Lebensberatungsstelle: die Anforderungen steigen

Geschäftsführer Hans-Jürgen Herrmann legte den Jahresbericht 2013 vor. (Foto: Renate Tiffe)

Jahresbericht 2013 mit veränderter Statistik vorgelegt

ISERNHAGEN FB (ti). In ihrem Jahresbericht 2013 weist die Lebensberatungsstelle Isernhagen 882 Beratungsfälle aus.
Nach kommunaler Zugehörigkeit teilen sie sich auf mit 256 für die Gemeinde Wedemark, 250 für Burgwedel, 208 für Isernhagen und 168 für andere Gemeinden. Damit bewege sich die Einrichtung in Isernhagen bereits auf ihrem höchstem Niveau, höhere Anmeldezahlen bis Ende des Jahres seien zu erwarten, sagte der Geschäftsführer Hans-Jürgen Herrmann voraus. Schon jetzt seien Wartezeiten von etwa sechs Wochen unumgänglich. Ausgenommen sind allerdings die Krisenintervention und die Schwangerenberatung.
Als freiwillige Leistung sorgen die Kommunen Burgwedel, Isernhagen und die Wedemark für eine Art Grundsicherung, die durch Spenden und Beratungsbeiträge aufgestockt wird sowie durch zusätzliche staatliche Fördergelder. Von denen gibt es mittlerweile immer mehr, die jedoch jeweils problembezogen ausgegeben werden. Für den Jahresbericht 2013 hat sich die Lebensberatung nun entschlossen, die Statistik diesen Erfordernissen anzupassen und die Gründe der Inanspruchnahme in drei Bereiche aufzuteilen, in die Lebens- und Eheberatung, in die Jugendhilfe und die Schwangerenberatung. Dadurch ergeben sich höhere Beratungszahlen, aber auch ein höherer Zeitaufwand für die Beratungskräfte von etwa fünf bis zehn Minuten pro Klienten. „Wir beraten ja Menschen und nicht nur Problemfälle, die aber deutlicher zu identifizieren sind“, so Herrmann.
Ein Riesenproblem sei die Zunahme psychisch Kranker mit Burnout und Depressionen, die einer Akut- oder auch Dauerbehandlung bedürfen. Bei dem Mangel an Fachärzten gibt es oft Wartezeiten für Termine bis zu einem halben Jahr, für Therapiezeiten bis zu einem Jahr.
Die Menschen müssen begleitet werden. Hier klaffe eine Lücke im Sozialgesetzbuch, eine Versorgung sei nicht vorhanden. Zuschüsse durch die Krankenkassen, die früher einmal in Randbereichen gewährt wurden, gebe es nur, wenn es etwa zehn Absagen von therapeutischen Praxen gegeben habe. „Wer hält das aus?“, fragt Herrmann, „wir sind kein Teil des medizinischen Versorgungssystems und verstehen uns bewusst auch nicht so“.
Gesetzliche Veränderungen gibt es bei der Schwangerenberatung, die im Herbst bei einem Treffen mit Frauenärzten diskutiert werden sollen. Die Schwangerenberatung spiele eine große Rolle bei den Migrantinnen, wie überhaupt der Beratungsbedarf in diesem Bereich zunehmen würde, wenn es von der Sprache her zu machen wäre, meint Herrmann. Bislang gebe es dafür aber keine finanziellen Möglichkeiten.
Eine immer größere Bedeutung bekomme die Erziehungsberatung. Modernen Eltern fehle heute oft die Erziehungskompetenz, die sie sich von anderer Stelle holen müssten als früher. Verbesserungswürdig sei die Anbindung an Kita und Schule. Gute Erfahrungen seien mit der Mobilberatung in Fuhrberg gemacht worden. So etwas sollte ausgebaut werden. Auch im Bereich der Jugendhilfe werden die Anforderungen steigen. Sie sieht eine Betreuung nur bis zum 18 Lebensjahr vor.
Insgesamt werden die Fälle komplexer und anspruchsvoller und eine immer größere Herausforderung für eine integrierte Beratungsstelle wie in Isernhagen. Die Außensprechstunden, die es in allen drei Kommunen gibt, reichen bei Folgeterminen nicht mehr aus.
Umso unverständlicher ist es für die Beratungskräfte, dass sich unter den Klienten eine gewisse Unverbindlichkeit ausbreitet, auch bei schwereren Fällen. Termine werden ohne Absage nicht wahrgenommen – und fehlen für andere Menschen. Durch die Wartezeiten wird dieser Trend verstärkt. Gruppen lassen sich nur noch schlecht organisieren. Auch wenn dies ein Trend ist, der nicht nur die Lebensberatungsstelle betrifft – es ist schwierig, damit umzugehen.