letzten der drei Aufführungen 120 Zuschauer. Bereits das Erscheinen der Hauptfigur sorgte für das erste zarte Kichern in den Publikumsreihen: Horst Windt, in der Rolle des Fotografen und Schwerenöters Johann Bloedt, zeigte sich in der graumelierten Vokuhila-Perücke (Kurzform für vorne-kurz-hinten-lang), die schon bei vergangenen Auftritten den ein oder anderen Kopf zierte.
Entgegen der vielleicht ersten Annahme zeigte sich schnell, dass der Herr Fotograf eine besondere Wirkung auf das andere Geschlecht zu haben schien. Zu allererst stellte sich den Zuschauern Bloedts hypernervöse Geliebte Nicola Kraft (Doris Kunisch) vor, die weniger in amouröser Umarmung ihren Liebsten beglückte, als vielmehr in Panik auf dem Balkon patrouillierte, ob ihr Mann, der ebenso umtriebige Siggi Kraft (Wilfried Künstler), ihr wohl schon auf der Spur sein könnte. Dann erschien eine weitere holde Verlockung auf der Bühne in Gestalt der ebenso charmanten, wie verheirateten Nachbarin Simone Lehmann (Helga Elebe), die nicht nur ein Auge auf den Fotografen Bloedt geworfen zu haben schien, sondern die zeitweilige Abwesenheit ihres Mannes Axel Lehmann (Helmut Meyer) augenscheinlich dazu genutzt hatte eine Affäre mit dem jungen Kriminellen Arno Pakult (Jonas Kurtze) zu beginnen. Dieses Verhältnis, das tunlichst unentdeckt bleiben sollte, wird schließlich Dreh- und Angelpunkt der Kriminalkomödie, als der junge Mann auf der Flucht vor dem Karate beherrschenden Ehemann seiner Liebsten in den Schrank des Fotografen flüchtet und dort von verschiedenen Akteuren fälschlicherweise für eine Leiche gehalten wird.
Wer hat hier wen und warum ermordet, fragen sich die verschiedenen Besucher des Fotografen – Ehemänner, Frauen in amourösen Absichten oder einfach ein altes Ehepaar, das anlässlich ihres 40. Ehejubiläums ein ganz besonderes Porträt geschossen haben möchte. Letztere als Nebenfiguren sorgten für große Erheiterung beim Publikum: Lothar Urban als Hans Halt mit seinem leichten, trockenen Berliner Dialekt und Reni Günther, als seine Frau Anna, die gut und gerne als Heidi-Kabel-Double des Ohnsorg-Theaters durchgegangen wäre, begeisterten durchweg. Das Durcheinander komplett machte die Oberkommissarin Gloria Heimann (Ulrike Bigalke), die sich partout in der Kopf gesetzt hatte, als Modell durchstarten zu müssen und sich da gleich den richtigen ausgesucht hatte: „Sind sie der Fotograf, den alle Frauen lieben?“
Wer mit wem, wann und wo glücklich wird und ob es nun eine Leiche im Schrank oder nur jede Menge Verschwörungstheorien gibt, dem gingen die Zuschauer vergangenen Sonntag bei diesem amüsant kurzweiligen Stück auf den Grund, das eines auf jeden Fall darstellte: Ein Angriff auf die Lachmuskeln.