Kunstverein lädt zur Hommage an Camille Claudel

Schauspielerische Glanzleistung: Sybille Maria Dordel schlüpft einfühlsam in die Rolle der Bildhauerin Camille Claudel. (Foto: Dagmar Thole)

Samstag, 24. August ab 20.00 Uhr im neuen Amtshof

GROSSBURGWEDEL (r/hhs). Zu einem ganz besonderen Theatererlebnis laden der Kunstverein Burgwedel Isernhagen und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Burgwedel am Samstag, 24. August ein: „Walzer in der Nacht-Camille Claudel-Bildhauerin und Frau“ lautet der Titel des Stücks, das der Kunstverein im Rahmen seines Jubiläumsprogramms „derweiblicheblick“ in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten nach Großburgwedel geholt hat.
Camille Claudel ist keine fiktive Figur, und genau mit diesem Wissen läuft einem der Schauer über den Rücken. Camille Claudel, geboren 1864, gestorben 1943, französische Bildhauerin, so findet man es in vielen Lexika kurz und bündig beschrieben. Bereits früh zeigt Camille Claudel Interesse - und Begabung - für die Bildhauerei. Ihr Vater, dem sie sehr nahe steht, ermöglicht ihr durch den Umzug nach Paris eine Ausbildung an der Académie Colarossi, einer der wenigen Kunstschulen, an der auch weibliche Studenten zugelassen sind. 1883 begegnet Camille dem 24 Jahre älteren Bildhauer Auguste Rodin. Sie wird seine Schülerin, seine Mitarbeiterin und später seine Geliebte.
Camille Claudel und Auguste Rodin inspirieren sich gegenseitig, doch vor allem Rodin profitierte von der Verbindung. Claudel, obwohl künstlerisch dem Meister ebenbürtig, bleibt in seinem Schatten. 1898 trennt sie sich von Rodin. Nach der Trennung gerät Camille Claudel in eine tiefe Krise. Sie entwickelt Symptome einer psychischen Erkrankung und wird aggressiv. 1906 zerstört sie einen Grossteil ihrer eigenen Kunstwerke. Sie lebt zurückgezogen in ihrem Atelier, ihr Vater löst sich von ihr und wendet sich ihrem als Dichter erfolgreichen Bruder Paul zu.
1913 wird Camille Claudel in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, wo sie ihre letzten 30 Lebensjahre verbringt, ohne dass sie noch einmal künstlerisch tätig ist. Camille Claudel stirbt am 19. Oktober 1943. Obwohl künstlerisch und bildhauerisch äusserst begabt, hat sie nie Erfolg mit ihrem Schaffen. Erst nach ihrem Tod wird ihr Werk anerkannt.
Sibylle Maria Dordel, Schauspielerin, Sängerin, Autorin, Rezitatorin, spielt in „Walzer in der Nacht“ ein existenziell berührendes Schauspiel, in dessen Zentrum Camille Claudel steht. Sie lässt in einem fiktiven Gespräch mit ihrem Bruder Paul und ihrem Vater ihr Leben Revue passieren. Wäre sie heute dieb Camille gewesen, wenn es ihn nicht gegeben hätte? Warum musste sie 30 Jahre ihres Lebens in der geschlossenen Anstalt von Montdevergues verbringen? War es ein individuelles psychiatrisches Problem oder eher das Problem einer engstirnigen patriarchalischen Gesellschaft, die ungewöhnliche, kreative Frauen nicht dulden konnte?
Das sind die fragen die Sybille Dordel in ihrem Theaterstück beantworten will.
Einfühlsam und professionell schlüpft sie in die Rolle der Bildhauerin und versteht es, das Publikum bis zum Schluss in Bann zu halten. Eine grandiose schauspielerische Leistung mit Tiefgang. Nach der Vorstellung steht Frau Dordel für Fragen zur Verfügung.
„Walzer in der Nacht“ wird am 24. August um 20.00 Uhr im neuen Amtshof in Großburgwedel, Auf dem Amtshof 8, aufgeführt. Der Eintritt kostet 15 Euro, für Mitglieder des Kunstvereins zehn Euro. Um rechtzeitige Kartenvorbestellung wird gebeten unter 05139/4676 oder 05139/3587 oder per Mail unter info@kunstverein-bwi.de