Leben im Flug: Mauersegler bleiben monatelang in der Luft

Nur einige Sekundenbruchteile braucht der Altvogel, um seine Jungen mit Insekten zu füttern. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Häufig kommen die Vögel in kleinen Trupps zur Nisthilfe. Dann gibt es Flugakrobatik pur zu bestaunen. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Nisthilfen werden von den rasanten Fliegern gut angenommen

FUHRBERG (hhs). Mehr „Vogel“ geht eigentlich nicht, so der erste Gedanke, wenn man sich intensiver mit dem Leben der Mauersegler beschäftigt hat. Die ungewöhnlichen Vögel, die bei uns nur reine Sommergäste sind, führen ihr Vogelleben weitgehend in der Luft.
Lediglich bei der Jungenaufzucht verbleiben sie kurz auf festem Untergrund, wenn sie den Nachwuchs hoch oben unter einem Dachvorsprung mit Insekten füttern. Dann sitzen die Mauersegler ein oder zwei Sekunden festgekrallt am Flugloch der Nisthilfe oder an einem einfachen Sims.
Zum Start in den nächsten Flug lassen sie sich einfach fallen. Einige Flügelschläge und schon sind sie um die nächste Hausecke den Blicken entschwunden. Aus der Entfernung sind nur noch ihre schrillen Schreie zu hören.
Ebenso schnell wie entflogen treffen sie wieder ein am Nest, meistens nicht allein, sondern in unterschiedlich starken Trupps, mal zu dritt oder fünft oder auch in größeren Gruppen. Zu schnell verläuft der Vorgang der Fütterung und zu schnell sind sie unterwegs.
Sie schlafen sogar im Flug, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 25 Km/h. Im Gleitflug sind sie mit 50 Km/h unterwegs, im Kraftflug erreichen sie ein Tempo von gut 100 Km/h und bei Flugspielen wurden schon mehr als 200 Km/h gemessen. Kaum ein Greifvogel kann sie schrecken, allenfalls Wanderfalke oder Baumfalke sind schnell genug.
Außerhalb der Brutzeit, so haben britische Ornithologen herausgefunden, verbleiben viele Mauersegler monatelang ohne Unterbrechung in der Luft. Selbst die Paarung erfolgt in der Luft.
Mauersegler haben äußerlich gewisse Ähnlichkeit zu den Schwalben, bilden aber die eigenständige Gruppe der Segler. Und es gibt auch körperliche Unterschiede: Zum einen sind Mauersegler größer. Ihre Spannweite liegt zwischen 40 und 44 Zentimetern, ihre Flügel sind viel länger als die der Schwalben und sie sind sichelförmig. Und schließlich ist die Jagdart unterschiedlich: Schwalben jagen flatternd beinahe tänzelnd in der Luft und scheinen dabei ohne Pause zu „schwätzen“. Mauersegler jagen im rasend schnellen Flug ohne große Haken.
Kurzer Steckbrief der Mauersegler: Sie kommen zu uns etwa Mitte Mai, Brutdauer dann 19 Tage auf zwei bis drei Eiern. Die Nestlinge bleiben mehr als sechs Wochen in der Nisthöhle, verlassen diese also kaum vor Ende Juli. Wenn die jungen Mauersegler dann ausfliegen, sind sie sofort selbständig und in der Lage, ihr Tagesmaß von 1000 Kilometern zu fliegen.
Mauersegler fliehen vor Schlechtwettergebieten schon lange vor Eintreffen der Tiefdruckgebiete. Häufig kehren sie erst nach 2000 Flugkilometern zum Nest zurück. Die Jungen fallen derweil in eine sogenannte Hungerstarre, in der alle Körperfunktionen herunterfahren werden. Auf diese Weise können Nestlinge bis zu zwei Wochen Nahrungsmangel überstehen.
Es wird immer schwieriger für den Mauersegler, geeignete Nistplätze zu finden. Ältere hohe Gebäude werden saniert und dabei verschwinden Nischen und Spalten in den Wänden. Auch moderne Wärmedämmungen tragen zum Nestnotstand bei. Künstliche Nisthilfen werden gern von den schnellen Vögeln angenommen. Diese müssen, anders als früher immer wieder als Lehrsatz formuliert, gar nicht so hoch am Haus angebracht werden.
Wichtig ist vielmehr ein gut übersichtlicher Anflug möglichst an einer Gebäudeecke. Allerdings sollte man immer bedenken: Die Fluglöcher der Nisthilfen müssen immer abgeklebt werden. Sonst werden sie von Staren und Spatzen besiedelt, eher der Mauersegler wieder bei uns eintrifft. Man kann die Folie über dem Flugloch einfach erst dann abziehen, wenn man den ersten Mauersegler gesehen hat. Die Nisthilfe wird dann innerhalb kürzester Zeit von den Vögeln angenommen.